Einwandfrei – was heißt das genau im Bezug auf Kommunikation oder die eigene Haltung?

Was wäre, wenn wir nur noch auf Lösungen konzentrierten, uns über Fakten nicht mehr beschwerten? Was wäre, wenn wir nicht mehr über Dritte lästerten, sondern sie dazu holten, wenn wir etwas über sie sagen wollen? Was wäre, wenn Vertrauen in das Vorankommen und die Lösungen, die bereits in uns stecken, vorherrschten und den Alltag bestimmten?

Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Mal im Jahr einen beschwerdefreien Tag auf der Welt. Was würde sich ändern?

Es gibt Menschen, die haben über alles und jeden etwas zu sagen. Nicht nur Gutes, aber irgendetwas gibt es immer. Diese Menschen sind oft witzig und stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Auf Partys, bei abendlichen Treffen, in der kleinen Raucherrunde um die Ecke. Doch so witzig diese Runden sein können und Lästerei über Dritte verbinden mag – am Ende bleibt vielfach ein schales Gefühl zurück. Vielleicht sind Sie das nächste Mal das Zentrum der Lacher, wenn Sie in der Runde nicht dabei sind.

Menschen beschweren sich selten über Salat

Stellen Sie sich vor, Sie würden Salat anbauen. Wenn er braune Blätter bekommt, klein bleibt und am Schluss eingeht, werden Sie nicht den Salat dafür verantwortlich machen. Sie werden nicht sagen, dass er sich hätte mehr Mühe geben müssen, ein fauler Salat war.

Sie würden mehr gießen, dem Salat vielleicht weniger der Sonne verschaffen und ihn hegen, pflegen und ihn düngen.

Und wenn das alles nichts brächte, würden Sie behaupten, Sie hätten keinen grünen Daumen. Das wäre einwandfrei.

Mitmenschen macht man stattdessen für ihre Fehler verantwortlich und verurteilt sie dafür. Man möchte, dass sie sich ändern, etwas anders machen. Am besten heute und nicht erst morgen.

Beschwerden sind an der Tagesordnung. Jeder von uns beschwert sich täglich im Schnitt zwischen 10-30 Mal. Das reicht von kleinen Beschwerden über das Wetter („Das ist aber auch wieder ein Scheißwetter!“) über den anstrengenden und unbefriedigenden Job („Mein Chef ein Vollidiot. Er behandelt mich wie einen Praktikanten!“) bis hin zu körperlichen Gebrechen („Ich bin doch kein D-Zug!“).

Warum wir uns beschweren, obwohl wir nichts ändern können

Was bringen Beschwerden?
In den meisten Fällen nichts. Das Wetter wird sich nicht ändern. Auch nicht, wenn Sie sich mit zehn Ihrer Freunde und Kollegen einig sind: „Das war aber auch wirklich ein mieser Sommer!“

Ebenso werden sich Job oder Chef nicht ändern, wenn sich nicht zufällig ein anderer dafür einsetzt, dass es besser wird.

Und körperliche Schwierigkeiten? Es gibt viele unangenehme Verletzungen oder Behinderungen, denen man erliegen kann. Aber wo kämen wir hin, wenn wir uns diesen ergäben und uns nicht mehr aufrappeln würden?

Der Mensch macht nichts ohne Grund. Etwas am Verhalten ist nützlich, so zerstörerisch es auch sein mag. Hier sind 5 Gründe, warum wir uns beschweren oder lästern:

1. Beschwerden führen zu Aufmerksamkeit.
Wer sein Essen im Restaurant mit den Worten „Das ist besseres Hundefutter. Sagen Sie das dem Koch, der dafür verantwortlich ist!“ wieder zurück gehen lässt, stellt sich als überlegen hin, als Feinschmecker, als etwas Besonderes. Er bekommt Aufmerksamkeit. Vielleicht ein Kopfschütteln, aber er ist für den Moment im Mittelpunkt. Und Aufmerksamkeit zu bekommen, verstärkt das dafür verantwortliche Verhalten.

2. Beschwerden machen es leicht, Verantwortung nicht zu übernehmen.
„Ich bin zu fett/langsam/dumm/hässlich/ich kann das nicht…“ sind gute Ausreden, um sich keine Gedanken über die Lösung eines Problems zu machen.

a) Risiken vermeiden und Sicherheit schaffen. Verantwortung abzuschieben kann helfen, risikoreichen Situationen aus dem Weg zu gehen. Zum Beispiel mit dem Verharren im mittelmäßigen Job, auf dessen Geld man angewiesen ist…

b) Erwartungen verringern. Sich vor dem Vortrag für seine kratzige Stimme zu entschuldigen, setzt die Erwartungen an einen akustisch angenehmen Vortrag nach unten. „Ich bin nicht besonders gut in a und b“ versucht, vielleicht am Ende noch ein „Dafür hast du’s aber ziemlich gut gemacht“ zu ergattern.

3. Projektion von ungeliebten Eigenschaften auf andere.
Das Verschieben von für sich selbst unbeliebten Dingen auf andere macht es bequem, sich nicht zu ändern, weil der andere ja der Übeltäter ist, der unfreundlich am Telefon war, zu spät kam oder „einen dicken Hintern hat“. Es lohnt zu fragen: Stört mich das, worüber ich mich aufrege, an mir selbst?

