Michael Tomoff - Was Wäre Wenn - Positive Psychologie und Coaching Bonn - aus Fehlern lernen

5 Schritte, aus Fehlern zu lernen

Es klingt ein wenig dubios, aber Fehler sind etwas Gutes, aus Fehlern lernen aber immer noch eine hohe Kunst. Sie mögen sich manchmal nicht gut anfühlen, man schämt sich dafür, ärgert sich, macht sich selbst manchmal noch dafür fertig. Mit dem richtigen Umgang von Fehlern entwickelt man sich jedoch weiter, lernt und kann sie als Helfer anerkennen.

Sich zu ärgern über das, was man falsch macht, ist natürlich. Viele von uns wachsen mit dem Verständnis auf, dass Fehler schlecht sind und vermieden werden müssen. In der Schule werden rote Stifte zum Markieren von Fehlern benutzt, blaue Briefe zu den Eltern geschickt und viele Eltern sehen schwarz, wenn Fehlverhalten auftritt. Ein buntes Treiben, bis schlechte Leistungen durch Nachhilfe, Druck oder Mahnungen auf mindestens ein Mittelmaß gehoben werden oder man aufgibt, an sich zu glauben.

Wer Fehler gemacht hat, hat meistens nur Erfahrung gesammelt.
–Oscar Wilde

Betrachtet man Fehler als Helfer (einfach Buchstaben umstellen!), werden sie plötzlich zu einer der erstaunlichsten und verblüffendsten Sachen der Welt. Und fantastische Dinge sollten nicht vermieden, sondern gepflegt und geschätzt werden, meinen Sie nicht?

„Aus Fehlern lernt man“ – Neues ausprobieren, dabei auch mal scheitern, um wieder aufzustehen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Daraus entstanden die Wunder der Welt und nicht nur Abraham Lincoln fiel mehr als einmal auf die Nase, bevor er schließlich zu Größerem aufstieg und nach vielen Niederlagen schließlich zum Präsidenten der USA wurde.

Kindern wird durch das Lernen aus Fehlern die Sprache möglich und manche nutzen sie später wie Genies und lassen wundervolle Lyrik entstehen. Aus Fehlern zu lernen ist – wenn Sie so wollen – der Gegenspieler des als-Meister-vom-Himmel-Fallens…

Wer vor großen Fehlern Angst hat, hat auch nur Mut zu kleinen Erfolgen.
–Prof. Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger

Wie gehen wir Neues an?

Wir nehmen Informationen nicht einfach nur auf und wissen sofort, wie alles funktioniert. Zu Wissen gehören Theorie und Praxis. Alleine vom Malen, Schreiben, Schwimmen oder Fliegen zu lesen, lässt einen noch lange nicht malen, schreiben, schwimmen oder fliegen.

Zumindest nicht auf die Art, dass man sich nicht noch verbessern könnte.

Ich möchte auf den mentalen, motivationalen Weg des Lernens fokussieren (für viele andere spannende Ideen gibt es bei Wikipedia eine schöne Übersicht über Lerntheorien), weshalb meiner Meinung nach drei Wege möglich sind, aus Fehlern zu lernen und das Fehlermachen anschließend anzugehen:

1. Durch einen Fehler tritt man auf der Stelle, das negative Ereignis lässt demzufolge keine Veränderung entstehen. Man kommt da an, wo man angefangen hat. Die Folge: eine Mischkalkulation, ob man die Methode der Wahl das nächste Mal wieder nutzt.

2. Durch einen Fehler entstehen weitere negativen Konsequenzen, man ist also danach schlechter dran als davor. Das ist der Grund, warum wir uns vor Konflikten und Herausforderungen oft so fürchten und sie vermeiden wollen.

3. Durch einen Fehler wird man stärker und fähiger als vorher, weil man das Positive daran sucht und zu seinem Vorteil macht, wenn die gleiche oder eine ähnliche Situation erneut auftritt. Die Folge: Fehler werden als etwas Gutes und Hilfreiches gesehen und unbekannte Situationen nicht gemieden, sondern sogar ersehnt und provoziert. In sofern können Fehler sogar schön machen

Jeder dieser mentalen Wege kann natürlich geistig gefüttert werden. In Krisenzeiten ist der dritte Weg voraussichtlich nicht der einfachste und gelangt schnell unter die Räder. Dabei ist er besonders in solchen Zeiten immens wichtig! Sollte man einen in den Weg gelegten Stein nicht als Trittstein für Höheres nutzen?

