Michael Tomoff - Was Wäre Wenn - Positive Psychologie und Coaching in Bonn - Versprechen

Das goldene Versprechen, das du dir selbst geben solltest

Ich möchte, dass du mir hier und jetzt etwas hoch und heilig versprichst.

Du kennst das vielleicht: die Tage und Wochen fliegen dahin, man macht viel, trifft sich mit Freunden, unternimmt möglicherweise Ausflüge. Und wenn mal wieder ein freies Wochenende ohne „Pflichtprogramm“ auf der Agenda steht, nimmt man sich vor, mal nichts zu machen. Am Ende fühlt man sich am Sonntagabend schlecht, weil man tatsächlich nicht nur nichts gemacht, sondern auch „nichts“ geschafft hat.

Viele „gute“ Dinge und Menschen

Es ist eine Sache, allzeit beschäftigt zu sein, seine Beziehungen zu pflegen und seinen Hobbys zu frönen. Das ist gesund, fördert das Wohlbefinden, hält einen auf Trab. So es in Maßen geschieht.

Wenn nicht, spürst du die andere Seite des so schön gefüllten Kalenders, in dem du anderen so vieles versprichst.

Auch der vollste Kalender wird deinen Körper nur für eine bestimmte Zeit hinhalten können. Bei Gelegenheit – höchstwahrscheinlich sogar in einer Urlaubsruhephase – klopft eine Krankheit an deine innere Tür und sagt: „Dein Körper schickt mich. Ich soll dich mal für ein paar Tage außer Gefecht setzen, weil du seine Zeichen nicht deuten willst. Sorry.“

Wenig bewusste Zeit zur Erholung

Selbst wenn du einer derer bist, die ihre Umwelt mit offenen Augen betrachten, ist jene Dauerkonzentration auch eine Aufgabe für den Körper, für den Geist.

Es kann schnell passieren, dass Anfragen Lücken im Kalender füllen und man aus gutem Willen und dem Harmoniebedürfnis seine Zeit hergibt. Meist fällt erst auf, dass man „zu“ ist, wenn man wichtigen Freunden erst Termine in mehreren Wochen anbieten kann, weil man seine „Pflicht“ erfüllen und keine anderen Termine absagen möchte.

Diese Art von Fremdsteuerung ist unglücklich.

Alleinzeit – Zeit für sich statt Einsamkeit

Es ist verständlich, nicht einsam sein zu wollen. Doch benötigt jeder Mensch Ruhepausen, in denen sich Erlebtes setzt und verarbeitet wird. Eine Ruhepause ist in solchen Augenblicken Wertschätzung für sich. Sei es durch Meditation, durch Schlaf oder z.B. einen Ausflug ins Grüne, im wahrsten Sinne zu den Wurzeln.

Die Einsamkeit gibt dem Geist Selbstgefühl. –Bettina von Arnim

Auch in Beziehungen ist das äußerst wichtig, denn meiner Meinung nach kann eine Beziehung besser Früchte tragen, wenn erst mal beide Partner einer Beziehung mit sich im Reinen und ausgeglichen sind und gestärkt aus sich heraus in eine erfüllte Beziehung gehen können.

Gründe, sich selbst nicht wichtig genug zu nehmen

Warum quillen die Tage und Wochen über? Warum bleibt trotz freudiger Erlebnisse oft ein Gefühl zurück, als „Freizeitnomade“ permanent unterwegs zu sein?

Pflichtgefühl: Jemandem etwas zugesagt zu haben, verpflichtet. Wir lernen meist schon als Kinder, dass man Versprechen hält (Indianerehrenwort!) und das Brechen derselben nicht zu einem Aufbau von Vertrauen führt.

Später im Job gibt es zahlreiche Termine mit Kollegen, Mitarbeitern und Kunden, die eingehalten werden wollen, um die jeweilige Beziehung mit diesen Menschen als positive aufrecht zu erhalten.

Unaufmerksamkeit: Ich selbst habe im Privaten keine Regel, die mich vor zu vielen Ereignissen „warnt“. Mein Kalender zeigt kein „Wegen Überfüllung geschlossen!“-Schild und auch mein Körpergefühl hat keine harten Grenzen, die mir prompt mitteilen, dass es jetzt Zeit wäre, kürzer zu treten. Oft schiebe ich Schlappheit oder fehlende Ruhe auf kurzfristig zu behebende Dinge (Schlafmangel => „Heute gehe ich mal früher ins Bett.“) und merke erst später, dass bald Urlaub nötig ist oder wieder ein Gang durch den Wald.

nicht nein sagen zu können: „Wir haben uns auch schon lange nicht mehr gesehen! Wann hast du denn das nächste Mal Zeit? Lass uns doch mal einen Kaffee zusammen trinken gehen!“ Wer sagt da „nein“, wenn es jemand ist, den man tatsächlich gerne mal wieder ausführlicher sprechen wollen würde? Wenn ich mich über die Absage eines anderen freue, weil ich dadurch Zeit für mich gewonnen habe, ist das für mich ein deutliches Zeichen, dass es zu viel wird. Oder dass ich mich mit anderen Menschen umgeben sollte…

Freude über die Anfragen: Natürlich freut man sich, wenn man gefragt wird und gefragt ist. Gut für’s Selbstwertgefühl und einfacher, als sich aktiv um jene Gedanken zu machen, denen man selber mal wieder hallo sagen würde.

Angst, jemanden zu enttäuschen: Während meines Psychologiestudiums lernte ich eine Kommilitonin kennen, die mir anfangs absagte, „weil sie Zeit für sich bräuchte und ihr einiges zu viel wäre.“ Ich nahm das damals persönlich und fragte mich, wie ich dieses Problem jemals verstärken denn lindern könnte. Heute weiß ich, dass die Kommilitonin viel weiter war als ich, auf sich Acht gab und das ehrlich und klar kommunizierte.

