- man lügt und versucht auf diese Weise, seinen eigenen Plan durchzusetzen
- man ist skeptisch und hinterfragt die Aussagen anderer Mitspieler
- man bezichtigt andere, jemand zu sein, der er oder sie am Ende gar nicht ist
- man handelt und behandelt andere nach den Rollenvorgaben
- man wird überrascht von Personen, die im Spiel skrupelloser sein können als man es ihnen zugetraut hätte
Schlaumeier!
Sie kennen das möglicherweise: Jemand gibt Ihnen ein paar Infos über eine Ihnen noch unbekannte Person. Einen baldigen Kollegen, einen zukünftigen Chef, einen Freund von einem Freund, mit dem Sie zu einer Veranstaltung mitfahren werden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie die der noch fremden Person zugehörigen Fähigkeiten oder Eigenschaften besonders wahrnehmen oder darauf achten. „Sie ist leicht zu haben“ könnte Sie dazu verführen, jeden Satz dieser beschriebenen Frau auf eine versteckte Anmache zu untersuchen. „Er ist das größte Lästermaul, das ich kenne!“ könnte Sie dazu bewegen, besonders auf negative Äußerungen Ihres Gegenübers zu achten. „Der neue Chef ist aus seinem letzten Job geflogen, weil er es mit der Wahrheit nicht so genau genommen hat“ wird Sie hellhörig werden lassen und – ähnlich wie bei Mafia – hinterfragen oder zumindest skeptisch aufnehmen lassen, was der neue Chef sagt. Genauso so funktioniert es mit positiven Informationen: Sagt jemand zu Ihnen über jemand anderen „Er hat was!“, wird Sie das vielleicht entgegen Ihrer Präferenzen (als Frau) oder Sympathie (als Mann) diesen Jemand attraktiver finden lassen, als das möglicherweise sonst der Fall gewesen wäre. „Sie hat Humor, das sich die Balken biegen!“ wird Sie mit großer Wahrscheinlichkeit offener gestimmt sein lassen gegenüber den (vermeintlichen) Witzen einer Person. „Er ist der schlauste Schüler seiner Klasse“ wird Sie wahrscheinlich dazu bringen, diesen Jungen für intelligent und fähig zu halten und viel von ihm zu erwarten. Und genau das testeten Robert Rosenthal und Lenore Jacobson in ihrem Experiment mit einer Grundschulklasse. Sie sagten Lehrern im Vorfeld, dass sie von einer Handvoll Schülern einen besonders großen Lernsprung erwarten könnten, denn diese Kinder hätten beim Harvard Test of Inflected Acquisition die besten Ergebnisse erzielt. Am Ende des Schuljahres hatten genau diese Schüler erwartungsgetreu den größten Lernsprung der gesamten Klasse (gemessen am IQ-Zuwachs). Verwunderlich an dieser Stelle: es hatte im Vorfeld nie einen solchen Test gegeben und die „aufblühenden“ Schüler waren vorher zufällig ausgewählt worden. Die Studie zeigt in wunderbarer Weise, wie Veränderungen der Erwartungen der Lehrer auch (getreu der selbsterfüllenden Prophezeiung) zu Veränderungen der Schülerleistungen führen. Dieser Effekt wurde nach seinem Entdecker auch zum Rosenthal- oder Pygmalion-Effekt.Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten. –Henry Ford
