Der letzte Artikel handelte von dem immensen Effekt, den andere Menschen auf Sie, auf Ihre Entwicklung und damit auch auf Ihr Wohlbefinden haben und wie wichtig aus diesem Grund die Entscheidung ist, mit welchen Menschen Sie sich umgeben.

Sich darüber bewusst zu werden, welche Menschen aus Ihrem Freundes-, Bekannten- oder Fremdenkreis Ihnen wichtig genug sind, um ihnen Ihre Zeit zu schenken, ist der erste Schritt.

Dadurch stehen diese Menschen aber nicht gleich vor Ihrer Tür und bitten um Einlass. Und dadurch gehen Sie auch noch nicht bei der erst besten Gelegenheit los und sagen den Menschen, die Ihnen wichtig sind, dass sie Ihnen wichtig sind und Sie mehr Zeit mit ihnen verbringen möchten, oder?

Es gibt genug Gründe dafür, warum Sie es nicht tun: Sie oder (vermeintlich) die anderen haben keine Zeit. Sie wohnen zu weit weg. Sie sind introvertiert und gehen nicht gerne auf andere Menschen zu. Sie wollen niemanden zu etwas zwingen, was er nicht von sich aus tut…

Wie wichtig ist es Ihnen wirklich, voran zu kommen und zu lernen, Ihre Ziele zu erreichen? Und wie weit möchten Sie diese Entwicklung aus der Hand geben?

Reichtum von Zeit – Qualität mit den Liebsten

Der Harvard-Professor Tal Ben-Shahar fasst in seinem Big Think Video (ab Minute 12:15) auf die Frage „Gibt es spezifische Dinge, die Menschen tun können [um glücklicher zu werden]?“ treffend zusammen, was wichtig ist für das Glück der Menschen:

Der Nummer-1-Prädiktor für Wohlbefinden ist Qualitätszeit, die wir mit Familie, Freunden und Menschen verbringen, die uns wichtig sind, denen wir wichtig sind.

Und Tal meint in diesem Fall nicht das gemeinsame mit-dem-Handy-Texten am selben Tisch, sondern die aufmerksame Beschäftigung mit diesen Menschen.

Der Psychologe Tim Kasser nennt dieses in unserer Zeit immer seltener werdende Phänomen time affluence, was so viel bedeutet wie Reichtum von Zeit, also der bewusste Umgang mit ihr (Kasser & Sheldon, 2008).

Und dieser steht in starkem Zusammenhang mit unserem Wohlbefinden.

Welche Wege gibt es, um eben diese Sie positiv beeinflussenden Menschen auf Sie aufmerksam zu machen? Welche, um mit ihnen zu inspirierenden Gesprächen und Erlebnissen zu kommen, daraus zu wachsen und die Ziele zu erreichen, die Sie sich gesteckt haben oder noch gar nicht am Horizont sehen?

Um diesen zweiten Schritt – das Wie? – geht es in diesem Artikel. Hier sind zehn Möglichkeiten, die Menschen zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten.

1. Transparenz Ihrer Leidenschaft

Ihre Leidenschaften klar und nach außen kenntlich machen, schafft Sicherheit und lockt auch andere an, die ähnliche Leidenschaften haben.

Eine Leidenschaft für Fußball zu haben, wird Sie zweifelsohne mit anderen Fußballbegeisterten zusammenbringen – ob im Tippbüro, beim Kneipenabend oder im Stadion. Wenn Sie leidenschaftlich gerne kochen und das Ihren Nächsten auch immer wieder sagen (und kochend zeigen), dann wird das die auf Ihre Fährte führen, die ebenso gerne kochen oder dies gerne besser können würden.

2. Transparenz Ihrer Ziele

Nur wenn Sie Ihre Ziele im Blick haben, werden Sie nicht durch Unwegsamkeiten von Ihrem Weg abgebracht und können Ihre Spur wieder aufnehmen. Und wenn Sie diese Ziele auch kenntlich und transparent machen, die Ziele sogar schon leben, werden Sie Gleichgesinnte treffen.

Ist in Ihren Zielen die Leidenschaft aus Punkt 1 enthalten? Wenn ja, wird das verstärkt Menschen anziehen, die ähnliche Ziele haben, die sich Ihnen anschließen werden und gemeinsam mit Ihnen an einem Strang ziehen wollen.

Sollten Ihre Ziele keine Ihrer Leidenschaften fördern oder fordern, dann lassen Sie sich viel Power und Motivation entgehen, denn es sind immer die Leidenschaften in Ihnen, die Sie intrinsisch (also von innen heraus) antreiben und Ihnen Kraft geben.

Hier finden sie Möglichkeiten, Ihre Leidenschaft(en) zu fördern.

