Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.
–Mahatma Gandhi
(tweet)

Der Selbsterhaltungstrieb der Menschheit hat sie zum Überleben gebracht. Zur Selbsterhaltung ist Selbstentwicklung nötig, denn wer auf der Stelle stehen bleibt, wird überrannt oder ignoriert. So sind Selbsterhaltung und -entwicklung bei dem Großteil von uns normal und – selbst wenn unbewusst ablaufend – tagtäglich.

Was wäre, wenn jedermann die unbegrenzten Möglichkeiten seiner Fähigkeiten freudig nutzen und für alle anderen freistellen würde? Wahrscheinlich wäre die Welt eine bessere und die Gesamtentwicklung unaufhaltsam, ungestört und ausnahmslos positiv.

Das ist bedauerlicherweise nicht die Realität. Im Gegenteil hat sich eine andere Tendenz herausgestellt: Wenn Menschen können, wollen sie in Fülle und Reichtum leben.

Oft auf Kosten anderer.

Reichtum liegt im Auge des Betrachters

Wenn Du etwas hast, was Du nicht weggeben kannst, besitzt Du es nicht, sondern es besitzt Dich.
–Albert Schweitzer (tweet)

Gier kann auf viele verschiedene Bereiche Einfluss nehmen. Materielle Reichtümer und die Habsucht nach Geld und Besitztümern (auch „Konsumrausch“ genannt, wie der Rausch nach dem Einnehmen einer Droge). Immaterielle Begierde nach Macht über andere oder die Befriedigung von Bedürfnissen, aus denen im schlimmsten Falle Süchte werden.

Die Vergangenheit ist voll von Geschichten über zahllose Kriege, religiösen Verfolgungen, Sklaverei, Unehrlichkeiten im Finanzbereich und Monopolen, die alle darauf aus waren, Reichtum anzuhäufen, Sicherheit zu gewährleisten und Macht zu erlangen, die dabei half, Wünsche zu befriedigen.

Und das am liebsten mit minimalem Aufwand, um Energie zu sparen, die man dann für andere Dinge aufwenden kann.

Viel Geld = Reichtum?

Was genau Reichtum, Glück oder Zufriedenheit ist, muss jeder für sich herausfinden. Die weit verbreitetste Definition ist noch die finanzielle Perspektive. Wie wir alle wissen, können ebenfalls reiche Menschen auf bestimmten Gebieten arm sein, ohne dass ihr geldwerter Reichtum ihnen helfen könnte.

Meine Theorie: es sind die Vergleiche, die darüber entscheiden, wie glücklich wir uns fühlen und wie sehr wir daran interessiert sind, mehr zu wollen. Vergleiche mit anderen und vor allem Vergleiche mit dem, was wir bereits geschafft haben.

Wer immer mehr will, wird unglücklich

Nicht wer wenig hat, sondern wer viel wünscht, ist arm.
–Seneca (tweet)

Stellen Sie sich vor, Sie setzen sich Ziele. Stellen Sie sich weiterhin vor, Sie erreichen diese Ziele auch, weil Sie hartnäckig sind, gut planen, sich die nötige Unterstützung holen und Ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Wie lange hält ein solches Gefühl des Erfolgs? Wie lange sind Sie nach einem solchen Erfolg froh und glücklich? Es kommt wahrscheinlich auf die Größe des Ziels an, auf die Energie und Kraft, die Sie investiert haben. Aber letzten Endes wärt das Glück über das erreichte Ziel leider oft nicht lange.

Man hat einen Gipfel erreicht und sieht, dass es machbar war. Von dem erreichten Gipfel sieht man andere Berge, die noch viel höher und anziehender sind als der gerade bestiegene. Und was liegt näher, als das Gefühl des Erfolgs so schnell wie möglich zu wiederholen? Was liegt näher, als es zu vergrößern, weil ein höherer Berg voraussichtlich ein größeres Erfolgsgefühl beschaffen kann?

Man schaut also nach vorne, anstatt in der Gegenwart zu sein und das zu genießen, was man gerade erreicht hat. Und man macht sich auf den Weg, um die Pläne für die Besteigung des größeren Berges zusammenzutragen.

