Michael Tomoff - Was Wäre Wenn - Positive Psychologie und Coaching - 30-Tage-Experimente

30-Tage-Experimente, um deine gefühlte Lebenszeit zu verlängern

Im letzten Artikel habe ich zwei Theorien aufgeführt, warum wir den Satz „Wie die Zeit vergeht!“ jahraus jahrein aussprechen und das Gefühl haben, dass die Zeit gerade mit steigendem Alter schneller zu vergehen scheint.

In diesem Artikel bekommst du praktische Anwendungsbeispiele.

Wie du im letzten Artikel erfahren hast, ist es nicht leicht, sich neuen Dingen zu widmen oder Dinge zu tun, die man sich vorgenommen hat – so klar es auch sein mag, dass es gut und sinnvoll wäre. Das Rauchen aufhören? Vegetarier werden? Mental und logisch ist das für uns nachvollziehbar. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir es auch tun.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Hindernisse für das Erfahren von Neuem oder das Loslassen von Altem zu überwinden: die zeitliche Begrenzung einer neuen Sache und das Ausmaß dieser Sache.

1. Probier es für 30 Tage aus!

Wenn du es schaffst, Neues für 30 Tage am Stück zu tun, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es zu einer Gewohnheit geworden ist und damit nicht mehr viel bewussten Aufwand abverlangt. Jeden Tag für 10 Minuten Russisch zu lernen, 30 Tage ohne Fleisch auszukommen, vielleicht 30 Tage Liegestütz machen, bis du nicht mehr kannst und den roten Kopf erst einmal abkühlen lassen musst.

Immer mit dem Wissen, dass es nach 30 Tagen vorbei sein wird, wenn du keine Lust mehr hast und es somit nicht dein gesamtes Leben andauern muss!

2. Fang klein an

Es braucht nicht immer „cold turkey“ sein, also eine völlige Umstellung von heute auf morgen. Bis an’s Lebensende. Auch ein Tag in der Woche oder nur am Wochenende sind Zeiträume, in denen man etwas Neues ausprobieren kann. So wie du vielleicht mittwochs regelmäßig zum Fußballspielen gehst oder dich mit deinen Freundinnen zum Joggen verabredest, kannst du auch zum „Weekday Vedg“ werden (wie Graham Hill in seinem TED-Talk Why I’m a weekday vegetarian zeigt), also wochentags auf Fleisch verzichten und dich deinem Steak oder den Bratkartoffeln mit Speck am Samstag oder Sonntag widmen.

Klingt doch gleich halb so anstrengend und einschneidend, oder?

Wusstest du, dass z.B. alleine die Bremer so viel CO2 sparen könnten, wie 40 000 Autos im Jahr verbrauchen, wenn sie alleine einen Tag in der Woche auf Fleisch verzichten? Einen Tag!

Was kann passieren? Im schlimmsten Fall hörst du nach wenigen Tagen auf (oder fängst wieder an, wenn das Beispiel des Rauchens bei dir zutrifft) und fragst dich, was dich da wohl geritten hat. Bestmöglich bleibst du bei der Sache, kannst bald eine neue Fremdsprache, rauchst nicht mehr oder hast Spaß dabei, ohne Fleisch durch’s Leben zu kommen.

Physisch und psychisch lebensverlängernd

Abgesehen davon, dass deine neue Gewohnheit alleine gesunde und damit lebensverlängernde Effekte haben kann und wahrscheinlich wird, hat Variante 1) einen entscheidenden Vorteil, der sich außerdem auf deinen Geist auswirkt. Und zwar in ähnlicher Art und Weise, wie die Welt uns als Kinder mit neuen Impulsen versorgt hat: er erweitert deinen Horizont und bringt dir neue Erfahrungen, die dich weiterbringen und das psychologische Zeitempfinden dehnen.

Natürlich muss man nicht alles ausprobieren, nur um sagen zu können, man hat es versucht. Aber die Erfahrung zu machen, sich an etwas heran getraut zu haben, zumindest 30 Tage durchgehalten zu haben, wird dich wachsen lassen. Und aus den Versuchen, die kleben bleiben, entwickelt sich ja vielleicht schnell eine gute neue Gewohnheit.