3. Loslassen, wer nicht hilfreich ist

Jene Menschen, mit denen Sie die meiste Zeit verbringen, haben einen enormen Einfluss auf Sie und Ihr Verhalten, auf Ihren Charakter, auf Ihr Wesen. Zerstörerische Freunde ziehen Zeit, die für andere, „gute“ Freunde fehlt. Mit zerstörerisch meine ich die Menschen, die sich oft beklagen, die Ihren Zielen negativ gegenüber stehen oder nur gleichgültig. Freunde, die Ihre Ziele kritisch beäugen, sind wichtig, um eine andere Perspektive zu bekommen. Freunde, die nicht konstruktiv kritisch, sondern einfach nur negativ sind, bremsen Sie und bringen nicht nur eine andere Perspektive ein, sondern auch eine andere Grundhaltung dem Leben gegenüber.

Das heißt nicht, dass Sie extrem werden und Freundschaften „kündigen“ müssen. Es soll vielmehr sagen, dass Sie nicht wahllos Zeit zusagen sollten, weil Sie gerade nichts Besseres vorhaben.

Oft hat man Freunde aus intensiven früheren Zeiten, die noch einen hohen Stellenwert haben, eben weil man viel mit Ihnen unternommen hat und verbindet. Dennoch sind diese Menschen nicht gleichzeitig auch heute noch wichtige Wegbegleiter für Sie oder müssen dies sein.

4. Lücke füllen und offen bleiben

Menschen weniger zu treffen, die Ihnen vielleicht einmal wichtig waren, jetzt aber einen anderen Weg eingeschlagen haben, verschafft Ihnen Zeit. Solch eine entstandene „Lücke“ sollte mit etwas für Sie Sinnvollem gefüllt werden, sonst ist es wahrscheinlich, dass es durch etwas eben nicht Sinnvolles aufgefüllt wird.

Als mein Psychologiestudium in Irland zu Ende ging, gab es eine Handvoll Menschen, die mir wirklich ans Herz gewachsen waren. Es gab mindestens zwei Hände voll, mit denen ich gerne Zeit verbrachte, die mir aber nicht wirklich wichtig waren. Genau diese waren es aber, die mich in den letzten Wochen vor meiner Abreise fragten, ob ich nicht in dieses oder jenes Pub mitgehen wolle, oder noch mit ins Kino käme.

Dankbar um ihre Aufmerksamkeit und den Wunsch, Zeit mit mir zu verbringen, sagte ich allen zu und hatte „lückenlose“ Wochen.

Erst später fiel mir auf, wie schade es war, dass ich die mir wirklich wichtigen Menschen nicht von mir aus eingeladen hatte, um mit ihnen Zeit zu verbringen, sondern immer schon verplant war, wenn es von ihrer Seite eine Möglichkeit des Treffens gegeben hätte.

5. der Innere Kreis

Der „Innere Kreis“ sind die Menschen, die Sie bereits zu Ihren wichtigen und engen Freunden zählen. Das kann eine Person sein, vielleicht auch fünf. Es kann die verschiedensten Gründe haben, warum Menschen Ihnen wichtig sind. Vielleicht, weil diese Ihnen gut zuhören oder in der Not helfen. Vielleicht, weil sie sich melden und fragen, wie es Ihnen geht. Vielleicht, weil sie einen Großteil der selben Leidenschaften oder Hobbys teilen, die Sie inne haben.

Fakt ist (und das behaupte ich mit gutem Gewissen, denn sonst wären es nicht Ihre engsten Freunde): Sie fühlen sich nach solchen Treffen häufig belebt, wertgeschätzt, hilfreich (für diese Person z.B.), freudig, manchmal auch berührt oder teilnahmsvoll traurig. Die Male, die Sie wegfahren und denken, dass das jetzt verschwendete Zeit war, sind rar bis nicht vorhanden. Wenn nicht, dann fragen Sie sich bitte, was Ihre besten Freunde zu Ihren besten Freunden macht!

Trotzdem ist es häufig so, dass Sie Ihre Liebsten nur selten sehen?
„Wie lange haben wir uns denn schon nicht mehr gesehen?!“ sagen Sie selbst zu den Menschen, die Ihnen unheimlich wichtig sind?
Warum verbringen Sie mit diesen Menschen selten Zeit? Damit Sie auch weiterhin beweisen können, dass „es trotzdem so ist, als hätten wir uns erst gestern gesehen“ und direkt dort anknüpfen zu können?

Ernste Dinge verschiebe ich alle von heute auf morgen.
–Titus Maccius Plautus (250 – 184 v. Chr.), lateinischer Komödiendichter

Gerade die Menschen, die Sie schon auf Ihrem Weg unterstützen und eine Hilfe sind, sollten Sie häufiger treffen und in den Austausch mit ihnen gehen. Planen Sie Treffen mit Ihren Liebsten frühzeitig!

Es geht – auch bei den folgenden Vorschlägen – nicht darum, so viele Menschen wie möglich kennenzulernen, die Sie dann am Ende nicht bedienen können. Es geht darum, „die richtigen“ zu finden, zu bewahren und ihnen Zeit zu widmen.

6. Wunsch-Treffen

Auch über den Inneren Kreis hinweg wird es zahlreiche hilfreiche Menschen geben, die Sie in Ihrer Entwicklung fördern werden. Nur wissen diese davon noch nichts!

Erstellen Sie eine Wunsch-Liste mit den Menschen darauf, die Sie gerne treffen würden. Fügen Sie ebenfalls die Gründe hinzu, warum gerade diese Menschen.

