…auch das Schönste wird, wenn man sich daran gewöhnt, Routine.
–Michael J. Strehlow

Kommt Ihnen dieser Satz bekannt vor: „Wann hast du mir eigentlich das letzte Mal Blumen geschenkt?“ Falls es noch nicht so lange her ist, dass Sie das zu Ohren bekommen haben, ist es vielleicht noch zu früh, Blumen zu kaufen („Nur, weil ich es dir jetzt gesagt habe, machst du es!“). Oder eventuell schon zu spät („Jetzt sage ich es dir schon und du tust es trotzdem nicht!“).

Das Dilemma mit Geschenken oder Aufmerksamkeiten hat für mich – nicht erst aufgrund der Psychologie dahinter – schon immer einen starken Reiz ausgeübt. Unterschiedlich zur Gewohnheit, die es im positiven Sinne ja zu entwickeln gilt, hat die Gewöhnung an etwas keine besondere Vorteile.

Gewöhnen wir uns an den Schmerz, wird des Körpers eigenes Warnsignal ignoriert, auch wenn das erst vorerst gut tut. Ansonsten ist Gewöhnung häufig mit Langeweile verbunden, mit dem Verlust von Aufmerksamkeit für etwas oder jemanden. Das leckerste Essen schmeckt nach zu häufigem Genuss fad und ist keine „Gaumenfreude“ mehr. Ausschließlich Urlaub in der Sonne ist auf Dauer auch nicht recht. Und der Partner an der Seite wird ebenfalls stetig gewöhnlicher und vermehrt andere seine oder ihre Vorzüge zu sehen, man selbst aber zu dessen Verdruss nicht mehr.

Und jede Woche Blumen geschenkt zu bekommen? Das ist die ersten Wochen höchstens seltsam („Hast du etwas ausgefressen?“), aber dann doch wunderschön. Oder etwa nicht?

Hygiene ist, wenn nichts fehlt

Was wäre wenn… Sie wöchentlich Blumen schenkten und sie nach zehn Wochen einmal wegließen? Der Bund Blumen wird mit großer Wahrscheinlichkeit vermisst.

Der bekömmliche Strauß ist hier über die Zeit zum Hygienefaktor geworden. Darunter verstand der klinische Psychologe Frederick Herzberg jene Faktoren, welche bei Vorhandensein die Entstehung von Unzufriedenheit verhindern, aber nicht zur Zufriedenheit beitragen oder diese erzeugen.

Häufig – und gerade nach Gewöhnung durch Zeit – werden diese Faktoren nicht mehr bemerkt oder mehr noch: als selbstverständlich betrachtet. Fehlen sie andererseits, wird das als Mangel verstanden und führt zu Unzufriedenheit. Und so kann das gut gemeinte Beschenken mit Blumen nach hinten losgehen.

Gewohnheit ist oft ein Mangel an Überlegung und Erkenntnis.
–Else Pannek

Was tun?

Abwechslungsreiche Aufmerksamkeiten werden nicht nur zu erhöhter Zufriedenheit bei Ihrem Partner, einem Freund oder Ihrer Mutter führen. Sie wird auch auf Sie zurückfallen und Ihnen Freude bereiten. Vielleicht kennen Sie ebenfalls das gute Gefühl, jemanden glücklich zu sehen und zu wissen, dass Sie maßgeblich zu diesem Freudestrahlen beigetragen haben.

Tipp: Legen Sie weniger Wert auf Materielles. Auch eine Stunde aufmerksames Zuhören ist ein Geschenk. Auch ein vorbereitetes Picknick im Grünen oder ein Wochenende im Wellness Hotel sind (für die meisten) Überraschungen und ein Zeichen, dass sich jemand Gedanken macht. Einzig die Kommunikation dieser guten Taten sollten Sie sicherstellen, damit dieses besonders in heutigen Zeiten schöne Geschenk der Zeit für jemanden nicht untergeht.

Und die Taten wiederum werden helfen, dass neue, bessere Gewohnheiten einkehren und die Gedanken vermehrt in Richtung „Schönes für den anderen“ gehen werden.
Automatisch.

Gewöhnt euch aneinander – aber laßt es nicht zur Gewohnheit werden.
–Klaus Ender

Schöner Nebeneffekt: Die Gewöhnung an Erlebnisse ist wesentlich schwächer als an materielles Gut. Und durch diese Art von Geschenken entstehen eher neue beschreibende Adjektive für Sie: kreativ, aufmerksam, gedankenvoll.

Denn auch ohne der Dalai Lama höchstpersönlich zu sein („Be kind whenever possible. It is always possible.“), ist es viel schöner, sich Gedanken zu machen, bevor man mit diesem Satz im Rücken ins Bett geht:

„Sei doch mal kreativ und denk‘ dir was Schönes für mich aus…“

 

Foto: Shandilee

Wie Sie verhindern, das Schönes zur Routine wird

von Michael Tomoff Lesezeit: 3 min
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