Und was flüstert dein Innerer Kritiker dir am Tag so alles ins Ohr? Er funkt beim Schreiben von Beiträgen genauso dazwischen wie beim Ausprobieren neuer Dinge. Er holt Ziele wieder auf den Boden und macht uns gerne mal klein.
Sätze wie „Das wird verdammt schwierig!“, „Das ist doch wirklich keine deiner Stärken!“ oder auch „Willst du dir wirklich diese Schmach antun?“ sind keine Seltenheit.
Dass du bei vielen von diesen „heiklen“ Aktionen viel lernst, weiß dein Innerer Kritiker zwar, behält es aber für sich. Denn der Innere Kritiker versteht es zu gut, die Stimme der Vernunft zu übertönen, die Bremse anzuziehen und dich davon abzuhalten, dein volles Potential zu nutzen.
Dabei ist der Innere Kritiker einer von vielen Teilen in uns. Sein Haustier, der „Innere Schweinehund„, läuft gerne mit, wenn wir Joggen.
Sein Lieblingsgericht, der Klos-im-Hals, sagt uns gerne, dass wir in dieser Situation noch nicht so weit sind und an uns arbeiten sollten.
Das dumpfe Gefühl im Magen vermittelt uns vielleicht, dass etwas nicht stimmt oder wir uns unsicher fühlen, ohne sich aber konkret einmischen zu wollen.
Hier kommen fünf Wege, wie du den Inneren Kritiker zum Mitmachen bringst, ohne ihn zu verärgern.
Was ist das Gute daran?
Wer mich kritisiert, interessiert sich für mich, Kritik ist Anteilnahme, Gleichgültigkeit kritisiert nicht. –Manfred Hinrich
Auch, wenn wir manchmal das Gefühl haben, der Innere Kritiker existiert ausschließlich, um uns das Leben zu erschweren, hat er eine Existenzberechtigung.
Er ist dafür da, dich zu beschützen.
Manchmal vor Überarbeitung („Das schaffst du sowieso nicht, lass es lieber gleich!“).
Manchmal vor Rückschlägen und Ablehnung („Das muss besser sein. Das kannst du so nicht abgeben!“).
Manchmal vor dem eigenen Erfolg („Das kannst du nicht! Überhaupt nicht deine Kragenweite!“).
Der Innere Kritiker will uns in erster Linie nicht schaden, denn würde er seinen Vermieter schädigen, schädigte er sich gleichfalls. Es ist alleine die Intensität des Schutzes, die oft zweifelhaft scheint und uns im Wege ist. Und bevor ich zu den Übungen übergehe, mit denen du deinen Inneren Kritiker hilfreicher machen kannst, eine kleine Vorstellungsübung, um persönlicher zu werden.
Wie sieht dein Innerer Kritiker aus?
Hast du eine Vorstellung von der Stimme, die dich in verschiedensten Situationen anspricht? Wozu gehört diese Stimme? Wie sähe dieses Etwas aus, wenn du es jetzt auf deine Hand legtest? Wäre es rund, eckig, flauschig, matschig, kratzig? Hätte es Ohren, Augen, eine Nase? Vielleicht sogar eine (Sonnen)Brille?
Stell dir genau vor, wie er, sie oder es aussieht, und mach ein mentales Foto davon.
Dann können wir loslegen.
Wie also bringst du die Innere Stimme auf einen positiveren Kurs?
1. Auch ein Innerer Kritiker braucht Wertschätzung
Nimm das Schutzbedürfnis deines Inneren Kritikers ernst. Er ist ebenso Teil von dir wie der lobende und jener, der das Kind in dir verkörpert.
Filtere, was gut ist, was nur gut gemeint und was überzogen und hinderlich ist.
- Was ist die Absicht der Inneren Stimme in dir?
2. Schreib auf, was dein Innerer Kritiker schwätzt
Darauf zu achten, was deine innere Stimme sagt („Du bist ein Verlierer!“, „Du bist hässlich!“, „Du kannst das nicht und schaffst es deshalb auch nicht!“) und diese Sätze aufzuschreiben, wird dir bereits helfen, die Häufigkeit dieser Sätze zu reduzieren. Sie liegen dann vor dir, nicht innen eingeschlossen, und verlieren auf dem Papier oft schon einen großen Teil ihrer Wirkung, weil sie jetzt bewusst sind und nicht nur Kreise in deinem Kopf ziehen.
