Michael Tomoff - Was Wäre Wenn - Leidenschaft

Leidenschaft oder: Wie finde ich, was ich liebe?

Im letzten Artikel ging es um 7 Lügen über Leidenschaft. Leidenschaft zu finden, also zu finden, was man liebt, ist meiner Meinung nach in allen Lebensbereichen wichtig.

Schon Steve Jobs sagte in seiner berühmten Stanford-Universitäts-Abschlussrede, dass der einzige Weg, großartige Arbeit zu leisten, der wäre, zu lieben, was man tut.

Leichter gesagt als getan, denken da kritische Leser:innen zu Recht.

Trotz der zahlreichen Bücher über Glück und Wohlbefinden gibt es dazu natürlich keine Weltformel, denn jeder Mensch ist anders, hat andere Stärken, andere Bedürfnisse, andere Erwartungen an das Leben, an sich, an andere.

Dennoch gibt es Wege, die Wahrscheinlichkeit größer zu machen, das zu finden, was man liebt.

Ein Coaching-Kollege gab mir einmal eine Frage mit, die dich – zumindest für den Arbeitsbereich – ein großes Stück in die gewünschte Richtung bringt:

Wenn Sie steuerfrei 3 Millionen Euro bekämen und Sie frei von finanziellen Sorgen sind, Sie aber nicht aufhören dürften, zu arbeiten – was würden Sie tun?

Viele Menschen hören diese Frage nicht zum ersten Mal und haben Gründe, trotzdem an ihren ungeliebten, ja teils sogar verhassten Jobs festzuhalten, Dinge auch außerhalb der Arbeitszeit zu tun, die sie – im Nachhinein betrachtet – eigentlich nicht hätten tun wollen und sich mit Menschen umgeben, die ihnen ebenfalls nicht guttun und sie keinen Schritt weiterbringen in Richtung Leidenschaft.

Warum passiert das?

Gründe, warum wir nicht tun, was wir lieben

Es gibt zwei Gründe dafür:

Grund Nr. 1: Du weißt nicht, was du liebst.
Grund Nr. 2: Du hast Angst zu tun, was du liebst.

Dass du herausfinden willst, was du liebst – allein, dass du diesen Artikel liest, ist ein Hinweis darauf -, ist bereits ein großer Schritt. Viele Menschen tun das ihr gesamtes Leben nicht. Oder, wie es Henrik Ibsen treffend formuliert:

Viele Menschen sterben, ohne je gelebt zu haben. Zum Glück bemerken sie es nicht.

Zu finden, was man liebt und leidenschaftlich tut, ist eine der wichtigsten Fragen des Lebens. Die Antworten darauf helfen dir, Energiequellen zu finden, den Spaß am Leben zu vergrößern und dem Leben Sinn zu verleihen.

Nicht das zu tun, was du liebst, hieße das zu tun, was andere dir aufbürden, auferlegen. Es hieße, dich steuern zu lassen, statt selbst das Steuer in der Hand zu haben.

Natürlich kannst du trotzdem ans Ziel gelangen. Gleich einer Mitfahrgelegenheit, bei der die Fahrer:in dich dorthin bringt, wohin du für dein Geld möchtest. Du schläfst und legst dein Schicksal vertrauensvoll in die Hände eines (mehr oder weniger) fremden Menschen.

Wahrscheinlich kommst du an. Wie viel hast du jedoch von der Fahrt (deinem Leben) mitbekommen…? Hast du dich unterhalten und Neues lernen können? Hast du die Natur entlang der Strecke genossen? Hast du eine Freundschaft schließen können?

Naja, im Schlaf ans Ziel zu kommen, ist ja auch ganz schön…

Seine Leidenschaft zu finden heißt, Sinn zu finden

Ich kann dir nicht den Sinn des Lebens erklären. Ich kann dich nur ermutigen, dich auf den Weg zu machen und ihn zu suchen. Ein wichtiger Wegweiser: nach deinen Leidenschaften Ausschau zu halten.

Warum?

Weil du mit dem, was du gut kannst, leicht die Welt verändern und dabei auch noch das innere Glühen spüren kannst, das in deinem Kern bereits vorhanden ist.

Zu erkennen, was dich glühen lässt, macht es einfacher zu wissen, was du mit deinen Fähigkeiten, mit deinem Leben machen kannst. Und diese Fähigkeiten für etwas Gutes einzusetzen, für dich oder andere Menschen, das ergibt viel Sinn, findest du nicht?