Ein Beispiel aus meinem eigenen Berufsweg, das einen gemachten Fehler und den Umgang damit illustriert: Als ich meinen ersten Arbeitgeber verließ, hatte ich das unbändige Bedürfnis, meinen Kollegen über ihre (Zusammen)Arbeit der letzten zwei Jahre Feedback und ihnen damit etwas von mir mitgeben zu müssen (ich war schon immer gut im Geben…). Da es persönlich aus zeitlichen Gründen nicht mehr funktionierte, entschied ich mich, meine Rückmeldung für jeden aufzuschreiben.

Gesagt, getan. Positives bekam genauso einen Platz in meinen konstruktiven und gut gemeinten Emails wie die Dinge, die es meiner Meinung nach – natürlich nur zum Besten der Kollegen – zu verbessern galt. Allerdings hatte niemand mich um mein Feedback gebeten und ich vorher auch nicht gefragt, ob es überhaupt gewünscht war.

Ein paar Tage später bekam ich eine teilweise boshafte und gar nicht gelassene Email von vier meiner damaligen Kolleginnen, die sich in ihrer Antwort darüber ausließen, welch ignoranten, eitlen Schritt ich da hingelegt hätte.

Im Nachhinein überrascht mich das nicht. Im Nachhinein ist man allerdings immer schlauer. Und das ist genau der Punkt: Nicht jeder Fehler ist im Nachhinein noch ein Fehler. Denn die gemachte Erfahrung war zwar schmerzlich (im Beispielfall für beide Seiten), der Umweg führte jedoch zu einem höheren Wissen, zu einem Gewinn.

Wer aufhört, Fehler zu machen, lernt nichts mehr dazu.
–Theodor Fontane

Mein Lerneffekt: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Nicht jeder Mensch möchte (unaufgefordert) Kritik von seinem (weg gehenden) Kollegen haben, sei sie noch so gut gemeint, berechtigt oder umsetzbar. Nicht jeder möchte einen Spiegel vor’s Gesicht gehalten bekommen. Schon gar nicht von einem Kollegen, der selbst noch einen langen Weg vor sich hat.

Ich entschuldigte mich offiziell bei jeder der vier Kolleginnen für den Weg und die Art der Kritik (aber nicht deren Inhalt). Von einigen Kollegen hörte ich nichts mehr, von anderen erst Monate später. Weiterhin holte ich mir von einigen meiner Freunde herbe Kritik für meine damalige Aktion (und die war auch nicht leicht anzunehmen). Auch, wenn ich damals nach dieser Phase ärgerlich auf Kollegen und Freunde war, traf mich mein größter Ärger selbst.

Möglicherweise auch, weil ich noch nicht sicher darin war, mich für Fehler zu entschuldigen.

Heute bin ich dankbar für diese Erfahrung. Sie half mir in vielerlei Hinsicht, Feedback zu geben (mittlerweile auch professionell und als Teil des Jobs) und anzunehmen, jedoch ebenfalls dankend abzulehnen, wenn ich es noch nicht verarbeiten kann oder will.

Fünf Schritte, die Fehler zum Vorteil werden lassen

1. Den Fehler anerkennen

Damit fängt alles an. Ohne das eigene Missgeschick zu akzeptieren und als solches zu erkennen, wird kein Lerneffekt entstehen. Fehler sind natürlich, vor allem bei hohen Maßstäben und Anspruch an sich selbst.

In den Assessment Centern, die wir durchführen, sind oft Kandidaten, die unter den Ansprüchen unserer Auftraggeber zurück bleiben. Wenn wir in den anschließenden Feedbackgesprächen mit einem solchen Kandidaten auf seine Fehler hinweisen und er sich ausschließlich wehrt, anstatt unsere konstruktiven Hinweise aufzunehmen oder bestimmtes fehlerhaftes Verhalten anzuerkennen, beweist das nur eins: die fehlende selbstkritische Haltung. Es wird diesen Teilnehmer nicht weiterbringen – zumindest nicht in Bezug auf seinen gewählten Arbeitgeber.

Auch in Bewerbungsgesprächen sind Schwächen nicht immer schlecht, denn wenn man bereits einen Weg aufgetan hat, diese Schwäche umzuwandeln, zeigt das Lernfähigkeit und den Willen, sich mit sich selbst konstruktiv auseinander zu setzen.

Sobald man seinen Fehler anerkennt, nimmt man ihm die Kraft. Von da an kann er in etwas Positives umgestaltet werden.