- In welchen Situationen spricht dein Innerer Kritiker welche Sätze aus? Gibt es Muster? Gibt es bestimmte Personen, bei oder mit denen diese Sätze in dir erklingen?
Voraussichtlich sind es weniger Situationen, als du vorher angenommen hast. Sich etwas ins Bewusstsein zu holen, ist der erste Schritt, um damit arbeiten zu können. Und wer schreibt, der bleibt – das gilt auch für die Stimme im Kopf.
3. Überprüf deine Beurteilungen
Wenn du nicht gerade ein äußerst von dir überzeugter Mensch bist und vor Selbstbewusstsein strotzt, gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit überzogene Urteile in deinem Kopf, die sich ab und an melden.
Wenn du z.B. denkst, dass du in deinem Job „ein Verlierer“ bist, nicht verdient hast, was du bisher erreicht hast, und bald auffliegst (Achtung, Dunning-Kruger-Effekt!), meinst du damit voraussichtlich nicht immer und überall, sondern bestimmte Situationen.
Hör auf deine innere Stimme und frag nach mehr Details, nach mehr Fokus und Sorgfalt. Und zwar positiv, konstruktiv und hilfreich.
- Wie sieht ein Verlierer in deiner Vorstellung aus? Trifft das wirklich auf dich zu, oder ist dein Urteil zu hart gegenüber dir selbst? Was kannst du in dieser Situation genauso gut machen wie in anderen, ähnlichen Situationen, in denen es läuft?
4. Hol dir eine objektive Meinung
Viele haben Schwierigkeiten damit, ihre Erfolge aufzuschreiben oder sie sich als eigene Erfolge zu verbuchen. Auch dein Innerer Kritiker wird dich von solchen Aktionen abhalten. Aber: Jeder Mensch hat bereits etwas geleistet und vollbracht. Wir sind heutzutage jedoch sehr damit beschäftigt, die schlechten Dinge abzuspeichern und uns vorzuhalten.
Negative Erinnerungen sind nicht zwangsläufig harte Fakten, darum stell diese Gedanken auf die Probe. Entweder alleine oder – noch besser – mit Familie oder Freund:innen, die oft besser erinnern, welche positiven Erlebnisse es gab und die du selbst nicht mehr aus dem staubigen Archiv deiner Erinnerung hervorkramst.
Erstell eine Liste von Dingen, die du erreicht und vollbracht hast. Erinnere dich und schreib es auf. Sei damit nicht sparsam (im Sinne von „Ach was, sooo toll war das jetzt auch nicht!“).
- Nimm eine kurze, handliche Liste mit und steck sie in deine Geldbörse oder in deinen Rucksack, leg sie in ein Fach im Schreibtisch. Und wenn dein Innerer Kritiker wieder lauter wird, hol diese Liste heraus und lies sie durch.
5. Überprüf deine Werte
Ist das, worüber du dich aufregst, es wert? Ist es etwas, das mit deinen innersten Werten übereinstimmt, oder etwas, worüber du dich aufregen zu müssen glaubst, weil es in den Augen anderer vermeintlich „schlimm“ ist?
Wenn du Werte wie Freundlichkeit, Integrität oder Hilfsbereitschaft dein Eigen nennst, gibt es viele Stellen, an denen du dich vielleicht über dich ärgerst (oder dein Innerer Kritiker dich darüber informiert, dass du dich gerade nicht an deine eigenen Ansprüche hältst). Das bringt dich voran und gibt deinem Leben mehr Sinn, solange du nach vorne blickst und nicht in der nicht mehr änderbaren Vergangenheit festsitzt.
- Sieh Kritik von innen nicht als Hinweis auf Defizite, sondern als Hinweis darauf, wie du dich weiterentwickeln kannst. Ein „Das schaffst du ohnehin nicht!“ ist eine kommunikative Schwäche deines Inneren Kritikers (er hat vornehmlich Schriftdeutsch gelernt und kann sich mündlich nicht so brillant ausdrücken…!). Was er meint, ist: „Das schaffst du noch nicht. Überlege kurz, was du dazu noch brauchst und dann geht’s frisch an’s Werk!“
Klingt besser, oder? Und deine innere Stimme verärgerst du damit nicht, sondern nutzt das, was sie dir mitteilt.
Foto: kitty27