Wie im letzten Artikel „Muss ich wirklich wirklich“ angesprochen, würden die meisten unter uns nicht direkt sagen, dass sie mehr Zeit für sich brauchen, sondern einen anderen Grund vorschieben. Aus Angst, den Fragenden zu verletzen und ihm das Gefühl zu geben, er sei nicht wichtig. Aus Angst, er würde nicht mehr fragen und von nun an einen Bogen um uns machen.

fehlende Bewusstheit der eigenen Werte: Steht der Wert Freundschaft oben? Oder Zweisamkeit? Aktivität? Falls du nicht weißt, was dir wichtig ist, kann es leicht passieren, dass die Werte anderer bei dir ausgelebt werden und du keine Grenze ziehst zu deinen eigenen. Weißt du genau um deine höchsten Werte, lassen sich Entscheidungen wesentlich einfacher treffen und du kannst – je nach Termin – abschätzen, wie kongruent diese Person oder Sache mit deinen Prioritäten einhergeht.

keine langfristige Ausrichtung oder Ziele: Es stimmt ja oftmals: Wir denken nicht immer an die Menschen, die uns wichtig sind. Hast du Freunde, bei denen du sagst, dass es auch nach einem Jahr so ist, als hättet ihr euch erst gestern das letzte Mal getroffen? Vielleicht ist die Pause der Grund, weshalb ihr euch noch so gut versteht. Aber wenn es eine dir wichtige Person ist, tut doch auch häufigerer Austausch gut, oder nicht? Trotzdem schreibst du wahrscheinlich nicht auf, wen du wann und wie oft besuchen oder anrufen möchtest – und vor allem, warum.

Was brauchst du, um das zu ändern?

Achtsamkeit: Wenn du den Tag über darauf achtest, was dir gut tut, wobei du Energie gewinnst, was dir leicht fällt und du gerne machst, hast du bereits eine gute Ahnung davon, womit du deinen Tag füllen solltest. Natürlich gibt es Aufgaben, die man nicht gerne erledigen möchte. Sollte das aber bei dir die Regel sein, solltest du dir grundlegend überlegen, was da falsch läuft.

Abwechslung: Genau wie eine Leib- und Magenspeise überdrüssig werden kann, obwohl sie dir über lange Zeit geschmeckt hat, ist es möglich, dass auch Freunde, die dir ansonsten gut tun, auf einmal zu viel sind. Das ist normal.

Der einsame Spaziergang am Abend am Waldrand statt eines Treffens mit Freunden in deinem Lieblingspub verhält sich dann parallel zum Kaiserschmarrn entgegen der Lieblings-Pizza – er regt die Sinne auf andere Art an und stellt eine süße Abwechslung dar, die dem Favoritenstatus der Pizza letztlich gut tut.

Ehrlichkeit: Natürlich gegenüber denen, die anfragen, aber auch besonders gegenüber dir selbst. Was ist mir wichtig? Und was hat mich bisher davon abgehalten, mir das bewusster zu machen und zu leben? Was ist anderen wichtig? Und was bringt mich dazu, diese Bedürfnisse über die meinen zu stellen?

Ganz ehrlich.

die passende Sprache: Du musst nichts machen. Niemand zwingt dich dazu (mit der Pistole auf der Brust). Und je eher du das in deine Sprache mit einbaust, desto befreiter wirst du mit deinen Bedürfnissen umgehen und sie äußern.

Ein Versprechen und konkrete Schritte

Du machst einen Plan, einen Termin „mit dir selbst“.

Wie du dich mit Freunden, Bekannten, Familie oder Kollegen verabredest und einen Termin ausmachst, kannst du das mit dir machen. Gerade in anstrengenden Zeiten ist es essentiell, bei sich zu sein und eine Balance herzustellen. Und wenn du mit dir einen Vertrag abschließt und dir etwas zusagst, fällt es dir schwerer, dich zu enttäuschen oder nicht wichtig zu nehmen.

Anderen mit den Worten „Ich habe mir versprochen, an dem Abend etwas für mich zu machen“ abzusagen, hört sich zwar anfangs seltsam an, kann jedoch eine große Wirkung haben. Bei dir sowie deinem Gegenüber.

Das ist ein kleiner, aber bedeutender Schritt. Wie kannst du sonst klar wissen, ob du die Dinge tust, weil du sie tun willst?

Oder verdienst du es nicht, die Dinge zu tun, die du tun möchtest?

Mach jetzt einen Vertrag mit dir und schreib regelmäßige Termine in deinen Kalender, um dir für dich Zeit zu reservieren zum Reflektieren und Erholen. Disziplin und Selbstkontrolle dafür lassen sich mit kleinsten Übungen trainieren.

Durch Termine und eine Absprache mit dir wird dein Kalender nach außen hin nicht leerer, doch hast du am Ende mehr Zeit für dich darin verankert und bist nicht abhängig davon, ob noch etwas dazwischen kommt und einen noch weißen Fleck füllt.

Je länger du das praktizierst, desto einfacher wird es dir auch fallen, diesen Alleinzeit-Block nicht für spontan aufkommende Angebote herzugeben, sondern diesen Zeitraum zu genießen, dich darauf zu freuen und ihn mehr und mehr mit entspannten Augen zu sehen.

Das wird Erholung schaffen. Und Ausgeglichenheit. Und Zeit für die wichtigen, aber nicht dringenden Aufgaben.

Kennst du jemanden, der ähnlich meiner Studienkollegin diese Alleinzeiten bereits gut für sich einplant und ein Vorbild für dich sein könnte?

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