4. Macht erhöhen.
Andere gegen einen Dritten aufzubringen oder diesen „runter zu machen“, ohne dass jener dazu Stellung nehmen kann, dient häufig dazu, sein eigenes Licht heller scheinen zu lassen. Leider durch das Ausblasen des Lichtes eines anderen. Man möchte seine eigene Position stärken, andere auf seine Seite bekommen.

5. Ein Gemeinschaftsgefühl entstehen lassen.
In einer Gruppe zu lästern und sich über Abwesende auszulassen und zu stellen, macht Spaß und dient der Zusammengehörigkeit. Es stärkt das Selbstwert- und Sicherheitsgefühl, vermeidet Einsamkeit und schafft Abgrenzung gegenüber anderen. Leider kann man sich nach Verlassen der Lästerrunde nie sicher sein, ob sie nicht gleich über einen selbst herzieht.

Es gibt Gründe genug, sich aufzuregen, schlecht über andere zu reden und sich verbal den negativen Gedanken und Gefühlen hinzugeben.

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Licht und Schatten lassen sich schaffen

„Gleich und gleich gesellt sich gern“ sagt der Volksmund: Wir ziehen mit unserem Verhalten Menschen und Dinge an, die unserem Verhalten entsprechen. Das ist das Gesetz der Anziehung (engl. law of attraction).
Für Beschwerden bedeutet das: Menschen, die gerne lästern und nörgeln, werden zwangsläufig andere anziehen, die das ebenfalls gerne tun. Wer in einer spottenden Gruppe sagt, er finde die Lästerei unnötig und unfair, wird wahrscheinlich langfristig ausgeschlossen. Und (vermeintlich) einsam zu sein ist keine schöne Aussicht für uns soziale Wesen.

Auf der anderen Seite widerfährt Menschen, die freigiebig Gutes tun, die Dankbarkeit anderer und deren Gutmütigkeit.
Grundlegend bedeutet das, dass wir unser Leben aktiv in die Richtung lenken können, in die wir es haben wollen. Einwandfrei und ohne destruktive Nörgelei.

EinwandFrei – 21 Tage am Stück ohne unkonstruktive Beschwerden

Den aktiven Weg, sich selbst zu verändern und damit auch anderen Vorbild für positives Verhalten zu sein, geht die mittlerweile weltweite Aktion A Complaint free World um Will Bowen aus Kansas, Missouri. Will Bowen gab seiner Gemeinde eines Tages ein lila Gummiarmband, das jedes Mal von einem zum anderen Arm bewegt werden sollte, wenn man sich selbst beim Nörgeln, Beschweren oder Lästern erwischte. Das sollte Bewusstheit dafür schaffen, wie häufig man (sich) unnötigerweise beschwert und welchen Effekt das auf unsere Umwelt hat. Das Ziel: 21 Tage hintereinander beschwerdefrei zu bleiben.

Das war im Juli 2006.

Mittlerweile sind weltweit fast 10 Millionen Armbänder in über 100 Länder der Erde verschickt worden, Individuen sowie ganze Firmen mit der Idee versorgt und großer Wandel in den Köpfen und im Verhalten der Armbandträger angekommen.

Wir werden zu dem, worüber wir nachdenken.
–Earl Nightingale

Die Idee ist simpel: behalte deine Gedanken im Zaum, denn sie werden deine Worte sein. Behalte die Worte im Griff, denn sie werden dein Verhalten bestimmen. Aus Verhalten entstehen Gewohnheiten, die deinen Charakter darstellen, der schließlich dein Leben lenkt.

Dieser anfangs noch künstlich erscheinende Wandel in der eigenen Person ist schnell ein positiver Kreislauf, denn aus positivem Verhalten und positiver Rückmeldung kann sich ebenfalls Vertrauen in positivere Gedanken bilden, die dann wiederum häufiger auftreten als vorher. (Dass „positiv“ anders als „ein Dauergrinsen“ ist, zeigt dieser Artikel.)

Das Universum ist Wandel; unser Leben ist das, was unsere Gedanken daraus machen.
–Marc Aurel

Stellen Sie sich vor, was Sie alles verändern können alleine durch den bewussteren Gebrauch Ihrer Sprache! Aufmerksamkeit durch Vorbildfunktion. Positivere Gedanken und Menschen um sich herum durch eine lösungsfokussierte Herangehensweise. Die Gewissheit, Ihren Einflussbereich ständig zu vergrößern, weil Sie darauf achten, wo Sie verändern können und vor allem wie.

Den meisten Menschen kommt der Gedanke, sich nicht mehr beschweren „zu dürfen“, wie eine auferlegte Folter, ein Beschneiden und Unterdrücken vor. Sie mögen jetzt denken: „Genau, man muss sich doch beschweren dürfen!“

Dass die fünf oben genannten (und noch weitere) Effekte und Vorteile aber auch ohne Beschwerden greifbar nahe sind, macht man sich selten bewusst. Wie genau das geht, zeigt der Artikel EinwandFrei – Fragen und Antworten auf sehr konkrete Weise. Er ist eine Sammlung von Fragen und Antworten, die einige Freunde und ich während dieses Experiments gesammelt haben.

Die Antworten sollen kein Regelwerk sein, sondern eine Anregung, sich mit dem Gedanken des beschwerdefreien Umgangs mit Ihren Mitmenschen auseinander zu setzen.Für jeden, der sich diesem Experiment anschließt und sich selbst und seinen Sprachgebrauch unter die Lupe nehmen will: Super und herzlich Willkommen!

Weniger beschweren, weniger lästern – EinwandFrei für 21 Tage

von Michael Tomoff Lesezeit: 9 min
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