Sie kennen das vielleicht: die Tage und Wochen fliegen dahin, man macht viel, trifft sich mit Freunden, unternimmt möglicherweise Ausflüge. Und wenn mal wieder ein freies Wochenende ohne „Pflichtprogramm“ auf der Agenda steht, nimmt man sich vor, mal nichts zu machen. Am Ende fühlt sich am Sonntagabend schlecht, weil man tatsächlich nicht nur nichts gemacht, sondern auch „nichts“ geschafft hat.

Viele „gute“ Dinge und Menschen

Es ist eine Sache, allzeit beschäftigt zu sein, seine Beziehungen zu pflegen und seinen Hobbys zu frönen. Das ist gesund, fördert das Wohlbefinden, hält einen auf Trab. So es in Maßen geschieht.

Wenn nicht, spürt man die andere Seite des so schön gefüllten Kalenders.

Auch der vollste Kalender wird Ihren Körper nur für eine bestimmte Zeit hinhalten können. Bei Gelegenheit – höchstwahrscheinlich sogar in einer Urlaubsruhephase – klopft eine Krankheit an Ihre innere Tür und sagt: „Dein Körper schickt mich. Ich soll dich mal für ein paar Tage außer Gefecht setzen, weil du seine Zeichen nicht deuten willst. Sorry.“

Wenig bewusste Zeit zur Erholung

Selbst, wenn Sie einer derer sind, die ihre Umwelt mit offenen Augen betrachten, ist jene Dauerkonzentration auch eine Aufgabe für den Körper, für den Geist.

Es kann schnell passieren, dass Anfragen Lücken im Kalender füllen und man aus gutem Willen und dem Harmoniebedürfnis seine Zeit hergibt. Meist fällt erst auf, dass man „zu“ ist, wenn man wichtigen Freunden erst Termine in mehreren Wochen anbieten kann, weil man seine „Pflicht“ erfüllen und keine anderen Termine absagen möchte.

Diese Art von Fremdsteuerung ist unglücklich.

Alleinzeit – Zeit für sich statt Einsamkeit

Es ist verständlich, nicht einsam sein zu wollen. Doch benötigt jeder Mensch Ruhepausen, in denen sich Erlebtes setzt und verarbeitet wird. Eine Ruhepause ist in solchen Augenblicken Wertschätzung für sich. Sei es durch Meditation, durch Schlaf oder z.B. einen Ausflug ins Grüne, im Wahrsten Sinne zu den Wurzeln.

Die Einsamkeit gibt dem Geist Selbstgefühl. –Bettina von Arnim

Auch in Beziehungen ist das äußerst wichtig, denn meiner Meinung nach kann eine Beziehung besser Früchte tragen, wenn erst mal beide Partner einer Beziehung mit sich im Reinen und ausgeglichen sind und gestärkt aus sich heraus in eine erfüllte Beziehung gehen können.

Gründe, sich selbst nicht wichtig genug zu nehmen

Warum quillen die Tage und Wochen über? Warum bleibt trotz freudiger Erlebnisse oft ein Gefühl zurück, als „Freizeitnomade“ permanent unterwegs zu sein?

Pflichtgefühl: Jemandem etwas zugesagt zu haben, verpflichtet. Wir lernen meist schon als Kinder, dass man Versprechen hält (Indianerehrenwort!) und das Brechen derselben nicht zu einem Aufbau von Vertrauen führt.

Später im Job gibt es zahlreiche Termine mit Kollegen, Mitarbeitern und Kunden, die eingehalten werden wollen, um die jeweilige Beziehung mit diesen Menschen als positive aufrecht zu erhalten.