2. Die volle Verantwortung übernehmen

Wenn man die Situation, die Umgebung und damit andere für Fehler verurteilt, gibt man Verantwortung ab. Zudem kann man nur noch hoffen, dass sich die nicht beeinflussbaren Umstände bessern, damit die Fehler nicht wieder passieren. Solange die Verantwortung extern erscheint, ist man Opfer.

Man kann am besten sich selbst kontrollieren, sich ändern und die Verantwortung für das übernehmen, was man tut und damit Kontrolle und Kraft zurück gewinnen. Und mit dem Wissen, die Dinge das nächste Mal anders regeln zu können, öffnen sich viele Türen. Oder, wie es Jim Collins, der Autor von Good to Great sagt:

We are not imprisoned by our circumstances, our setbacks, our history, our mistakes, or even staggering defeats along the way. We are freed by our choices.

3. Die Erfahrung auseinander nehmen

Scheitern kann erlösend sein. Wenn Sie daraus lernen. Es braucht nicht das Ende Ihrer Laufbahn oder Ihrer Beziehung zu einem wertvollen Menschen sein. Im Gegenteil kann es karrierefördernd sein, wenn Sie sich die Zeit nehmen, um all den gesamten Saft aus der Zitrone zu pressen, in die Sie beißen mussten. Ehrlich, es gibt nicht viele Dinge, die Sie nicht lernen können. Zumindest nicht, ohne Fehler oder Rückschläge mitzunehmen.

Das hat aber auch Gutes, denn Niederlagen und Schmerz sind leistungsfähige und nachhaltige Lehrer. Sie kennen ja Nietzsches Spruch:

„Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“

Eine aus dem Coachingbereich nützliche Frage ist „Was fehlte?“ statt sich negativ selbst zu verurteilen mit „Was ist schiefgelaufen?“.
Erstere eröffnet Möglichkeiten und führt zum Lernen. Letztere fokussiert auf und manifestiert das Negative.

4. Aus Fehlern zu lernen und Verhalten wirklich ändern

Natürlich sollten Sie sich nicht nur vornehmen, es das nächste Mal anders und besser zu machen. Sie sollten sich überlegen, in welcher nächsten Situation Sie sich tatsächlich anders verhalten, sich diese Situation vor Augen führen, vielleicht sogar für sich proben, wenn das möglich ist. Die Wahrscheinlichkeit ist wesentlich höher, dass Sie Ihr Gelerntes so erfolgreich umsetzen.

Ohne die Umsetzung ist der Lerneffekt gleich Null. Schließlich werden sich die Fehler wiederholen, wenn man sein Verhalten nicht ändert oder weiterhin darauf hofft, dass sich die Umgebung anpasst.

Veränderung beginnt bei uns selbst. Das ist die eine Sache, die wir unter Kontrolle haben.

5. Voller Elan in das nächste Projekt einsteigen

Sie können es Fehlern nicht erlauben, Sie beim nächsten Mal zu bremsen und Ihr Potential einzugrenzen. Wenn Sie vom Pferd fallen, sollten Sie sofort wieder aufsteigen (es sei denn, eines Ihrer Gliedmaßen hängt ungewöhnlich vom Körper ab…). Wenn Sie’s nicht tun, wird das Missgeschick zu einem großen Elefanten, der Sie das nächste Mal unüberwindbar angrinst, sprich: das Unglück brennt sich als Fehler in Ihr Gedächtnis. Warten Sie lange genug, werden Sie nie wieder reiten (schon gar nicht auf Elefanten!).

Lassen Sie den Fehler hinter sich und bewegen Sie sich nach vorne.

Lassen Sie Fehler für sich arbeiten. Lernen Sie von Ihnen und schauen Sie, was Sie das nächste Mal benötigen, um es besser zu machen. Damit pflanzen Sie die Samen für Ihren Erfolg.
Egal wo.

Wenn Sie das (lebenslange) Lernen, Wachstum und das Gefühl schätzen, sich zu verbessern – dann sollten Sie auch Fehler schätzen. Es sind harte, aber wunderbare Geschöpfe, die die Welt zu einer genialen Sache werden lassen (können).

Stück für Stück.

Welchen Misserfolg oder Fehler wollen Sie zu Ihrem Vorteil verwandeln? Sie können unten ein Kommentar hinterlassen.

