Werkzeug für Teams
Die Horrorfilm-Frage
Ein Londoner Gründer hat Teams gefragt, ob sie Horrorfilme mögen, und daraus abgelesen, wer miteinander kann. Seine Logik steckt in diesem Werkzeug: zwölf schräge Fragen, aus denen eine Landkarte eurer Werte entsteht.
- 1Jede Person füllt allein aus
- 2Antworten laufen auf einem Gerät zusammen
- 3Ihr redet über das, was auseinandergeht
Deine Betriebsanleitung
Fünf Fragen über dich, die deine Kolleg:innen sonst über Monate erraten. Zehn Minuten allein, dann liest du im Raum vor, was du magst. Was du hier schreibst, bleibt auf deinem Gerät und wird nirgends eingesammelt.
Zwölf schräge Fragen
Wer direkt nach Werten fragt, bekommt Selbstdarstellung. Wer nach Horrorfilmen fragt, bekommt eine Antwort, die niemand taktisch geben kann, weil keine Person ahnt, worauf die Frage zielt.
Jede Frage hat drei Teile. Deine eigene Antwort. Die Antwort, die du dir von Menschen wünschst, mit denen du eng zusammenarbeitest. Und wie wichtig dir das ist. Antworte zügig, das erste Gefühl trägt hier weiter als die zweite Überlegung.
Weitergeben
Deine 36 Antworten passen in einen kurzen Link. Schick ihn an die Person, die moderiert, dann taucht dein Name dort in der Auswertung auf. Wenn das Netz streikt, sagst du stattdessen die zehn Zeichen durch.
Dein Resonanz-Code
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Der Code entsteht, sobald alle zwölf Fragen vollständig beantwortet sind.
Antworten einsammeln
Jeder Link, den du antippst, trägt sich hier selbst ein. Wer keinen Link schicken konnte, sagt dir seine zehn Zeichen durch, und du tippst sie mit Namen daneben.
Resonanz
Wer schwingt mit wem
Gelesen wird paarweise: wie oft die eine Person genau das antwortet, was sich die andere wünscht, gewichtet danach, wie wichtig ihr das ist. Ein hoher Wert bedeutet wenig Aushandlungsbedarf, nicht das bessere Team.
Alles mitnehmen, um es später auszuwerten. Kopieren fügt sich in Google Sheets direkt in Spalten ein, die Datei öffnet Excel.
Wo es reibt
Nimm eine dieser Fragen mit in die Runde und lass sie arbeiten. Das Werkzeug hat seinen Zweck erfüllt, sobald ihr hier zu reden anfangt.
Wo ihr euch einig seid. Einigkeit ist die Stelle, an der euch allen dasselbe entgeht.
Eure Spielregeln
Fünf Fragen, die ihr aushandelt, während du mitschreibst. Sie funktionieren erst nach der Auswertung, weil ihr dann wisst, worüber ihr eigentlich verhandelt.
Was gemessen wird
Alistair Shepherd gründete 2012 in London ein Unternehmen namens Saberr. Sein Algorithmus suchte zwei Dinge gleichzeitig, und darin liegt der ganze Trick.
The algorithm is finding two things: it’s finding people who behave differently from you but people whose values are aligned with yours.
Gemeinsame Werte tragen, unterschiedliches Verhalten macht ein Team stark. Nach Werten hat er trotzdem nie gefragt. Seine Begründung: Menschen wissen selten explizit, was ihre Werte sind. Also fragte er daneben, mit Fragen, die willkürlich wirken.
Horrorfilme statt Leitbild.
Die belegten Fragen
Vier Fragen sind im Wortlaut belegt und stecken unverändert in Abschnitt 02.
- Do you like horror movies?
- Gestellt beim Test mit acht Teams eines Businessplan-Wettbewerbs der Universität Bristol.
- Would you consider having an open relationship?
- Im Firmenkontext eine Mine. Sie zielt auf die Bindung an Konventionen und meint das Privatleben nur als Umweg. Wer sie weglässt, sagt im Raum warum, und hat damit schon das erste Gespräch.
- Would you prefer if good things or interesting things happened to you?
- Aus der archivierten Oberfläche der echten Umfrage.
- Which would you rather be? Normal / Weird
- Ebenfalls aus der archivierten Oberfläche.
Das dreiteilige Antwortformat stammt von dort. Die eigene Antwort, dann die erwünschte Antwort der wichtigsten Person im eigenen Leben, dann eine Gewichtung von A little important bis Mandatory. Genau diese Gewichtung macht die Auswertung überhaupt lesbar. Hier steht statt der wichtigsten Person im Leben der Arbeitskontext.
Was nachgebaut ist
Acht der zwölf Fragen stammen aus eigener Hand, gebaut nach demselben Muster: situativ, binär, abwechselnd aus Arbeit und Leben, jede auf einer Werteachse nach Shalom Schwartz.
Dazu gehört die Frage nach Rechtschreibfehlern. Sie wird Saberr gern zugeschrieben, taucht aber in keiner zugänglichen Quelle auf. Sie ist hier drin, weil sie im Raum funktioniert.
Eine Einordnung für alle, die genauer hinsehen: Saberr hat das Werte-Modell gewechselt. Die frühe Phase von 2012 bis 2014, aus der die Horrorfilm-Frage stammt, war aus Mustern von Online-Dating-Plattformen abgeleitet. Schwartz kam erst im April 2015 dazu. Wer die Horrorfilm-Frage als Schwartz-Item verkauft, wirft zwei Produktphasen zusammen.
Und jetzt der Haken
Saberr gab 2014 an, in rund 21 Tests zu über 95 Prozent richtig gelegen zu haben. Acht Teams in Bristol korrekt gerankt, die stärkste und die schwächste Person eines zwanzigköpfigen Produktteams korrekt identifiziert, bei einem Gründerprogramm jedes Mal richtig.
Das sind Eigenangaben. Kleine Stichproben, keine unabhängige Prüfung, keine veröffentlichte Methode. Den allerersten Fragebogen nannte Saberr im Rückblick selbst terrible, und später schwenkte das Unternehmen von Vorhersage auf Coaching-Software um.
Dieses Werkzeug sagt also nichts vorher. Es erzeugt Gespräche, die ein Team sonst unter sich lässt. Wer daraus eine Prognose macht, verkauft Pseudopräzision, und das merkt im Raum jede Person, die etwas von Statistik versteht.
Kleingedrucktes
Die fünf Fragen der Betriebsanleitung und die fünf Spielregel-Fragen stammen aus Liz Fosslien und Mollie West Duffy, No Hard Feelings. Emotions at Work and How They Help Us Succeed, Portfolio, New York 2019, Seite 118.
Die Zitate und Angaben zu Saberr stammen aus dem Interview Shared values predict startup success? bei 80,000 Hours vom Mai 2014 sowie aus archivierten Fassungen von saberr.com aus den Jahren 2013 bis 2016. Das Werte-Modell nach Shalom H. Schwartz liegt in der Theory of Basic Human Values vor.
Alle Eingaben bleiben im Browser des jeweiligen Geräts. Der Resonanz-Code enthält ausschließlich die 36 Antworten aus Abschnitt 02, keinen Namen und keinen Freitext.
Zusammengestellt von Michael Tomoff. Wer das Werkzeug in einem eigenen Workshop einsetzen will, nimmt es gern mit.