Wenn Sie nicht wissen, wen Sie treffen möchten, damit er oder sie Sie inspiriert oder bei Ihren Zielen voran bringt, wie sollen Sie diese dann jemals treffen? Zusätzlich bekommen Sie auch eine Ahnung davon, was genau es ist, dass Sie an bestimmten Leuten schätzen und dass Sie fasziniert.

7. Xing und andere Tools

Es gibt tausende von Möglichkeiten, die anzusprechen, die Sie interessant und wichtig für Ihre Ziele finden. Gerade das Internet bietet viele Möglichkeiten, oft niedrige Hürden und wenig Konventionen, die Sie einhalten sollten. Für den beruflichen Bereich haben sich Tools wie Xing für den deutschen Markt etabliert sowie LinkedIn für den internationalen.

Und falls Sie skeptisch sind, hier eine Testfrage: Würden Sie einem Dritten, der über Xing nur durch einen Ihrer guten Freunde mit Ihnen verbunden ist, den Kontakt verwehren, nachdem er gemeinsame Werte und Ziele bei Ihnen beiden entdeckt und das wertschätzend geäußert hat?

Sie müssen ja nicht gleich Blutsbrüder mit diesen Kontakten werden, aber an den gleichen Zielen zu arbeiten, dürfte zumindest nicht schädlich für Sie sein…

Online-Verbindungen herzustellen ist einfacher denn je und kann gleichzeitig intensiv sein und zu weiteren, persönlicheren Verbindungen führen. Versuchen Sie diese virtuellen Verbindungen jedoch so bald als möglich auf ein persönliches Treffen zu steuern.

8. das Orakel befragen

Und mit Orakel meine ich Ihr bestehendes Netzwerk und nicht das von Delphi!Das Orakel von Delphi

Hat Ihnen ein Freund schon einmal gesagt, dass Sie unbedingt xyz treffen sollten, weil Sie sich mit dem bestimmt super verstünden? Warum solch eine verbindende Situation nicht aktiv herstellen?

Was glauben Sie, wie viele Menschen Sie durch diese „Referenz“ von Freunden oder Bekannten kennenlernen, die ähnlich ticken wie Sie? Und auch, wenn Sie nicht die Zeit haben (wollen), sich um alle jene zu kümmern – manchmal reicht nur ein Impuls eines solcher Menschen, um Ihr Weltbild zu verändern!

So könnte das beispielsweise aussehen: „Danke für das schöne Treffen gestern, Pete! Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, mich so ausgiebig mit dir auszutauschen! Jetzt bin ich natürlich neugierig, wen du noch so kennst, der sich mit dem Thema Hallenhalma so gut auskennt. Hast du vielleicht einen Namen oder Xing-Kontakt für mich und kannst uns vorstellen? Vielleicht hat derjenige ja Lust und Zeit, sich mit mir mal bei einem Essen über das Thema zu unterhalten!“

9. Ihre Stärken nutzen, um anderen zu helfen

Mit meinem Lieblingsthema, dem Stärken-Stärken, werden Sie so schnell und nachhaltig Verbindungen mit anderen knüpfen wie mit kaum einer anderen Methode. Jeder kann anderen etwas anbieten, das er gut kann und gerne macht und das anderen fehlt oder schwer fällt. Und es ist nicht nur eine schöne Art, Ihre Stärken zu trainieren, sondern ist ein tolles, natürliches und authentisches Gefühl!

Jetzt gilt es nur noch, Ihre Stärken herauszufinden!

10. sich zeigen

Der letzte Punkt ist – wie so oft – der wichtigste. Wenn Sie den Gedanken haben, diese oder jene Person gerne einmal kennenzulernen, Emails ausformulieren, bei Xing Nachrichten vorschreiben und am Ende den Senden-Knopf doch nicht drücken, wird nicht viel passieren. Die Welt wird weiterhin in ihrer gewohnten und sicheren Bahn verlaufen. Sie werden weiterhin Ihre regelmäßigen Routinen verfolgen. Sie werden auch weiterhin zufällig neue Menschen kennenlernen.

Aber werden Sie das Gefühl haben, Ihr volles Potential zu nutzen?

Werden Sie sich mit Menschen umgeben, die kritisch für Ihren Erfolg sind (wie auch immer Sie Erfolg für sich definieren!)?

Werden Sie Ihre Möglichkeiten nutzen, andere zu finden, die gut für Sie sind?

Werden Sie anderen Menschen Leidenschaft zeigen und durch andere in sich noch mehr Leidenschaft entfachen, Unterstützung bekommen, wachsen?

Tja… ich werde es wahrscheinlich nie erfahren.
Sie schon.

Und zwar bald, habe ich das Gefühl…

 

Literatur

Kasser, T., & Sheldon, K. M. (2008). Time Affluence as a Path toward Personal Happiness and Ethical Business Practice: Empirical Evidence from Four Studies. Journal of Business Ethics, 84(S2), 243–255.

Fotos: Freeimages.com und Freeimages.com

Wege zu den „guten“ Menschen

von Michael Tomoff Lesezeit: 8 min
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