Unaufmerksamkeit: Ich selbst habe im Privaten keine Regel, die mich vor zu vielen Ereignissen „warnt“. Mein Kalender zeigt kein „Wegen Überfüllung geschlossen!“-Schild und auch mein Körpergefühl hat keine harten Grenzen, die mir prompt mitteilen, dass es jetzt Zeit wäre, kürzer zu treten. Oft schiebe ich Schlappheit oder fehlende Ruhe auf kurzfristig zu behebende Dinge (Schlafmangel => „Heute gehe ich mal früher ins Bett.“) und merke erst später, dass bald Urlaub nötig ist oder wieder ein Gang durch den Wald.

nicht nein sagen zu können: „Wir haben uns auch schon lange nicht mehr gesehen! Wann hast du denn das nächste Mal Zeit? Lass uns doch mal einen Kaffee zusammen trinken gehen!“ Wer sagt da „nein“, wenn es jemand ist, den man tatsächlich gerne mal wieder ausführlicher sprechen wollen würde? Wenn ich mich über die Absage eines anderen freue, weil ich dadurch Zeit für mich gewonnen habe, ist das für mich ein deutliches Zeichen, dass es zu viel wird. Oder, dass ich mich mit anderen Menschen umgeben sollte…

Freude über die Anfragen: Natürlich freut man sich, wenn man gefragt wird und gefragt ist. Gut für’s Selbstwertgefühl und einfacher, als sich aktiv um jene Gedanken zu machen, denen man selber mal wieder hallo sagen würde.

Angst, jemanden zu enttäuschen: Während meines Psychologiestudiums lernte ich eine Kommilitonin kennen, die mir anfangs absagte, „weil Sie Zeit für sich bräuchte und ihr einiges zu viel wäre.“ Ich nahm das damals persönlich und fragte mich, wie ich dieses Problem jemals verstärken denn lindern könnte. Heute weiß ich, dass die Kommilitonin viel weiter war als ich, auf sich Acht gab und das ehrlich und klar kommunizierte.

Wie im letzten Artikel „Muss ich wirklich wirklich“ angesprochen, würden die meisten unter uns nicht direkt sagen, dass sie mehr Zeit für sich brauchen, sondern einen anderen Grund vorschieben. Aus Angst, den Fragenden zu verletzen und ihm das Gefühl zu geben, er sei nicht wichtig. Aus Angst, er würde nicht mehr fragen und von nun an einen Bogen uns machen.

fehlende Bewusstheit der eigenen Werte: Steht der Wert Freundschaft oben? Oder Zweisamkeit? Aktivität? Falls Sie nicht wissen, was Ihnen wichtig ist, kann es leicht passieren, dass die Werte anderer bei Ihnen ausgelebt werden und Sie keine Grenze ziehen zu Ihren eigenen. Wissen Sie genau um Ihre höchsten Werte, lassen sich Entscheidungen wesentlich einfacher treffen und Sie können – je nach Termin – abschätzen, wie kongruent diese Person oder Sache mit Ihren Prioritäten einhergeht.

keine langfristige Ausrichtung oder Ziele: Es stimmt ja oftmals: Wir denken nicht immer an die Menschen, die uns wichtig sind. Haben Sie Freunde, bei denen Sie sagen, dass es auch nach einem Jahr so ist, als hätten Sie sich erst gestern das letzte Mal getroffen? Vielleicht ist die Pause der Grund, weshalb Sie sich noch so gut verstehen. Aber wenn es eine Ihnen wichtige Person ist, tut doch auch häufigerer Austausch gut, oder nicht? Trotzdem schreiben Sie wahrscheinlich nicht auf, wen Sie wann und wie oft besuchen oder anrufen möchten – und vor allem, warum.

Was benötigen Sie, um das zu ändern?

Achtsamkeit: Wenn Sie den Tag über darauf achten, was Ihnen gut tut, wobei Sie Energie gewinnen, was Ihnen leicht fällt und Sie gerne machen, haben Sie bereits eine gute Ahnung davon, mit was Sie Ihren Tag füllen sollten. Natürlich gibt es Aufgaben, die man nicht gerne erledigen möchte. Sollte das aber bei Ihnen die Regel sein, sollten Sie sich grundlegend überlegen, was da falsch läuft.