Wie es sich bei allen Problemen verhält, verhält es sich auch bei der Suche und dem Finden von Leidenschaft: Die Antwort liegt bereits in dir.

Es ist nichts, was du durch Reisen aufdecken, durch religiöse Trance erfahren oder durch Tutor:innen oder Mentor:innen gesagt bekommen musst. Es ist bereits in dir vorhanden.

Du kannst dich auf die Reise machen, dir in fremden Ländern und bei anderen Menschen Lösungen beschaffen und großartige Impulse bekommen. Nötig ist es nicht.

Du schaffst das allein.
Mit ein wenig Zeit für dich.
Ohne Ablenkung.

Anfangs wird die Antwort auf die Frage, was du liebst, wahrscheinlich „Ich weiß es nicht.“ sein. Und das ist völlig ok. Doch um von diesem „Ich weiß es nicht.“ zu einer konkreten Antwort zu kommen, gebe ich dir ein paar Hilfen mit. Tricks, mit denen du deinem Geist die Sporen gibst, dir bei der Antwort zu helfen.

Hilfe 1: Du wirst die Antwort ohne Zweifel finden.

Wie bereits geschrieben: Die Antwort ist schon da. In dir. Bereits durch leidenschaftliche Taten bewiesen, durch flow-Erlebnisse verdeutlicht, durch Höhepunkte in deinem Leben herauskristallisiert.

Oft vergessen wir solche offensichtlichen Beweise. Oft nehmen wir sie überhaupt nicht bewusst wahr. Aber egal, aus welchen Gründen diese Leidenschaften nicht so präsent waren oder sind, wie sie es sein könnten: Du findest die Antwort. Mit dieser Mentalität ist es nur eine Frage der Zeit.

Denn mit dieser Einstellung gibst du deinem Unbewussten eine Aufgabe. Und dein Unbewusstes ist eine kraftvolle Hilfe. Es funktioniert wie bei einem geplanten Urlaubsziel: Wenn du dir vorgenommen hast, Paris zu sehen, dann kommst du dort auch an.

Du findest einen Weg, denn alle Aktionen fokussieren sich darauf, dein Denken nimmt sich dieses Weges an, verschreibt sich diesem Ziel, und du nimmst Dinge wahr, die dein Unbewusstes vorher herausgefiltert hatte.

Paris = Finden, was du zu tun liebst, was dich mit Leidenschaft füllt.

Michael Tomoff - Was Wäre Wenn - Leidenschaft

Hilfe 2: Die Fähigkeiten-Interessen-Liste

Eine immer gute Unterstützung ist eine Liste, auf der sowohl deine Fähigkeiten als auch deine Interessen stehen. Fertige zwei Spalten an und schreib es auf.

Der Prozess des Schreibens ist hier sehr wichtig, denn durch das Schreiben kommen teils unbewusste Antworten auf unsere Frage an die Oberfläche und fallen dir während des Schreibens ein. Es werden neue Verbindungen sichtbar und es gelangt nach außen, was sonst nur in deinem Kopf war.

Fähigkeiten aufzuschreiben, fällt vielen Menschen schwer. Weil es nach Eigenlob aussieht. Eigenlob erträgst du in diesem Fall – schließlich geht es um die Dinge, die du liebst.

Schreib bitte unbewertet alles auf, was dir einfällt. Wirklich alles. Spiel den Sherlock Holmes für deine Stärken und beobachte genau.

Ein Beispiel für eine dubiose Stärke: Ich habe einen guten Riecher, wann im Supermarkt neue Kassen eröffnet werden und stehe bei langen Einkaufsschlangen oft nur sehr kurz an, weil ich der Erste an der neuen Kasse bin. Ich weiß nicht, wo mir das noch nützlich sein wird, aber es ist eine Stärke. 😉

In die andere Spalte kommen deine Interessen. Auch hier gilt: keine Bewertungen („albern“, „unnütz“, „kindisch“…), sondern einfach aufschreiben. Interessieren dich Fische? Als Horoskop oder als Tiere? Fußball? Oder die Nähte bei Fußbällen? Machst du gerne Scherze oder fasziniert dich die Herstellung von Karnevalskostümen (wenn du sie gut basteln kannst, kommt das auf deine Stärkenseite)?

Über welche Themen liest du gerne Bücher? Worüber redest du liebend gerne mit Freund:innen oder sogar Fremden?