Hier eine Liste von Ideen für 30-Tage-Experimente. Du könntest 30 Tage lang täglich…

  • vegetarisch oder vegan leben
  • eine neue Email-Gewohnheit anlegen (z.B. nur 2x Emails am Tag checken wie Ruben Loos in seinem Artikel Gut im Empfangen – 3 Schritte zu mehr E-Mail-Gelassenheit vorschlägt)
  • x Minuten oder y Kilometer joggen (egal bei welchem Wetter)
  • nur x Stunden schlafen
  • ein neues Fremdwort lernen
  • eine Fremdsprache vorantreiben
  • einen Roman von 50.000 Wörtern schreiben (siehe NaNoWriMo) oder jeden Tag ein Gedicht
  • ein Foto schießen (als Foto-Tagebuch, wie z.B. bei blipfoto)
  • meditieren
  • Zahnseide benutzen
  • nicht mosern, lästern oder sich beschweren
  • eine gute Tag für einen anderen tun
  • x Seiten lesen
  • ein Instrument lernen
  • für alle einhändigen Aktionen die schwache Hand benutzen
  • eine Person anrufen, die du lange nicht mehr gesprochen hast (mailen geht natürlich ebenso)
  • 3 Highlights des Tages aufschreiben (mit der Was-lief-gut-Übung)
  • mit/ohne Twitter/Facebook/Google+
  • mit dem Fahrrad zur Arbeit (auf kurzen und mittleren Strecken ist man mit dem Rad ohnehin oft schneller)
  • einen anderen Weg zur Arbeit nehmen (Umwege erhöhen die Ortskenntnis)
  • ohne Zucker leben
  • kurze Emails schreiben (siehe Emailcharter)
  • spenden (einer Organisation wie Avaaz oder Campact, einem Obdachlosen, einem anderen Fremden oder Hatemalo 🙂
  • einen Witz lernen
  • ein Sprichwort lernen
  • eine neue Internetseite mit anderen teilen
  • ein inspirierendes oder motivierendes Video teilen
  • ein Ding von sich wegwerfen, verkaufen, verschenken
  • eine neue Methode in seinem Spezialgebiet lernen (Coaching, Training, etc)
  • eine Sache machen, die „nur ein Kind“ machen würde (Pfützenspringen,
    Scheibe Wurst an der Theke erfragen, mit Murmeln spielen…)
  • sich etwas bewusst gönnen und das vorher planen (Sauna, Massage,
    Serie, Mittagsschlaf…)
  • ein kurzes Video drehen und jemanden damit via Email grüßen
  • ein neues Wort erfinden
  • einen eigenen Aphorismus aufschreiben
  • einen Blogpost schreiben
  • etwas zu wikipedia beitragen und damit Wissen in die Welt tragen
  • eine Blume oder einen ganzen Strauß Blumen verschenken
  • eine Postkarte verschicken
  • ein schönes Erlebnis (z.B. aus der Kindheit) aufschreiben
  • Tagebuch schreiben
  • seine Zeitdiebe überprüfen und aufschreiben
  • etwas Neues trinken oder essen
  • höflich sein (Stuhl vorziehen, Tür aufhalten, in Jacke helfen, etc)
  • jemandem einen Dankesbrief schreiben oder Dankbarkeit zeigen
  • auf seine Worte achten und z.B. nicht mehr müssen müssen

Welche Dinge würdest du gerne für 30 Tage ausprobieren? Oder hast du eventuell diese Erfahrung gemacht?

Falls nicht, schau dir zur Inspiration dieses 3-minütige Video von Matt Cutts an, der für 30-Tage-Experimente schwärmt und mit der wunderbaren Frage endet:

„Worauf wartest du – ich garantiere dir, die nächsten 30 Tage werden passieren, ob du es willst oder nicht. Also warum überlegst du nicht einfach, was du schon immer mal machen wolltest. Und versuchst es. Für die nächsten 30 Tage.“
–Matt Cutts

Foto: antonkawasaki, der übrigens einen Teddybär zu Besuch hat, dessen Gewohnheit das Reisen ist 😉

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