17 thoughts on “5 Schritte, aus Fehlern zu lernen

  1. HI,

    Zur Zeit lerne ich Autofahren. An dem ersten Tag wo ich gefahren bin, habe ich beim ausparken den Laternen etwas getroffen und zwei Wochen später beim Rückwärts fahren (war zu schnell gewesen) einen Schild anfahren. Das ist jetzt auch 2 Wochen her. Seit dem nichts neues angestellt :) Hinzu kommt, dass ich die Straßen und die Wege nicht kenne, so auf die Navigation angewiesen bin,aber die Orientierung manchmal fehlt. Dadurch fahre ich zB. hin 5 km, zurück 12 km, weil ich mich verfahre.
    Es ist manchmal unangenehm, wie aggressiv einige Autofahrer reagieren, wenn man langsam anfährt oder eben einen Fehler macht etc. Es sind auch außer das Fahren auch viele andere neue Sachen in meinem Leben. So versuche ich mich immer wieder zu motivieren, dass es irgendwann klappen wird. Mein Sohn, der gerade mal drei einhalb ist unterstütz mich dabei,Mama du kannst fahren es kommen keine Autos oder Mama Vorsicht bitte ja, nicht das Kind Überfahren :))
    Und als letztes der Artikel hat mich schon motiviert, danke..

  2. Ja, Fehler sind Helfer.

    Ich habe hier noch ein passendes Zitat von Otto von Bismark:

    „Nur ein Idiot glaubt, aus den eigenen Erfahrungen zu lernen. Ich ziehe es vor, aus den Erfahrungen anderer zu lernen, um von vornherein eigene Fehler zu vermeiden.“

  3. Hallo!
    Der Bericht hat mir etwas geholfen eine neue Perspektive meiner akutellen Lage erkennen zu lassen und anders damit umzugehen. Mein Fehler, den ich leider immer wieder an den Tag lege ist der, dass ich mich in manchen Situationen nicht im Griff habe und sehr laut und ausfällig werde. Dies auch vor meinem Chef.
    Eine Arbeitsstelle habe ich deswegen bereits verloren. Bis heute ist es mir nicht wirklich gelungen, aus meinen Fehlern zu lernen. Es ist mir bewusst was dabei auf dem Spiel steht wenn ich nochmal diesen Fehler mache und ausraste, mein Job wäre dann weg. Davor habe ich sehr große Angst und bin nun wirklich sehr bemüht, alles dafür zu tun, um dies zu vermeiden. Leider ist es mir noch nicht gelungen einen Weg zu finden der mir wirklich hilft.

    1. Hallo Stefan,

      danke für’s Teilen. Das hört sich in der Tat nach einer angespannten Situation an. Hast du dir schon mal Unterstützung von externer Seite geholt? Ein Freund, ein geschätzter Kollege, ein Coaching?

      Herzliche Grüße aus Bonn,
      Michael

  4. Hallo Zusammen,
    vorab vielen Dank für den Input von Ihnen, Herr Tomoff, zum konstruktiven Umgang mit Fehlern, um diese schlussendlich in Helfer umzuwandeln. :) Ich selbst stehe gerade an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich befürchte eine falsche Entscheidung getroffen und dadurch den Weg meiner beruflichen Karriere erschwert zu haben. Ich hatte vor einigen Monaten einen Job angenommen, bei dem schlussendlich die Zusammenarbeit überhaupt nicht funktioniert hat. Nach einigen fruchtlosen Gesprächen, täglichen Magenschmerzen und völlig frustriert habe ich nach 2 Monaten wieder gekündigt. Nun war und bin ich noch teilweise gelähmt aufgrund jener Angst, durch ein mittelmäßiges Zeugnis und der kurzen Aufenthaltsdauer in dem Unternehmen, meine Karriere verbaut zu haben. Ich werde viel von dem, was Sie in diesem Artikel aufgeführt haben, mitnehmen. Er ist sehr motivierend!

    Besten Dank,
    V.

    1. Vielen Dank für das Feedback, liebe V.!
      Und ich bin auf weitere Neuigkeiten und Erfolgsnachrichten von deiner Seite gespannt, was die Lerneffekte des Artikels angehen, die hoffentlich Früchte tragen werden!

