Die überall auftauchende und trotzdem so schwer auszusprechende und auszuführende Authentizität kann durch eine Lehre aus der Kinderbuchreihe „Pu der Bär“ von A.A. Milne wunderschön und kurz erklärt werden. Und vielleicht geht es Ihnen ja bei der Suche nach Ihrer eigenen Authentizität ähnlich wie Tieger. Ich hoffe es zumindest.

Tieger (engl. Tigger), einer der freundlichsten und nettesten Charaktere der Bande, erlebte hierbei eine lehrreiche und zugleich grausame Episode mit seinen Freunden.

Wer will schon ungestüm?

Alle Freunde von Pu der Bär wissen, dass Tiegers Energie unerschöpflich zu sein scheint. Das bringt ihn – wie auch viele Menschen, die diese Eigenschaft teilen – manchmal in Schwierigkeiten. So auch in der Geschichte „Tieger soll gestüm gemacht werden“ (engl. Tigger is unbounced).

Kaninchen, Ferkel und Pu diskutieren darin, dass Tieger zu „bouncy“ ist, was die Freunde sowohl auf das ständige Hüpfen, wie auch auf Tiegers aufgedrehte, lebhafte Art beziehen. Die drei mögen ihren Freund zwar sehr, aber ihnen wäre es lieber, wenn er etwas weniger aufgedreht hüpfen würde. Stattdessen solle er sich etwas demütiger und ruhiger verhalten.

Kaninchen ist besonders genervt. Tieger hat die schlechte Eigenschaft, ständig auf Kaninchen herumzuhüpfen, weshalb er entscheidet, Tieger eine Lektion zu erteilen.

Alleine im Wald

Kaninchen, Ferkel und Pu wollen ihn mit auf eine lange Erkundungstour in den Wald nehmen. Dort wollen sie ihren Freund Tieger dann absichtlich verlassen, so dass er dort die Nacht allein und verloren im Wald verbringen würde. Die Freunde sind voller Hoffnung, dass Tieger am nächsten Tag demütig, traurig und klein zurückkommen wird. Er würde seine Fröhlichkeit am Ende schon wiedergewinnen, aber hoffentlich nicht mehr so „bouncy“, so aufgedreht, so sprunghaft sein.

Glücklicherweise passiert alles anders als erwartet. In ihrem Bemühen, Tieger zu verlieren, sind es tatsächlich Kaninchen, Ferkel und Pu, die verloren gehen. Tieger findet ohne Probleme nach Hause, kehrt aber aufgrund des Fehlens seiner Freunde um und findet schließlich Kaninchen – nun selbst klein und demütig. Dieser sieht seinen aufgedrehten Freund nun in einem ganz anderen Licht.

Authentizität zum Abgewöhnen

Kaninchen hatte versucht, Tieger zu ändern – mit der Erkenntnis, dass er nicht geändert werden muss.
Tieger ist perfekt.
Und zwar genau so wie er ist: großartig, freundlich und auch aufgedreht und „bouncy“.
Eben genau so wie er auch sein sollte.

Auch wir wünschen uns häufig, andere würden sich in einer bestimmten Art und Weise verändern. Wir versuchen aber nicht nur, spezifische Angewohnheiten oder Persönlichkeitseigenschaften der anderen zu ändern.

Wir versuchen dies in vielen Fällen auch bei uns selbst.

Dabei realisieren wir oft nicht, dass sich auf der Rückseite dieser vermeintlich negativen Eigenschaft eine Qualität befindet, die wir und andere an uns lieben. Ohne diese eine würde die andere nicht existieren.

Ein Beispiel: Es macht uns verrückt, dass ein Freund oft zu spät kommt. Aber wir bewundern seine tiefe Hingabe und Leidenschaft zu seiner Arbeit, was wiederum häufig der Grund für sein Zuspätkommen ist.

In Tieger sehen wir jemanden, der nicht anders kann, als voll und ganz er selbst zu sein – ohne Ausrede oder Entschuldigung und nun einmal maximal „bouncy“. Ohne sein energetisches Hüpfen und seine aufgedrehte Art wäre er nicht so freundlich und kompetent.

Humor ist manchmal unangenehm

Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, allein im Wald zu stehen. Eine meine (heute glücklicherweise als solche erkannte) Stärken ist der Humor. Nicht immer habe ich früher den richtigen Ton getroffen. Ich war an Stellen unsensibel, an denen Professionalität gefordert war. Ich sprach aus, was ich dachte, anstelle die Klappe zu halten und Demut oder Zurückhaltung zu üben. Kollegen rieten mir, mich an das Skript zu halten – insbesondere bei und vor Kunden!

Dann kamen zu den Tritten in die zahlreichen Fettnäpfchen auch Verbundenheit zu einzelnen Menschen, die meinen Humor schätzten. Es gab schöne Momente mit jenen, die meine damit verbundene Offenheit und Leichtigkeit mochten. Es gab neue Möglichkeiten, Kritik auf eine verträgliche Art zu platzieren und somit mehr Ehrlichkeit zu üben. Kurzum: es kam immer häufiger vor, dass ich das, was ich sowieso nicht unterdrücken zu können schien, immer besser anzubringen und zu nutzen lernte.

Hätte mein Chef mir damals in einem seiner Feedbacks nicht gesagt, ich solle so bleiben wie ich bin, so lange damit kein Schaden angerichtet werde – ich hätte mich wahrscheinlich verbiegen und enthumorisieren lassen…

Niemand ist mehr du als du

Wir sollten uns davon inspirieren lassen, unseren eigenen „bounce“ zu leben. Also das, was wir oder andere vielleicht zuerst als etwas Negatives abstempeln würden.
Wir sollten unsere Gesamtheit feiern, lernen uns so akzeptieren, wie wir wirklich sind – eben authentisch sein.

Oder, wie es ein anderer gefeierter Kinderbuchautor so schön schrieb:

Today you are you, that is truer than true. There is nothing alive, that is youer than you.
Dr. Seuss (aus Happy Birthday to You!)

Wann haben Sie Mut zur Authentizität gehabt und Ja zu sich selbst gesagt? War das ein Fehler oder hat es Ihnen geholfen, mehr zu Ihrem wirklichen Ich zu finden?

Lies auch in dieser Blogparade von Jana Ritzen, wie das andere Menschen geschafft haben und es ihr Leben zum Positiven verändert hat.

 

 

Zusammenfassung
Authentizität wie bei Tieger
Artikelname
Authentizität wie bei Tieger
Beschreibung
Wie Tieger seine Authentizität bewahrt und seinen Freunden zeigt, wie wichtig es ist, sich treu zu bleiben. Eine kleine Lehre mit großer Wirkung. Für dich, für mich, für alle.
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Was Wäre Wenn - Positive Psychologie und Coaching
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