Ich gebe es zu: der Titel hat einen leicht anzüglichen Charakter und lockte möglicherweise den einen oder anderen Leser auf eine überraschende Fährte.

Bevor ich zum Kern des Artikels komme, stelle ich die mir auf der Zunge liegende Frage dennoch:

Über was denken Sie nach, wenn Sie duschen?

Genau diese Frage stellten in einer spannenden Studie aus dem Jahr 2006 die positiven Psychologen Fred Bryant und Joseph Veroff und schrieben diese und viele weitere Erkenntnisse in ihrem Buch nieder.

Und was sagte der durchschnittliche Versuchsteilnehmer?

„Ich gehe die Todo-Liste für den heutigen Tag durch.“

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich, denn genug zu tun haben die meisten von uns für den Tag. Und warum nicht bereits am frühen Morgen unter der Dusche das sortieren, was vor uns liegt, richtig?

Über was denke ich normalerweise in der Dusche nach?

Nun, manchmal frage ich mich, ob es wohl etwas ausmacht, das Duschgel ebenfalls zum Haarewaschen zu nutzen (tja, so trivial kann das bei mir sein!).

Üblicherweise – und darüber bin ich froh – denke ich darüber nach, wie sehr ich das Duschen genieße:

  • Die warmen Tropfen, die auf die Haut prickeln, manchmal die Ohren verstopfen und die Geräuschkulisse meines Lebens für einen Augenblick völlig verändern.
  • Einen Mund voll Wasser ungeniert nach vorne ausspucken zu können. Oder – springbrunnen(un)artig – in einem hohem Bogen in die Luft.
  • Den Duft von frischem Duschgel in der Nase zu haben.
  • Und in den Haaren.

Zu duschen gehört nicht zu den verwerflichen Dingen des Lebens.
Es ist keine der 7 Todsünden und (wenn in Maßen verübt) weder unmoralisch noch illegal.
Es bringt uns den nackten Tatsachen für einen Moment näher und lässt uns schlicht Mensch sein – ohne Kostüm oder Anzug, ohne Kluft oder Uniform, ohne Wenn und Aber.

Das Duschen ist eines dieser kurzen, vergnüglichen Dinge, die wir nicht erst durch eine Qualifizierung, durch ein Training oder eine Genehmigung, durch viel Bitten oder nur dann bekommen können, wenn wir auf unsere Gehaltserhöhung verzichten.

Die Forschung von Bryant und Veroff über das Thema Genuss zeigt im Übrigen deutlich, dass wir eine schöne Erfahrung am besten (und längsten) genießen können, wenn wir uns ohne Ablenkung darauf einlassen. Nicht nur duschen der Sauberkeit, sondern des Duschens wegen.

Todo-Listen sind – abgesehen von ihrer Wichtigkeit und nützlichen Eigenarten außerhalb der Dusche – eine gewichtige Ablenkung.

Insbesondere, wenn Sie nackt und nass sind.

Möglicherweise ist es für den durchschnittlichen Leser aber kein Thema mehr, sein Smartphone zum Abhaken von Aufgaben in Griffnähe zu halten. Wahrscheinlich ist ein Teil der heutigen Smartphones ohnehin längst wasserdicht.
Wenn man diesen Informationen Glauben schenkt, ist jedem fünften Leser unter Ihnen das Handy ohnedies schon mal in die Toilette gefallen.

Zählen Sie mich gerne dazu.

Dieser Artikel soll Sie jedoch zu etwas anderem ermuntern. Er soll mir und Ihnen wieder in Erinnerung rufen, dass viel vom guten, schönen, genießerischen Leben außerordentlich nah ist. Manchmal bereits in der Dusche. (Zitat twittern)

Genießen Sie Ihre nächste aus diesem Grund.
Denken Sie über nichts nach.

Noch nicht mal, über was Sie gewöhnlich in der Dusche nachdenken…

Foto: Visualpanic auf flickr

Literatur:

Bryant, F. B., & Veroff, J. (2007). Savoring: A new model of positive experience. Lawrence Erlbaum Associates Publishers.

Was Väter in der Dusche denken

von Michael Tomoff Lesezeit: 2 min
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