Lebenskünstler:innen lohnen einen genauen Blick: Wie gestalten sie ihre Lebenskunst, und was können wir von ihnen lernen? Dieser Artikel ist die Lupe.
Dieser geschätzte Gastbeitrag hat seinen Ursprung in einer Studienarbeit und ist von Alina Stöver!
Was ist Lebenskunst überhaupt?
Denken wir an Lebenskünstler:innen, kommen uns häufig Bilder von Hippies, Aussteiger:innen, barfußlaufenden Veganer:innen oder Künstler:innen in den Kopf. Lebenskunst ist jedoch mehr als das – sie ist auch ein Konzept in der Psychologie. Dort wird sie als ein ganzheitlicher Weg zu Glück und Wohlbefinden verstanden.
Lebenskünstler:innen sind demnach Menschen mit einer „bewussten, reflektierten, aktiven und gewählten Lebensführung“.
Über die Studie
Was macht diese Lebenskünstler:innen eigentlich aus und was können wir von ihnen lernen?
In unserer Studie zur Lebenskunst sind wir dieser Frage auf den Grund gegangen. Dafür haben wir fast 40 Personen getroffen, die von anderen zuvor als Lebenskünstler:innen nominiert worden waren. In sehr persönlichen Interviews haben wir sie gefragt, welche Einstellungen und Strategien ihnen zu Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit verhelfen.
5 Dinge, die wir von Lebenskünstler:innen über Lebenskunst lernen können
1. Soziale Beziehungen intensiv leben
Für Lebenskünstler:innen sind Freunde und Familie essentieller Teil ihres Lebensglücks. So suchen sie sich gezielt ein Umfeld, das ihnen guttut und stärken bewusst ihre sozialen Beziehungen.
Praxistipp: Auch du kannst deine sozialen Beziehungen stärken, indem du deinen Blick auf die Ressourcen deiner Mitmenschen lenkst. Was schätzt du an der Person besonders? Was zeichnet die Person aus? Welche Stärken und Talente hat sie? Erzähl deinem Gegenüber, was du an ihm/ihr entdeckt hast.
2. Offen sein für neue Erfahrungen
Offen sein ist für viele Lebenskünstler:innen sehr bedeutsam. So schauen sie auch mal nach rechts und links und trauen sich neue Wege einzuschlagen. Die Offenheit zeigt sich sowohl in der Wahl des Lebensweges als auch in der Begegnung mit Menschen. Einer Lebenskünstlerin hilft ihre ehrliche Neugierde, offen zu bleiben. Diese schaut sie sich am liebsten von Kindern ab, die der Welt oft ohne Vorurteile begegnen.
Praxistipp: Offenheit und Flexibilität kannst du trainieren, indem du Gewohnheiten durchbrichst. Wähl dazu eine Tätigkeit, der du regelmäßig nachgehst. Wie sieht diese Tätigkeit gewöhnlich aus? Wie könntest du die Tätigkeit stattdessen gestalten? Verwende z.B. mal die linke statt die rechte Hand zum Zähneputzen oder nimm einen neuen Weg zur Arbeit.
3. Sich selbst kennen
Lebenskünstler:innen setzen sich mit ihren Werten, Wünschen und Zielen auseinander, kennen ihre Bedürfnisse und handeln danach. Einer der Lebenskünstler nimmt sich immer am Ende des Jahres bewusst Zeit, um über das Jahr zu reflektieren und Ziele für das kommende Jahr zu setzen.
Praxistipp: Nimm dir selbst eine kleine Auszeit, um das Jahr Revue passieren zu lassen und einen Ausblick in das neue Jahr zu wagen. Folgende Fragen kannst du dir selbst zur Reflexion stellen:
- Was war das allerbeste, das mir in diesem Jahr passiert ist?
- Was war meine größte Herausforderung?
- Was habe ich gelernt?
- Welche Menschen haben mich in diesem Jahr begleitet?
- Wähl 3 Worte, die das Jahr für dich am besten charakterisieren.
4. Den schönen Dingen im Leben Beachtung schenken (Positive Lebenseinstellung)
Lebenskünstler:innen schenken den kleinen Dingen im Alltag, die sie als schön betrachten, Aufmerksamkeit. Eine der Lebenskünstlerinnen nimmt sich bewusst jeden Tag Zeit, über die Dinge und Erlebnisse nachzudenken, für die sie an diesem Tag dankbar ist.
Praxistipp: Führ ein Dankbarkeitstagebuch, in dem du täglich 3 Dinge notierst, für die du an diesem Tag dankbar bist.
5. Bewusst leben
Lebenskünstler:innen sind achtsam, leben im Hier und Jetzt und besitzen die Fähigkeit zu genießen.
Ein Lebenskünstler beschreibt, wie er beim Essen wirklich versucht zu essen, statt dabei zu lesen, SMS zu schreiben, zu plaudern oder fernzusehen. So nimmt er die Beschaffenheit des Essens, den Geschmack der einzelnen Komponenten seiner Speise und das Kauen ganz genau wahr.
Praxistipp: Wähl ein Lebensmittel, das du gerne magst (ein Stück Schokolade, Obst, eine Tasse Kaffee). Schau dir das Genussobjekt genau an: Wie sieht es aus? Entdeckst du etwas Neues? Wie riecht es? Wie fühlt es sich an? Nimm das Lebensmittel in den Mund: Wie ist die Konsistenz? Wie schmeckt es? Kannst du eine Veränderung im Geschmack wahrnehmen? Wie war es für dich, ein Lebensmittel so bewusst zu genießen?
Fazit
Einige Lebenskünstler:innen, die wir getroffen haben, entsprechen wirklich dem Bild des Hippies, Aussteigers oder Künstlers. Häufig sind Lebenskünstler:innen jedoch einfach Menschen wie du und ich. Was sie vereint: Sie gehen ihren ganz persönlichen Lebensweg, kennen sich selbst und ihre Bedürfnisse gut und strahlen eine große Zufriedenheit aus. Wir können viel von ihnen lernen und sollten sie als Vorbilder nehmen für unseren eigenen Weg zu einem erfüllten Leben. In einem sind sich die Lebenskünstler:innen einig: Lebenskunst kann jede:r lernen!

