Michael Tomoff - Was Wäre Wenn

Wie du deine Aufgaben und nicht dich selbst erledigst

Ein Problem meiner todo-Liste ist, dass sie voller schöner, erstrebenswerter Ziele ist, die ich erledigen möchte. Ziele, die gut klingen, allumfassend sind und mich stark voran brächten in meiner persönlichen Entwicklung. Das sieht gut aus in meiner Liste und macht sie unheimlich schlank. Aber – du wirst es dir längst gedacht haben: das hilft natürlich wenig dabei, diese Ziele anzupacken.

In jedem Rat gebenden Artikel in Zeitmanagementbüchern oder Blogartikeln fehlt dieser Punkt nie: „Brich deine Ziele in kleinere Einheiten herunter.“

Aber was genau sind kleinere Einheiten? Es ist schwierig, das in Worte oder in konkrete Taten zu übersetzen. Und „kleinere“ ist vielleicht noch nicht klein genug. Und woher soll man wissen, wie klein eine Aufgabe für sich sein muss, wenn man es nicht studiert oder jahrelang ausprobiert hat?

Sicher, es gibt eine Vielzahl von cleveren Büchern, die Theorien darüber anbieten. Die Länge der Zeit, die Intensität der Aufgabe, der Sinn dahinter. Es gibt viele motivierende und unterstützende Dinge, die einen Effekt auf eine Aufgabe haben können. Aber deshalb fängt man noch nicht an damit. Vielleicht fängt man ja an, nachdem man eines der motivierenden Bücher gelesen hat, aufgepumpt ist und voller Tatendrang.

Aber wie lange hält so etwas? Einen Tag? Vielleicht eine Woche? Wenn die ersten Dämpfer eingetreten sind und die Aufgabe nicht voran geht, wird das Anfangen des nächsten Schrittes wieder schwerer.

Es ist alleine mental viel schwieriger, alles auf einmal und dazu auch noch perfekt zu machen. Deshalb beginnt man oft gar nicht. Zu müde, zu wenig Zeit, Angst vor dem Versagen, gerade etwas Wichtigeres zu tun, Kopfschmerzen, zu kalt, zu warm. Morgen halt. Du weißt, was ich meine…

Du könntest das Aufpump-Buch erneut lesen, um dich in die richtige Stimmung zu bringen…
Unwahrscheinlich, oder?

Wie fängt man eine schwierige Aufgabe also an?

Steuererklärung in einer Minute erledigen!

Hier eine praktische Vorgehensweise: Wähl eine Aufgabe, die du schon lange machen wolltest. Oder müsstest.

Ja. Steuererklärung klingt hervorragend! (Das wäre übrigens keines meiner so schönen Ziele! 😉

Ein Berg voller Arbeit, richtig? Quittungen, Lohnsteuerkarte, Steuerformulare vom Finanzamt oder die aktuellste Finanzsoftware (wo war gleich der Lizenzschlüssel?), Kontoauszüge und Eigenbelege, private Versicherungen, gesammelte Krankheitskosten, Fahrtkosten, Sparfreibeträge… Das wäre bereits eine Liste von kleineren Aufgaben für das große Ziel „Steuererklärung machen“. Aber das haben wir meist nur im Kopf (oder in der Software versteckt) und lassen es wirken.

Dessen ungeachtet: Fang an. Aber nur für 1 Minute! Ja, richtig gelesen: eine Minute Steuererklärung und keine Sekunde länger. Du wirst vielleicht sagen „Das lohnt sich ja nicht, da brauche ich gar nicht anfangen…“
Mach’s trotzdem.

Such einen Spendenbescheid, einmal Praxisgebühr vom Zahnarzt oder buddel die abgeheftete Lohnsteuerkarte raus. Aber wehe, du brauchst dafür mehr als eine Minute!

Wenn du merkst, dass du erneut prokrastinierst und dir die eine Minute zu anstrengend ist, mach eine halbe Minute. Der Schlüssel für den Anfang ist, die Hürde so niedrig wie möglich zu machen. Und wenn dir nach dieser einen Minute oder 30 Sekunden die Anstrengung schon ins Gesicht geschrieben ist, mach eine Pause.

Und danach noch einmal einen 30-sekündigen Block.

Die Wahrscheinlichkeit wird groß sein, dass ein anderer Effekt bei dir einsetzt, wenn du erst einmal angefangen hast. Der Drang, etwas zu tun um des Tuns Willen. Du wirst dir denken, du machst einfach mal weiter, wo du doch gerade dabei bist.

Recht so! Rock’n Roll!

Foto: Fotolia

 

Der Was-wäre-wenn-Newsletter

Gefällt dir, was du gerade gelesen hast?

Neue Artikel, Positive Psychologie und Coaching-Impulse — direkt von Michael Tomoff, wenn es etwas zu sagen gibt. Nicht öfter.

Kein Spam. Keine Weitergabe. Abmeldung jederzeit. Datenschutz