Michael Tomoff - Was Wäre Wenn - Positive Psychologie und Coaching in Bonn - Wohlbefinden

Ruhe bitte! („Körper und Geist“)

Wenn Sie Ihr Wohlbefinden steigern wollen, wird das nicht ohne Ihren Körper funktionieren. Das Gute ist: Er ist wie geschaffen für den Fokus auf Ruhe und Kraft – und das schon seit Jahrtausenden.

Der Mensch, der in jeder Lage die volle Ruhe bewahrt, ist eine ungeheure Erquickung für die andern.
–Paul Olaf Bodding.

Als Kind noch war das Stillsitzen eine der größten Strafen. Mit dem Alter ist es eine der schönsten Beschäftigungen und Ressourcen für die innere Kraft. Diese Zeiten sind es, in denen das Gefühl aufkommt, wieder Herr der Lage zu sein, eine für uns heilsame Entscheidung getroffen zu haben.

Folgend sind Möglichkeiten aufgezeigt, das Gefühl der Ruhe zu spüren, obwohl die Stille fehlt. Und alle Situationen, in denen das der Fall ist, haben mit der Konzentration auf den Körper zu tun.

Wohlbefinden heißt auch Fokus auf den Körper

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie sehr Sie bei sich sind, wenn Sie sich auf einen Teil Ihres Körpers fokussieren? Es ist ziemlich trivial, denn die Konzentration auf das, aus dem wir fast ausschließlich bestehen, ist ja das bei-sich-Sein!

Man sagt, die Gedanken wandern, „man war gerade woanders“. Der Körper wandert nicht ohne einen, so lange man seine Gedanken auf ihn richtet.

Gerader Rücken, gerade Gedanken

Ein Beispiel: Sie stehen vor Publikum und berichten über ein Thema. Wenn Sie nun Ihren Fokus für kurze Zeit auf Ihren Körper richten, ist die Chance groß, dass Sie bemerken, dass Sie leicht gekrümmt stehen, möglicherweise sogar mit angezogenen Schultern.

Etwas Anspannung, im wahrsten Sinne des Wortes, denn gerade bei Nervosität versuchen wir uns oft unbewusst kleiner zu machen, für den Zuschauer unsichtbar.

Praktischer Tipp: Stellen Sie dem Publikum eine Frage, dann haben Sie etwas Zeit, sich auf Ihre Schultern, auf Ihren Rücken zu konzentrieren. Lockern Sie Ihre Schultern und stehen Sie gerade.

Und dann versetzen Sie sich in die Lage des Publikums, wie Sie als Vortragender dort stehen: mit festem Stand, mit lockeren Schultern, zu voller Größe aufgerichtet.

Der auftretende Effekt: mit gerader und trotzdem lockerer Haltung werden auch Ihre Gedanken klarer werden und mehr Ordnung finden, Ihr Selbstbewusstsein eine Nuance stärker nach außen treten und auch innerlich wachsen.

Das heißt nicht, dass Sie damit Vorträge vor Publikum sicher und fachgerecht abliefern. Das heißt aber, dass Sie alles, was da kommen mag, mit voller Breite annehmen und sich nicht davon unterkriegen lassen. Zuerst körperlich, schließlich geistig.

Ruhe auf der Metaebene – sich lösen können

Der psychologische Begriff dafür heißt Metaebene und bezeichnet in diesem Fall das Lösen aus der Situation, aus der vorherigen Ebene (bei-sich-Sein). Sie gehen in die Beobachter-Position und sitzen damit nicht fest in Ihrer Nervosität, in negativen Gedanken („Das schaffe ich nicht!“, „Hoffentlich mache ich keinen Fehler.“), sondern bekommen Abstand davon.

Der Abstand wiederum gibt Ihnen die Möglichkeit, eine andere Bewertung der Situation vorzunehmen, sie objektiver zu betrachten. Das bringt nicht nur Sie „runter“, sondern ist auch für jene erquickend, die sich um Sie herum befinden und mit Ihnen zu tun haben.

Und das ist doch beruhigend.
Oder?

Wir atmen ja nicht umsonst

Auch die Atmung bzw. der Fokus auf eine ruhigere Atmung hat diese Wirkung auf unseren Körper. Zuerst senkt die ruhigere Atmung das Stressempfinden, die Herzfrequenz geht runter, der Körper entspannt unweigerlich.

Die Atmung funktioniert automatisch. Doch sobald Sie sich auf sie konzentrieren, sie variieren und verlangsamen, wird sich ebenfalls Ihre geistige Haltung ändern, Ihre Ruhe größer werden, die Klarheit steigen.

Praktischer Tipp: kleben Sie sich ein Post-It mit dem Wort „Atme“ auf Ihren Monitor oder stellen Sie Ihren Bildschirmschoner mit dieser Erinnerung ein. Es wird Wunder wirken…

Ausnahmen der Regel, dass der Körper nicht ohne die Gedanken wandert, sind z.B. durch geistige Krankheiten zu erklären oder auch durch das Phänomen der Trance oder des Flows. Gerade im letzten Fall versinkt die Person mit ihren Gedanken völlig im Tun und ist völlig von der alsdann nicht mehr im Fokus stehenden Außenwelt abgelöst.

Der Zustand der Trance kann auch mit geistigem Training hervorgerufen werden. Eine Variante wäre die klassische Konditionierung: Ein Reiz (z.B. eine Berührung oder Handbewegung) wird so mit einer Reaktion (dem stärkeren Selbstbewusstsein, der Trance, einer Emotion) verknüpft, das sie automatisch abläuft.

Das kann zu Reaktionen wie der Verringerung von Lampenfieber vor Auftritten dienen, aber auch zu viel stärkeren und tieferen Zuständen führen. Alle jene Verankerungen brauchen aber – je nach Anwendungshäufigkeit und anwendender Person – ihre Zeit zum Lernen.

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