Selbsttest, zehn Minuten
Was kostet dich dein Wert?
Die meisten Wertetests geben dir zurück, was du eingegeben hast. Dieser fragt nach dem Preis. Ein Wert, der dich noch nie etwas gekostet hat, beschreibt nicht dich, sondern die Person, die du gern wärst.
Fünf aus zehn
Zehn Wertefelder, angelehnt an die Ordnung von Shalom Schwartz. Wähle die fünf, die dir am wichtigsten sind. Zügig, das erste Gefühl trägt hier weiter als die zweite Überlegung.
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Der Preis
Zu jedem deiner fünf Werte eine Frage: Wann hat dich dieser Wert zuletzt etwas gekostet? Ein Moment aus den letzten zwölf Monaten, in dem du wegen dieses Wertes auf etwas verzichtet hast, jemanden enttäuscht hast oder den unbequemeren Weg genommen hast.
Wenn dir nichts einfällt, ist das kein Fehler. Es ist das Ergebnis.
Dein Ergebnis
kostet dich etwas
Gewachsen
Kostet dich etwas, entschieden hast du es nie.
Kernwert
Kostet dich etwas, und du stehst dazu. Hier steuerst du.
Mindeststandard
Machen alle so. Unterscheidet dich von niemandem.
Anspruch
Du willst dahin. Bezahlt hast du noch nicht.
kostet dich nichts
Die vier Felder folgen der Einteilung von Patrick Lencioni.
Was trägt
Werte, für die du schon einmal bezahlt hast. Sie steuern deine Entscheidungen, auch wenn du nicht an sie denkst.
Was Selbstbild ist
Werte ohne Preis. Sie sind darum nicht wertlos, sie leiten dich nur noch nicht.
Warum der Preis
Drei Ökonomen haben 2015 untersucht, ob die Werte, die Unternehmen auf ihre Webseiten schreiben, mit deren Erfolg zusammenhängen. Das Ergebnis: praktisch gar nicht. Sie nennen solche Werte cheap talk, weil das Behaupten von Integrität nichts kostet. Was dagegen deutlich zusammenhängt, ist die von den Mitarbeitenden wahrgenommene gelebte Integrität.
Patrick Lencioni hat dasselbe von der anderen Seite formuliert:
When properly practiced, values inflict pain. They limit an organization’s strategic and operational freedom and constrain the behavior of its people.
Für Organisationen gilt das, und für Menschen gilt es genauso. Ein Wert zeigt sich in dem Moment, in dem er unbequem wird. Vorher ist er eine Absichtserklärung.
Was nichts kostet, steuert nichts.
- Was trägt
- Ein Wert, für den du einen konkreten Preis benennen kannst. Lencioni nennt so etwas einen Kernwert.
- Ein Anspruch
- Ein Wert, der dich noch nichts gekostet hat und den du einlösen willst. Lencioni nennt das aspirational. Das ist der ehrlichste Fall.
- Ein Mindeststandard
- Ein Wert, den praktisch alle teilen. Er unterscheidet dich von niemandem und steuert deshalb auch nichts. Lencioni nennt ihn permission to play.
Kleingedrucktes
Die zehn Wertefelder folgen der Ordnung von Shalom H. Schwartz, Theory of Basic Human Values. Sie dienen hier als Raster, um das Feld zu sortieren. Dieser Test ist kein psychometrisches Messinstrument, er ist nicht validiert und liefert keinen Wert, der sich mit anderen vergleichen ließe. Wer eine geprüfte Messung braucht, nimmt das Portrait Values Questionnaire. Seine deutsche 21-Item-Fassung steht als Human Values Scale bei GESIS, mit vollständigem Itemwortlaut und für nichtkommerzielle Nutzung frei.
Der Befund zu veröffentlichten Unternehmenswerten stammt aus Guiso, Sapienza und Zingales, The Value of Corporate Culture, Journal of Financial Economics 2015. Das Zitat und die Unterscheidung der Werte-Typen aus Patrick Lencioni, Make Your Values Mean Something, Harvard Business Review, Juli 2002. Lencionis Artikel ist ein Praktiker-Essay, keine Studie, und sein Modell ist bis heute nicht empirisch geprüft.
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Zusammengestellt von Michael Tomoff, Diplom-Psychologe, Bonn.
