FOMO, the fear of missing out, ist eines der wohl am verbreitetsten Phänomene unserer Zeit. Dieser Artikel beschreibt die möglichen Gründe, die Probleme und auch die Lösungen gegen die Angst, etwas zu verpassen.

4 Kinder und ihre Smartphones

Es war faszinierend anzusehen und gleichzeitig schockierend: Bei uns in Bonn gibt es einen gut bestückten Buchladen, der in ein altes Theater gebaut wurde. Ein besonderes Schmankerl: die Empore, die noch die Bestuhlung enthält, von der aus damals die Stücke angeschaut werden konnten.

Und in dieser Bestuhlung saßen nicht etwa Leser der im Laden verkauften Bücher, sondern vier Kinder nebeneinander.

Und jedes einzelne dieser Kinder glotzte in ihr Handy.

Sie redeten nicht miteinander, sie lasen keine Bücher, sie gingen nicht mit ihrer direkten Außenwelt in Kontakt. Wohl aber mit der Welt vor ihren Augen. Die Welt, die ihnen das Dopamin direkt in den Körper schießen ließ.

Egal, ob Buchläden, Bushaltestellen oder die Schlange an der Supermarktkasse: wo auch immer wir auch nur ein paar Sekunden Zeit haben, zücken wir das Smartphone und überprüfen, was das nicht-Hier und Jetzt uns zeigen kann.

Gründe für FOMO (fear of missing out)

Laut einer Studie von Heather Shaw und Andrew Przybylski (2017) ist FOMO „ein subjektives Empfinden, das durch das Bewusstsein verursacht wird, dass andere Personen ein besseres Leben führen oder mehr Vergnügen haben, und dass man daher etwas verpasst“.

Die Gründe sind mannigfaltig und ich bin mir sicher, dass auch Sie sich bei mindestens einem der Gründe erwischt fühlen:

  • Angst vor Verlust: Wir Menschen haben eine natürliche Abneigung gegen Verluste und fürchten, dass wir etwas verpassen, das wir später bereuen werden (Tversky & Kahneman, 1981).

  • Soziale Vergleiche: Wir neigen weiterhin dazu, uns mit anderen zu vergleichen, insbesondere in Bezug auf Dinge, die sie besitzen oder erleben. Dies kann FOMO auslösen, wenn sie das Gefühl haben, dass andere mehr erleben oder besitzen (Taylor & Fiske, 1978). Falls Sie sich davon befreien wollen, finden Sie hier Ideen, wie Sie aufhören können, sich zu vergleichen.

  • Informationsüberflutung: Die ständige Verfügbarkeit von Informationen und sozialen Medien kann FOMO auslösen, da wir ständig von den Aktivitäten und Ereignissen anderer bombardiert werden (Shaw & Przybylski, 2017).

  • Sucht nach Anerkennung: Wir suchen oft nach Anerkennung und Bestätigung durch andere. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie etwas verpassen, das Ihnen diese Anerkennung und Bestätigung bringen könnte, ist das ein klares Indiz für FOMO (Baumeister & Leary, 1995)

  • Unsicherheit: Unsicherheit über die Zukunft und das eigene Leben kann FOMO auslösen, da wir Menschen das Gefühl haben möchten, dass wir in Kontrolle sind und demnach auch alles mitnehmen können, was wir an Erfahrungen gerne machen würden (Craske & Barlow, 2002).

Diese Dinge sind Grund genug, um uns ungesunde Verhaltensweisen anzueignen und aus unserem Leben nicht unbedingt das Beste herauszuholen.

Welche Probleme können daraus entstehen?

Michael Tomoff - Positive Psychologie und Coaching - Was Wäre Wenn - Fear of missing out (FOMO)

Probleme, die durch FOMO ausgelöst werden können

  • Stress und Angst: Die Angst, etwas zu verpassen, kann Stress und Angst auslösen. Insbesondere, wenn das Verpasste uns wichtig ist und uns etwas bedeutet (Kosson & White, 2010).
  • Soziale Isolation: FOMO kann dazu führen, dass wir uns zurückziehen und uns von anderen isolieren, insbesondere wenn wir das Gefühl haben, dass wir nicht mit jenen anderen mithalten können (Shaw & Przybylski, 2017).
  • Schlafstörungen: Wenn wir uns ständig verrückt machen, weil wir glauben, etwas zu verpassen, kann das ebenfalls dazu führen, dass wir lange aufbleiben. Wir denken über das nach, was wir verpassen, was wiederum zu Schlafstörungen führen kann (Shaw & Przybylski, 2017)
  • Beeinträchtigung der Arbeitsleistung: Dass wir vor lauter Angst, etwas Wichtiges nicht zu erleben, abgelenkt sind und uns nicht auf unsere Arbeit konzentrieren können, dürfte nicht überraschend sein. Das kann unsere Arbeitsleistung beeinträchtigen und zu „Technostress“ führen (Bagchi-Sen & Dennis, 2017).
  • Schäden für die Beziehungen: The fear of missing out kann ebenfalls dazu führen, dass wir Zeit und Aufmerksamkeit von unseren Freunden und Familienmitgliedern abziehen, was zu Konflikten und Schäden in diesen Beziehungen führen kann (Coker & Kennedy, 2017).