Ein großer Teil des persönlichen Reichtums liegt meiner Meinung nach im Wissen über das, was man kann und was man bereits erreicht hat: die Freude über das, was hinter einem liegt, der Genuss der Erfolge und von Ihnen zu zehren, um andere Erfolge feiern zu können.

Der Drang nach vorne kann aber nicht nur mit dem Drang zu erklären sein, dass man sich entwickeln will, um zu überleben. Worum geht es also noch?

Ich habe, also bin ich…

Selbstverwirklichung, Lustgewinn, Vermeidung von Schmerzen. Mehr Selbstwert, Respekt und das Gefühl, nicht alleine zu sein. Es gibt viele Motive, die Gier und das Bedürfnis nach mehr erklären können. Wichtig ist hier: Um welches geht es genau bei jedem Einzelnen?

Manche Menschen geben Geld aus, das sie nicht haben, für Dinge, die sie nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen.
–Danny Kaye (tweet)

Noch einmal: Es gibt heutzutage viel Leid in der Welt – physisch, materiell, mental. Einiges kann auf die Gier anderer geschoben werden. Essen wird nicht gerecht verteilt und in reichen Ländern zu großen Teilen unverzehrt weggeworfen, weil es schlecht geworden (Deutschland ist Weltspitze beim Essenwegwerfen).

Der meiner Meinung nach schmerzvollste Punkt ist jedoch nicht das materielle Leid, sondern das Leid, keine Liebe zu erfahren, alleine zu sein und ungewollt zu bleiben. Ich denke, dass viele der Anstrengungen, viele der Kriege, all das Gerangel um Güter und um Macht am Ende darauf hinaus laufen, zu zeigen, dass man es geschafft hat.

Man reißt Grenzen ein und hört nicht auf, weiterzustreben, weil man anderen zeigen möchte, was man kann, dass man nützlich ist, wertvoll und mitwirken kann mit diesen seinen Fähigkeiten.
Um zu gefallen.
Um nicht alleine und unbeachtet zu bleiben, sondern Bestätigung zu erlangen und gemocht zu werden.

Und hier schließt sich der Kreis: Das Motiv ist grundsätzlich kein negatives, solange es nicht auf Kosten anderer die Ziele legitimiert, die wir uns setzen. Es ist aufgrund der anfangs beschriebenen Sicherheitsbedürfnisse völlig normal, Wohlstand zu erstreben. Auf Kosten anderer reich zu werden, um ihnen zu beweisen, dass man seine eigene und Millionen anderen Familien mit diesem Reichtum ernähren könnte, wird auf Dauer aber nicht glücklich machen.

Nicht die anderen.
Nicht das Selbst, das nicht weiß, wohin mit diesem Reichtum.

Denn je mehr man diese Welt durch gierige Eingriffe über seine eigenen Grenzen und Bedürfnisse hinaus versucht, festzuhalten, desto mehr hat sie einen selbst im Griff und lässt nicht mehr los, treibt einen immer weiter und lässt einen aufhören, darüber nachzudenken, was man will, was man wirklich braucht. Und wie man dorthin kommt, ohne Schaden anzurichten.

Vielleicht steht deshalb am Anfang die Frage:

Was brauche ich wirklich? (tweet)

Und wenn Sie diese Frage für sich beantwortet haben, suchen Sie nach Wegen, wie Sie andere im immateriellen Sinne bereichern können. Dann wird auch das zu Ihnen gelangen, was Sie brauchen und sich ersehnen.

Eine gute und zumindest nicht direkt schädliche Art der Gier ist die Neugier. Interessiert zu bleiben, nachzufragen, die Wunder der Welt verstehen zu wollen. Ob im kindlichen Sinne oder als Wissbe-Gier-de. Probieren Sie es doch mal aus, wie es ist, neugieriger zu sein und sich aus Ihrer Komfortzone herauszubewegen.

Und wenn Sie nur versuchen, für 30 Tage etwas Neues zu machen und zu verstehen, wie es geht…

Foto: Dreamstime

Wie Sie Ihre Gier wunderbar einsetzen

von Michael Tomoff Lesezeit: 5 min
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