      Viel Erfolg!
      Michael

  5. Die Sache bei mir ist, dass ich mir Dinge einfach nicht merke, schon gleich gar nicht wenn es Dinge sind die falsch gelaufen sind und ich der Auslöser dafür war. Es wird irgendwie automatisch verdrängt oder ich bin einfach zu zerstreut und Dinge sind einfach vollkommen gestrichen aus meinem Gedächtnis.
    Durch meine Unachtsamkeit passieren Fehler und wenn mir dann jemand auf die Schliche kommt fühle ich mich.. einfach schlecht. Erst recht wenn sich ein Anderer wegen meiner Taten aufregt. Ich merke dass ich die Aufregung in dem Anderen auslöse und fühle mich dann schlecht bzw schuldig deswegen.
    Manche Dinge verheimliche ich auch einfach, überlege mir aber eine Rechtfertigung für den Fall, dass mich jemand drauf anspricht. Es ist alles verrückt. Ich habe aber zum Glück das Wissen, dass alles einen Sinn hat und das Leben mir nur Gutes will. Ich blick nur nicht ganz durch. Ich bin mir manchmal echt ein Rätsel, was das ganze dasein hier ziemlich interessant macht eigentlich. Aber ich bin auf nem guten Weg. Ich weiß dass es nicht in meiner Macht liegt, ob ein anderer sich aufregt oder nicht. Es ist deren Entscheidung wie sie reagieren. Ich weiß auch, dass es – egal wie viele Rechtfertigungen ich mir schon überlegt hatte – nie zu der Situation kam, welche ich mir ausmalte und in der mich jemand anschreit oder angreift, total entsetzt darüber was ich falsch gemacht hab. Entweder kam es nie zu Wort oder es wurde auf eine Weise angesprochen in der ich mich nicht rechtfertigen musste weil ich merkte, dass es ja wieder mal nur eine Kleinigkeit war und die Leute mich nur auf meinen Fehler hinweisen möchten.
    Dennoch geschieht es immer und immer wieder, dass ich mich verkopfe. Es ist eine Struktur in meinem Kopf, die es gilt durch eine neue Denkweise zu ersetzen. Ich frag mich woher diese Struktur eigentlich kommt. Manchmal wühle ich in meiner Vergangenheit danach und werde teilweise fündig. Vielleicht können mir meine Eltern noch weiterhelfen, die sich vielleicht an mehr aus meiner Kindheit erinnern als ich. Aber ich fürchte mich davor nachzufragen, weil ich angst hab, dass mir etwas gesagt wird, das mich trifft und mich nieder schlägt.
    Mein Fehler-Problem ist stark damit verbunden wie andere darauf reagieren (könnten). Das merkwürdigste für mich ist, dass ich in meinem Kopf Gespräch führe als Ich als Ich und als Ich als jemand in meinem Umfeld. Und das Ich als Ich will immer gewinnen und sich behaupten. Dieser innere Dialog passiert automatisch, nachdem sich – auch automatisch – in meinem Kopf die Fragen entwickeln „was sag ich wenn mich jemand anspricht?“ wie rechtfertige ich meine handlung“ und „wie kann ich es drehen und wenden, dass ich aus dem Schneider bin“. Mittlerweile merke ich nach einigen Sekunden wenn ich das tue und schaffe es auch das ganze auszubremsen und lenke mit wohltuenden Gedanken entgegen. Aber es ist wohl Fakt, dass ich nicht voll und ganz hinter mir und meinen Taten stehe, wenn ich mich (in Form eines anderen) Gedanklich anzweifle, sogar oft Taten, die nicht mal ein wirklicher Fehler waren sondern man sagen kann, das ist Ansichtssache, je nach Lebensstil..
    Vielleicht kann ich ja hier auf dieser Seite einen Tipp raus schlagen. Hab gerade das erste mal im Internet gegooglet wie man mit Fehlern umgeht und das ist die erste Seite auf die ich klickte. Und der Text ist echt klasse und wird mir denk ich weiter helfen. Klasse geschrieben!

    1. Hey Nadja,

      Ich weiß genau wie du dich fühlst. Ich habe aber auch noch keine Lösung für diesen (für mich) schrecklichen Fehler zu finden. Für mich ist es immer besonders schlimm wenn durch meine idiotie andere Leute, vor allem Menschen die ich liebe und denen ich nicht weh tun möchte, verletzt durch meinen Fehler oder meine Tat sind. Ich hab für mich festgestellt das ich lernen muss nur eine Sache zur zeit zu machen, also konzentrierter sein. Dann kann man sich nicht so schnell verkopfen. ich glaube du und ich müssen mehr in der Realität leben und nicht in unserer Fantasie Gespräch führen die sowieso niemals statt finden.