All diese Probleme können sich auch untereinander noch einmal verstärken, was zu einem gefährlichen Teufelskreislauf entwickeln kann.

Durch Stress und Angst ziehen wir uns häufig in die Isolation zurück und unternehmen eben nichts mehr mit den Menschen, die uns gerade in diesen Situationen gut tun würden. Das wiederum geht uns die gesamte Nacht durch den Kopf und hält uns wach. Und dass wir dann nicht auf unserem Höchstniveau arbeiten, dürfte dann keine Überraschung mehr sein.

Und jetzt?

5 Lösungen gegen die Angst, etwas zu verpassen (FOMO)

Natürlich können Sie auch etwas für Ihre Gesundheit tun. Kostet auch nichts. 🙂

  1. Bewusstsein schaffen: Das Schaffen von Bewusstsein bezieht sich auf das Verständnis und die Reflektion über die eigenen Gedanken und Emotionen, die mit FOMO verbunden sind. Dies können Sie z.B. durch Meditation, Tagebuchschreiben oder Gespräche mit Freunden oder Familienmitgliedern erreichen (Lee & Li, 2015). Das Bewusstsein für Alternativen zum permanenten Erleben zu schaffen, ist wie so oft der erste große Schritt in Richtung Freiheit. Vielleicht sogar in Richtung JOMO (joy of missing out). 😉
  2. Soziale Verbindungen pflegen: Es ist wichtig, dass wir als soziale Wesen auch soziale Verbindungen pflegen und Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Dies kann dazu beitragen, FOMO zu reduzieren und Ihr Selbstbewusstsein zu stärken (Lee & Li, 2015), weil wir uns wieder sicherer und aufgehoben fühlen. Und eben nicht ausgestoßen.
  3. Verwendung von Sozialen Medien reduzieren: Reduzieren Sie die Verwendung von Sozialen Medien (wenn Sie das vor Freunden tun, dann nennen wir das übrigens Phubbing! 😉 und vermeiden Sie es, ständig durch Statusmeldungen oder Popups über die Aktivitäten anderer informiert zu werden. Dies wird nicht nur für Entschleunigung sorgen, sondern kann dazu beitragen, FOMO zu reduzieren (Shaw & Przybylski, 2017).
  4. Realistische Erwartungen setzen: Es ist wichtig, realistische Erwartungen an sich selbst und andere zu setzen, und sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, anstatt sich Gedanken darüber zu machen, was Sie vermeintlich verpassen (Barasch & Mauss, 2015).
  5. Positives Denken: Konzentrieren Sie sich auf positive Gedanken und erkennen Sie die Vorteile dessen, was Sie bereits haben, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was Sie derzeit (noch) vermissen (Barasch & Mauss, 2015).

Fazit: Sie können FOMO erfolgreich bewältigen, indem Sie ein Bewusstsein, Verständnis und geeignete Strategien entwickeln und verwenden. Dabei benötigt jede/r unterschiedliche Lösungen. Und manchmal auch professionelle Hilfe, wenn die Angst vor dem Verpassen Ihr tägliches Leben beeinträchtigt.

Schätzen Sie das Hier und Jetzt und genießen Sie, was Sie haben, anstatt sich Sorgen zu machen, etwas zu verpassen.

Viel Erfolg dabei!

Literatur

Bagchi-Sen, S., & Dennis, J. M. (2017). The Dark Side of Technology Use: The Role of Technostress in Psychological Well-Being. Journal of Business and Psychology, 32(3), 305-319.

Barasch, A., & Mauss, I. B. (2015). The role of mindfulness in reducing fear of missing out. Social Psychological and Personality Science, 6(5), 570-578.

Baumeister, R. F., & Leary, M. R. (1995). The need to belong: Desire for interpersonal attachments as a fundamental human motivation. Psychological Bulletin, 117(3), 497-529.

Coker, B., & Kennedy, M. (2017). Fear of Missing Out and the Costs of Keeping Up with Others. Journal of Business and Psychology, 32(3), 287-304.

Craske, M. G., & Barlow, D. H. (2002). Uncertainty and the Anxiety Disorders. Behaviour Research and Therapy, 40(5), 649-670.

Kosson, D. S., & White, W. P. (2010). The Role of Social Comparison in Social Anxiety. Clinical Psychology Review, 30(2), 179-187.

Lee, W. N., & Li, T. C. (2015). The Influence of Fear of Missing Out on Social Network Site Use: The Role of Social Comparison and Social Support. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 18(3), 135-141.

Shaw, H., & Przybylski, A. K. (2017). Fear of missing out, need for touch, and smartphone use. Computers in Human Behavior, 68, 52-60.

Shaw, H., & Przybylski, A. K. (2018). The influence of fear of missing out on social comparison and well-being: An exploration of Facebook users. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 21(3), 123-130.

Taylor, S. E., & Fiske, S. T. (1978). Social Comparison Processes: Theoretical and Empirical Perspectives. Annual Review of Psychology, 29(1), 1-16. 

Tversky, A., & Kahneman, D. (1981). Loss Aversion in Riskless Choice: A Reference-Dependent Model. Quarterly Journal of Economics, 96(4), 311-339.