Fragen für ein stärkenfokussiertes Interview gibt es viele. Für deren Anwendung ist es egal, ob Sie Führungskraft im Mitarbeitergespräch oder Personaler in einem Auswahlprozess sind, Coach in einer Coachingsession oder Freund unter Freunden: Es gibt mehr als 15 verschiedene Wege, um Stärken in anderen zu entdecken. Und von den zahlreichen Vorteilen des Einsatzes von Stärken brauche ich Ihnen ja nichts mehr erzählen. Heute möchte ich Ihnen die Möglichkeit eines stärkenfokussierten Interviews näher bringen.

Wo in weit verbreiteten Interview-Skripten noch Fragen nach „den drei größten Schwächen“ stehen und Antworten wie „Perfektionismus“ oder „Ungeduld“ den Ausweg von der Ehrlichkeit im Gespräch bereit halten mögen, ist der Gesprächsleitfaden eines Interviews mit Fokus auf Stärken anders.

Ein stärkenfokussiertes Interview versucht dem Fragenden – wie der Name schon sagt – einen Einblick in die offensichtlichen oder auch verborgenen Stärken seines Gegenübers zu ermöglichen. Indem er Fragen stellt, die seinen Gesprächspartner anregen, über Dinge zu sprechen, die im direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Kernelementen von Stärken stehen – nämlich Energie, Leistung und Authentizität. Die vorliegende Liste soll eine Anregung sein, die vielfältigen Fragen als Unterstützung zu nutzen, Stärken in anderen Menschen zu erkennen.

30 Fragen für ein stärkenfokussiertes Interview

  1. Was mögen Sie, wenn Sie es tun?
  2. Welche Aktivitäten verschaffen Ihnen Erfüllung?
  3. Was bringt positive Energie in Ihr Leben?
  4. Wann gibt es Zeiten, in denen Sie sich voll und ganz engagieren im Gegensatz dazu, das nur vorzugeben?
  5. Welchen drei Dingen sind Sie leidenschaftlich gegenüber?
  6. Was lässt diese Leidenschaft über die eben genannten drei Dinge entstehen?
  7. Was glauben Sie ist Ihre Berufung im Leben?
  8. Wann im Leben spielen Sie?
  9. In welchen Situationen genießen Sie die Fahrt anstatt darauf zu achten, Ihr Endziel zu erreichen?
  10. Wann sind Sie selbstdiszipliniert?
  11. Wann sind Sie kreativ?
  12. Wo fühlen Sie sich in Frieden?
  13. Wo fühlen Sie sich ruhig und produktiv?
  14. Wann ist das Gefühl in Ihnen da, dass Sie genau das tun, was Sie im Leben tun sollten?
  15. Welche Aktivitäten lassen Sie in Flow geraten?
  16. Wann vergessen Sie die Zeit?
  17. Bei welchen Aktivitäten können Sie es kaum erwarten, sie erneut zu tun?
  18. Wann liefern Sie ohne Probleme Ergebnisse?
  19. Welche Aktivitäten geben Ihnen das Gefühl der Klarheit, Ruhe, Kreativität und des Erfolges?
  20. Wann erleben Sie das Gefühl, in Ihrem Element zu sein?
  21. Was taten Sie bereits als Kind, dass Sie auch heute noch tun – wahrscheinlich nur besser?
  22. Welche Dinge würden Sie sogar tun, ohne dafür bezahlt zu werden?
  23. Welche Aufgaben würden Sie auf keinen Fall abgeben wollen?
  24. Wann fühlen Sie sich wie Ihr „echtes Ich“, Ihr „bestes Selbst“?
  25. Wohin geht Ihre Aufmerksamkeit natürlicherweise?
  26. Was haben Sie schnell erlernt und mit wenig Aufwand weitergeführt?
  27. Wann fühlen Sie sich motiviert?
  28. Welche Elemente möchten Sie gerne auf Ihrer To-do-Liste sehen, die es aber nie dorthin schaffen?
  29. Auf was in der Zukunft (z.B. in den nächsten zwei Wochen) freuen Sie sich am meisten?
  30. Wenn Sie morgen ein Projekt beginnen und leiten dürften – ohne Limit von Ressourcen – welches wäre das?

Und wie werden die Antworten gegeben?

Achten Sie nicht nur auf die Inhalte der Antworten. Schauen Sie außerdem, wie die Antworten gegeben werden. Verändern sich Mimik, Gestik, Tonlage bei Ihrem Interviewee?

Freut sich Ihr Gegenüber über den Austausch und erscheint möglicherweise ein Leuchten in seinen Augen? Erhöht sich sogar die Offenheit im Gespräch?

Ein stärkenfokussiertes Interview hat viele Facetten. Was auch immer passiert – ich verspreche Ihnen, Sie werden mehr Spaß beim Interviewen haben als vorher. Gleiches gilt voraussichtlich für den Menschen, der Ihnen gegenübersitzt. Den alleine durch das Nachdenken über viele der Fragen echtsteht Wachstum.

Denn mal ganz ehrlich: Wann stellt man sich solche Fragen den schon?

Was fehlt Ihnen also noch für ein stärkenfokussiertes Interview?

PS: Falls Sie längst Erfahrungen im stärkenfokussierten Interview gesammelt haben oder noch weitere Fragen anregen möchten – nur her mit Ihren Ergänzungen oder Erfahrungsberichten! Wir freuen uns darauf.

Literatur

Biswas-Diener, R. (2009). A Positive Way of Addressing Negatives: Using Strengths-Based Interventions in Coaching and Therapy. In Happiness, Healing, Enhancement, G.W. Burns (Ed.). https://doi.org/10.1002/9781118269664.ch24