      1. Danke für deine Zeilen, liebe Lea!
        Und ich möchte dir zustimmen und Nadja auf diesem Weg auch nochmal Zuspruch zukommen lassen.

        Psychologisch gesehen haben wir Menschen hervorragende Mittel, um uns zu schützen – gegen die Dummheit anderer aber auch gegen unsere eigenen Dummheiten. Festzustellen, wann man blöd gehandelt oder etwas „Dummes“ gesagt oder getan hat, braucht Übung. Sie zu verhindern, noch viel mehr (unmöglich, meiner Meinung nach). Und häufig sind die Dinge, die uns aus dem Mund purzeln, auch nur eine nicht so hilfreiche Strategie, um Bedürfnisse von uns auszudrücken. Das wird einem meist aber erst danach bewusst. Und dann ist der Schaden schon angerichtet und die Tag eben als „Fehler“ tituliert.

        Ich kann aber nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten, dass es durchaus lohnenswert ist, auch im Nachgang seine „Fehler“ noch zu berichtigen oder zu erklären, denn häufig kann man mit etwas Abstand wesentlich selbstkritischer an die Sache rangehen. Und das wiederum kann auch das Gegenüber häufig noch etwas besänftigen. ;) Und der Lerneffekt aus dem, was man im Nachgang noch betrachtet, ist enorm.

        Lieben Gruß,
        Michael

    2. Liebe Nadja,

      Lea hatte ja schon etwas geantwortet, aber ich möchte dir noch einmal eine andere Perspektive anbieten, diese „innere Stimme“ einzubeziehen, denn ich glaube nicht, dass sich dieser „Teil von dir“ (ob das jetzt ein innerer Kritiker, Schweinehund oder was auch immer ist) fühlt sich nicht wohl damit, unterdrückt zu werden. ;)

      Was hältst du davon, diese innere Stimme als etwas zu sehen, was dir nur Gutes will? Etwas, dass dich vorbereiten möchte, das dich gerne vor dem Bösen da draußen in der Welt schützen mag?
      Letztlich ist ja jedes Verhalten von uns nachvollziehbar – unter bestimmten Perspektiven. Besonders aus der Perspektive eines inneren Wachmannes…

      Lieben Gruß
      Michael

  6. Hallo,

    toller Artikel. Vielen Dank dafür. Ich habe das nach vielen Jahren jetzt selbst auch verstanden, dass Fehler machen etwas gutes ist, was mich weiterbringt. Deine Tipps sind sehr gut und hilfreich. Schade ist, dass viele andere Menschen immer noch sehr gereizt auf Fehler reagieren. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen deinen Artikel lesen und einen andere Zugang zu Ihren Fehlern finden.

    Vielen Dank und viel Erfolg weiterhin,
    Gerd

    1. Vielen Dank für die Blumen, lieber Gerd. Und wie schön, dass dir der Artikel so viel gebracht hat.

      Deinen Wunsch teile ich. :)
      Und ich würde mich riesig freuen, wenn du mithelfen würdest, ihn uns zu erfüllen!

      Liebe Grüße,
      Michael

  7. Ich habe vor knapp 4 Jahren Ein Stellenangebot sausen lassen, um meine alte Stelle zu behalten. Der Fehler war nicht das ich die Stelle nicht angetreten habe sondern das ich mich überhaupt beworben habe. Es war halt einfach nichts für mich. Ich hätte es trotzdem gemacht um evtl dann in diesem Bereich zu wechseln, aber mein Chef hat mich damals stark beeinflusst und ich bin geblieben.
    Heute bereue ich die Bewerbung. Ich hätte auf ein passenderes Angebot warten sollen. Mein Chef hat mir die Chancen dort mächtig und nachhaltig verbaut. Nun warte ich auf einen Führungskräftewechsel… In meiner alten Stelle werde ich zwar weiterkommen aber ich sehe langsam keinen Sinn mehr. Wie kann ich nun daraus lernen. Damals war ich zu ungeduldig. Also warte ich ab und nehme die Chancen meiner jetzigen Stelle wahr in der Hoffnung es besser zu machen. Bringt mich das weiter – keine Ahnung.

    1. Wo erwartest du einen Führungskräftewechsel? In deiner jetzigen Arbeitsstelle oder in der Arbeitsstelle wo du dich beworben hast. Vielleicht versucht du es später wieder Mal in der wo du dich beworben hast. Hat dein jetziger Chef die Chancen in der Arbeit verbaut wo du dich beworben hast?

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