Was hast du als Kind gerne gemacht und würdest es immer noch gerne machen, wenn das nicht „nur was für Kinder“ wäre? Oder machst du sogar Dinge, die kindisch sind, ohne dich dabei zu schämen? (Stärke!)

Frag zudem gute Freund:innen, welche Stärken und Interessen sie in und an dir sehen. Du wirst überrascht sein, was alles von deinen Liebsten zurückkommt.

Warum komme ich wieder auf Stärken zurück?

Weil du nutzen solltest, worin du stark bist. Weil das, worin du stark bist, dich voranbringt, dir höchstwahrscheinlich sehr viel Freude bereitet und mit der richtigen Mischung aus Anspruch und erforderlichem Fähigkeiten-Niveau etwas sein kann, das du leidenschaftlich tust.

Vielleicht lassen sich deine Fähigkeiten und Interessen in einige wenige verdichten und zusammenfassen. Falls ja, nimm das direkt mit zu Punkt 3.

Hilfe 3: Mach es dir einfach. Nimm dich und deine Leidenschaft ernst.

Wenn wir nur die gleiche Zeit an Reflexion auf das richten würden, was wir im Leben wollen, wie auf die Frage, was wir mit zwei Wochen Urlaub machen, wären wir erschreckt von unseren falschen Maßstäben und dem ziellosen Schaffen unserer geschäftigen Tage.
–Dorothy Canfield Fisher

Diese Einsicht von Dorothy Canfield Fisher bewegt mich diese Tage stark und wird dies hoffentlich auch noch lange tun. Nicht nur, weil ich dieses Verhalten bei anderen erkenne, sondern auch, weil ich mich selbst ertappt fühle, mich häufig nicht wichtig genug zu nehmen.

Es ist schon eine Leistung, sich Zeit zum Lesen, zum Entspannen, zum Erholen zu nehmen. Wie schwer ist es dann erst, sich Zeit für Überlegungen zur eigenen Zukunft zu verschaffen? Und wie gruselig kann es sein, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen… (Grund Nr. 2…)

Übrigens: Hast du deine Fähigkeiten und Interessen schon aufgeschrieben? Falls nicht, frage ich dich noch einmal: Wie wichtig nimmst du dich und deine Zukunft samt leidenschaftlicher Dinge? Tu’s jetzt.

Verknüpfung der Hilfen

Um die sehr breite Frage „Was ist es, was ich zu tun liebe?“ konkreter zu gestalten, spezifizieren wir sie:

Was würde ich täglich lieben zu tun, das meine Fähigkeiten und Interessen nutzt, Sinn ergibt und anderen hilft?

Durch den letzten Zusatz in der Frage gelangst du nicht nur auf die Spur deiner ernsthaften Leidenschaft(en), sondern auch auf die, mit dieser leidenschaftlichen Sache Geld zu verdienen. Denn Geld ist ein Nebenprodukt dessen, was Wert in Form einer Sache oder Dienstleistung für andere Menschen darstellt.

Auch hier: Schreib deine Ideen auf. Nimm die Serviette vor dir, den Bierdeckel (warum liest du meinen Artikel auch zwischendurch im Pub!? :), den Block, deinen Computer – nicht deinen Gedankenapparat.

Und: Bewerte noch keine deiner Ideen.

Fokus, Fokus, Fokus.

Wer drei Hasen nachjagt, wird keinen fangen.
–Sprichwort aus Serbien.

Schau deine Liste an und wähl die Idee, die dir das beste Gefühl beschert. Vielleicht ist es auch eine Kombination aus mehreren Ideen. Wenn du das gefunden hast, was dir ein herrlich flaues Gefühl im Magen verschafft, dann bist du richtig.

Wenn du nur das kleinste Fünkchen Zweifel in dir hast, dass das nicht deine Leidenschaft sein könnte, dann ist sie es nicht. Such weiter. Du bist nah dran.

Hast du keine Zweifel, ist deine Suche vorüber. Vor dir siehst du das, was du zu tun liebst. Täglich. Mit voller Kraft und Energie. Wie fühlt sich das an?

Eine letzte Sache gebe ich dir mit auf den Weg: Beginn innerhalb der nächsten 72 Stunden zu handeln. Egal mit welchem kleinen Schritt, aber beginn. Dann wird aus einem kleinen Samen, den du säst, ganz schnell eine Reise nach Paris…

Fotos: DALL-E 2

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