Abwechslung: Genau, wie eine Leib- und Magenspeise überdrüssig werden kann, obwohl Sie Ihnen über lange Zeit geschmeckt hat, ist es möglich, dass auch Freunde, die Ihnen ansonsten gut tun, auf einmal zu viel sind. Das ist normal.

Der einsame Spaziergang am Abend am Waldrand statt eines Treffens mit Freunden in Ihrem Lieblingspub verhält sich dann parallel zum Kaiserschmarrn entgegen der Lieblings-Pizza – er regt die Sinne auf andere Art an und stellt eine süße Abwechslung dar, die dem Favoritenstatus der Pizza letztlich gut tut.

Ehrlichkeit: Natürlich gegenüber denen, die anfragen aber auch besonders gegenüber sich selbst. Was ist mir wichtig? Und was hat mich bisher davon abgehalten, mir das bewusster zu machen und zu leben? Was ist anderen wichtig? Und was bringt mich dazu, diese Bedürfnisse über die meinen zu stellen?

Ganz ehrlich.

die passende Sprache: Sie müssen nichts machen. Niemand zwingt Sie zu dazu (mit der Pistole auf der Brust). Und je eher Sie das in Ihre Sprache mit einbauen, desto befreiter werden Sie mit Ihren Bedürfnissen umgehen und sie äußern.

Welchen kleinen Schritt können Sie tun?

Sie machen einen Plan, einen Termin „mit sich selbst“.

Wie Sie sich mit Freunden, Bekannten, Familie oder Kollegen verabreden und einen Termin ausmachen, können Sie das mit sich machen. Gerade in anstrengenden Zeiten ist es essentiell, bei sich zu sein und eine Balance herzustellen. Und wenn Sie mit sich einen Vertrag abschließen und sich etwas zusagen, fällt es Ihnen schwerer, sich zu enttäuschen oder nicht wichtig zu nehmen.

Anderen mit den Worten „Ich habe mir versprochen, an dem Abend etwas für mich zu machen“ abzusagen, hört sich zwar anfangs seltsam an, kann jedoch eine große Wirkung haben. Bei Ihnen sowie Ihrem Gegenüber.

Das ist ein kleiner, aber bedeutender Schritt. Wie können Sie sonst klar wissen, ob Sie die Dinge tun, weil Sie sie tun wollen?

Oder verdienen Sie es nicht, die Dinge zu tun, die Sie tun möchten?

Machen Sie jetzt einen Vertrag mit sich und schreiben Sie regelmäßige Termine in Ihren Kalender, um sich für sich Zeit zu reservieren zum Reflektieren und Erholen. Disziplin und Selbstkontrolle dafür lassen sich mit kleinsten Übungen trainieren.

Durch Termine und eine Absprache mit sich wird Ihr Kalender nach außen hin nicht leerer, doch haben Sie am Ende mehr Zeit für sich darin verankert und sind nicht abhängig davon, ob noch etwas dazwischen kommt und einen noch weißen Fleck füllt.

Je länger Sie das praktizieren, desto einfacher wird es Ihnen auch fallen, diesen Alleinzeit-Block nicht für spontan aufkommende Angebote herzugeben, sondern diesen Zeitraum zu genießen, sich darauf zu freuen und ihn mehr und mehr mit entspannten Augen zu sehen.

Das wird Erholung schaffen. Und Ausgeglichenheit. Und Zeit für die wichtigen, aber nicht dringenden Aufgaben.

Kennen Sie jemanden, der ähnlich meiner Studienkollegin diese Alleinzeiten bereits gut für sich einplant und ein Vorbild für Sie sein könnte?

Zusammenfassung
Das goldene Versprechen, das Sie sich selbst geben sollten
Artikelname
Das goldene Versprechen, das Sie sich selbst geben sollten
Beschreibung
Eine Menge Spaß und tolle Menschen getroffen und trotzdem am Ende der Woche ausgelaugt und urlaubsreif? Versprechen Sie sich selbst etwas, um nicht am Ende kaputt die Flügel zu strecken...
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Was Wäre Wenn - Positive Psychologie und Coaching Bonn
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