Große Erwartungen sind eine gute Sache, solange sie nicht enttäuscht werden. Welch nützliches Wissen die Positive Psychologie über positive Erwartungen parat hat und wie Sie dieses Wissen nutzen können, erfahren Sie jetzt.

Vorwegnehmende Erfahrungen

Wenn wir uns dabei erwischen, mal wieder nicht im Moment, im Hier und Jetzt zu sein, sondern über unsere Zukunft nachzudenken, sind diese Gedanken normalerweise eine Form von Sorgen. Sorgen haben ihre Begründung und ihre guten Seiten.

Sorgen tragen aber ebenfalls dazu bei, unser Angstlevel zu steigern. Das passiert sogar bei Ereignissen, denen wir mit großer Freude entgegen sehen. Warum? Weil die meisten von uns keinen Nutzen von der vorwegnehmenden Erfahrung machen.

Wissenschaftler (Carver, Scheier, & Segerstrom, 2010; Boehm & Kubzansky, 2012) fanden heraus, dass die positive Erwartung kommender Ereignisse unsere Erregung verlängert und unseren Optimismus steigert. Optimistische Menschen sind eher dazu bereit, die Zähne zusammen zu beißen, wenn es brenzlig wird. Sie sind gut im Umgang mit schwierigen Situationen und geben nicht so schnell auf.

Weil wir etwas haben, auf das wir uns freuen können, fühlen wir uns begeisterter, motivierter und aufgedrehter. Wir verhalten uns eher auf eine Art und Weise, die das Eintreffen unserer positiven Zukunft sicherstellt (Locke & Latham, 2006).

Wie können wir uns das zunutze machen? Neurowissenschaftler sagen, dass unsere Erwartungen Hirnmuster erzeugen, die genauso real sein können wie diejenigen, die durch Ereignisse in der realen Welt entstehen. Also ist eine erwartete Zukunft wie eine vorweggenommene Erfahrung, die auch unsere Fähigkeit stärkt, bei Rückschlägen und enttäuschten Erwartungen schneller wieder auf die Beine zu kommen.

Was bedeutet das für den Beruf, die eigene Arbeit?

Ihre positiven Überzeugungen gegenüber einem Ziel können tatsächlich die konkreten Ergebnisse Ihrer Bemühungen und Ihrer Arbeit verändern.

Eine Studie mit gerade in ihrem Job startenden Buchhaltern zeigte beispielsweise, dass diejenigen, die an die Erreichung ihrer gesteckten Ziele glaubten auch diejenigen waren, die schließlich die beste Arbeitsleistung ablieferten (Saks, 1995). Und diese Ergebnisse sind nicht nur Folge einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, sondern auch die eines Gefühls von gesteigerter Selbstwirksamkeit.

Alleine der Akt der positiven Erwartung zukünftiger Ereignisse senkt auch das Niveau des Stresshormons Cortisol. Denn wenn wir glauben, dass uns Gutes passieren wird, steigert das unser Wohlbefinden und wir gehen glücklicher in den Tag hinein (Seligman, 2005).

Was heißt das für Sie und Ihr tägliches Tun? Sorgen beeinträchtigen unser tägliches Tun oft in überhöhtem Maße. Durch eine andere, positivere Perspektive können wir schon viel zu einem positiven Ausgang eines Ziels beitragen.

Sollten Sie von Haus aus Pessimist sein, könnte Ihnen diese Übung viel Spaß machen und doch noch zu einer optimistischeren Haltung beitragen.

Und wenn Sie das nicht wollen… tja, dann kann ich Ihnen heute auch nicht weiterhelfen! :-)

Literatur

Boehm, J. K., & Kubzansky, L. D. (2012). The heart’s content: The association between positive psychological well-being and cardiovascular healthPsychological Bulletin138(4), 655–691.

Carver, C. S., Scheier, M. F., & Segerstrom, S. C. (2010). OptimismClinical Psychology Review30(7), 879–889.

Locke, E. A., & Latham, G. P. (2006). New Directions in Goal-Setting Theory. Current Directions in Psychological Science, 15(5), 265–268.

Saks, A. M. (1995). Longitudinal field investigation of the moderating and mediating effects of self-efficacy on the relationship between training and newcomer adjustment. Journal of Applied Psychology, 80(2), 211–225.

Seligman, M. (2005). Der Glücks-Faktor: Warum Optimisten länger leben. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe.

Große Erwartungen: Positive Psychologie und die Zukunft

von Michael Tomoff Lesezeit: 2 min
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