Was kostet dich dein Wert?

Selbsttest, 20 Minuten

Was kostet dich dein Wert?

Dieser Selbsttest fragt nach dem Preis: Wann hat dich ein Wert in den letzten zwölf Monaten etwas gekostet? Wo dir kein Moment einfällt, bleibt die Einordnung eine Hypothese. Eine Gegenprobe und ein kleiner Einsatz in den nächsten vier Wochen prüfen sie.

20 MinutenalleinEingaben bleiben im BrowserHypothese, kein Urteil

Vorab

Du beantwortest gleich fünf Fragen zu deinen Werten, allein und in deinem Tempo. Alle Antworten sind gültig. Was du schreibst, muss niemand sehen, und du entscheidest später selbst, was du zeigst. Lass Namen anderer Personen und Vertrauliches weg. Ein leeres Feld heißt nur, dass dir für die letzten zwölf Monate kein Moment eingefallen ist. Du kannst jederzeit aufhören.

Überleg dir vorab, mit wem du danach sprechen könntest, falls ein Ergebnis nachwirkt.

Wähle einen anderen Zeitpunkt, wenn du gerade in einer akuten Krise bist, in den ersten Wochen nach einem Trauerfall, einer Trennung oder einer Kündigung oder in einer depressiven Episode mit starker Selbstabwertung.

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Fünf aus zehn wählen

Zehn Wertefelder, angelehnt an die Ordnung von Shalom Schwartz. Wähle zügig die fünf, die dir am wichtigsten sind. Das erste Gefühl trägt weiter als die zweite Überlegung. Wähle so, als sähe die Liste niemand.

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Warum dieser Wertetest nach dem Preis fragt

Drei Ökonomen haben 2015 untersucht, ob die Werte, die Unternehmen auf ihre Webseiten schreiben, mit deren Erfolg zusammenhängen. Im untersuchten Datensatz fanden sie keinen Zusammenhang mit Profitabilität und Tobins q (Börsenwert im Verhältnis zum Substanzwert eines Unternehmens); die Ausnahme ist die Kundenzufriedenheit. Die Autoren halten es für möglich, dass viele dieser Werte billiges Gerede („cheap talk“) sind, weil das Behaupten auf einer Webseite fast nichts kostet. Erleben Mitarbeitende ihr Top-Management als vertrauenswürdig und ethisch, ist die Leistung der Firma stärker.

Patrick Lencioni schreibt in einem Praktiker-Essay (hier von mir ins Deutsche übersetzt):

Wenn Werte richtig gelebt werden, tun sie weh. […] Sie schränken die strategische und operative Freiheit einer Organisation ein und begrenzen das Verhalten ihrer Leute.

Dieser Wertetest überträgt die Frage von Unternehmen auf einzelne Menschen. Das ist eine Analogie. Die Annahme dahinter: Ein Wert zeigt sich in dem Moment, in dem er etwas kostet.


Kernwert (bei Lencioni: core)
Du kannst einen Moment benennen, in dem der Wert dich etwas gekostet hat, und du hast dich für ihn entschieden, mit einem Zeitpunkt oder Anlass.
Gewachsen (accidental)
Du kannst einen Moment benennen, in dem der Wert dich etwas gekostet hat, und du hast ihn vorgefunden, durch Herkunft, Team, Umfeld oder Gewohnheit.
Anspruch (aspirational)
Dir fällt kein Moment ein, und du willst den Wert einlösen.
Mindeststandard (permission to play)
Dir fällt kein Moment ein, und der Wert gilt bei dir, weil er in deinem Umfeld selbstverständlich gilt.
Mit Begleitung oder im Team nutzen

Im Einzelcoaching macht die Person den Test allein, vor der Sitzung oder im Raum, während der Bildschirm bei ihr bleibt. Im Gespräch entscheidet sie, welches Feld sie zeigt. Die Begleitung deutet nichts und fragt je Moment höchstens zweimal nach: „Wann genau war das?“ und „Was hättest du sonst getan?“ Eigene Vermutungen über das Selbstbild der Person bleiben draußen.

Als Vorbereitung auf eine Teamrunde machen alle den Test vorher allein. In der Runde spricht reihum nur, wer will, und nur einen Satz: „Für diesen Wert zahle ich in den nächsten vier Wochen den ersten Cent: …“ Niemand kommentiert, niemand fragt nach Kernwerten oder leeren Feldern. Die Führungskraft spricht zuletzt. Bei laufendem Konflikt, Umstrukturierung, Beurteilungsrunde oder einem Hierarchiegefälle, das Offenheit kostet, eignet sich die Runde nicht so gut, klappt aber auch bei psychologisch sicheren Teams (eigene Erfahrung).

Kleingedrucktes

Die zehn Wertefelder folgen der Ordnung von Shalom H. Schwartz, Universals in the Content and Structure of Values, 1992. Sie dienen hier als Raster, um das Feld zu sortieren. Dieser Wertetest ist kein psychometrisches Messinstrument: Er ist nicht validiert, seine Wiederholungsstabilität ist ungeprüft, und du wertest selbst aus. Er liefert keinen Wert, der sich mit anderen vergleichen ließe. Diese konkrete Übung ist neu und bisher nicht empirisch geprüft. Wer eine geprüfte Messung braucht, nimmt den Portrait Values Questionnaire (Porträt-Wertefragebogen). Seine 21-Item-Fassung ist als Human Values Scale bei GESIS dokumentiert (englisch, für nichtkommerzielle Forschung frei); den deutschen Itemwortlaut enthalten die deutschen Fragebögen des European Social Survey.

Der Befund zu veröffentlichten Unternehmenswerten stammt aus Guiso, Sapienza und Zingales, The Value of Corporate Culture, Journal of Financial Economics 2015; die Überlegung zum billigen Gerede steht im Arbeitspapier von 2013. Das Zitat und die Unterscheidung der Werte-Typen aus Patrick Lencioni, Make Your Values Mean Something, Harvard Business Review, Juli 2002. Lencionis Artikel ist ein Praktiker-Essay, keine Studie; eine Websuche am 30.09.2026 fand keine empirische Prüfung seiner Typologie. Zum Zusammenhang von Werten und Verhalten: Bardi und Schwartz, Values and Behavior, Personality and Social Psychology Bulletin 2003.

Deine Eingaben werden nicht übertragen. Sie bleiben im Browser deines Geräts (localStorage), damit nichts verloren geht, wenn du die Seite neu lädst, und niemand sonst sieht eine Auswertung. „Alle Eingaben löschen“ und „Noch einmal“ entfernen sie vom Gerät. Ein abgewählter Wert verliert seinen Text sofort. Auf einem geteilten Gerät löschst du die Eingaben, bevor du die Seite verlässt.

Zusammengestellt von Michael Tomoff, Diplom-Psychologe, Bonn. Diesen Wertetest gibt es auch in English.