Nein sagen lernen und Grenzen setzen sind im Leben zwei der wichtigsten und gleichzeitig schwierigsten Dinge. Auf Abstand zu gehen und gegenüber anderen Menschen Grenzen zu setzen (z.B. in der Partnerschaft) scheint für viele von uns oft eine unüberwindbare Hürde zu sein.

Verstehen Sie mich nicht falsch: dies ist kein Artikel, der Ihnen die positive Einstellung zum Leben, dem Ja-Sagen zu Ihren Bedürfnissen oder dem Unterstützen verrückter Ideen ausreden wird.

Offen zu sein für neue Wege. Selbst gemachte Fehler als Umwege auf dem Weg zu erhöhter Ortskenntnis zu sehen – das finde ich erstrebenswert.

Gefühl von Grenze darf nicht heißen: hier bist du zu Ende, sondern: hier hast du noch zu wachsen.
–Emil Gött

Nein sagen bedeutet Ja sagen zu anderen Dingen

Vielmehr geht es hier um das Ja-Sagen, was am Ende des Tages zu mehr Arbeit und doch weniger Zufriedenheit führt. Dem Ja-Sagen zu fremden, für einen nicht wichtigen Dingen. Jedes JA, das wir einem anderen zu einer unwichtigen Sache geben, das in einer zu erledigenden Aufgabe mündet – ist ein NEIN zu den wichtigen Aufgaben, die man für sich selbst hat.

Oder auch nicht hat.
Aber dazu komme ich später.

Dass andere Menschen wichtig für das Wohlbefinden sind, wurde an anderer Stelle erklärt. Es gibt Gelegenheiten, nach denen wir uns darüber ärgern, einem Kollegen oder Freund zugesagt zu haben, was wir nicht machen wollten, vielleicht gar nicht machen können. Zeitlich oder aufgrund unserer Fähigkeiten.

Die Bedenken, von diesen Menschen abgelehnt zu werden, sind nachvollziehbar. Trotzdem: die Dosis macht das Gift, wie Paracelsius wusste. Und so kann der unbewusste Drang, anderen gefallen zu wollen und die Angewohnheit, schlecht nein sagen zu können, eine große Anzahl negativer Auswirkungen haben.

Tote Cola – keine prickelnde Erfahrung

Bis zum heutigen Tage habe ich selbst z.B. wenig Lust, auch nach etwas Bedenkzeit eine „tote Cola“ (also eine ohne nennenswerten Anteil Kohlensäure) wieder zurück zu geben, obwohl sie mir so nicht schmeckt.

Jetzt mal ernst: Ein typischer people pleaser Move, oder?

Die Bedienung nehme ich gedanklich in Schutz, denn sie hat mir bestimmt nicht absichtlich solch eine Cola vor die Nase gestellt. Eigentlich habe ich auch keinen wirklich großen Durst und auch eine schlappe Cola wird diesen dann durchaus löschen können.

Kurz: Ich sage also JA zu dieser miesen Cola und bin sehr kreativ mit Versuchen, mir diesen Wesenszug an mir schön zu reden.
Und damit mein Bedürfnis nach Genuss zu missachten, aber das Bestreben nach Harmonie zu priorisieren.

Gründe, warum wir keine Grenzen setzen

Was treibt uns dazu, oft JA anstatt einfach mal nein aus dem Mund fallen zu lassen?
Warum fällt es uns so schwer, früher in den Widerstand zu gehen?

  • ein höheres Sicherheitsbedürfnis
  • ein niedriges Selbstwertgefühl oder sehr wenig Selbstliebe
  • das Gefühl, gebraucht zu werden (gegenüber der Angst, nach dem Nein-Sagen abgelehnt zu werden)
  • Sie haben keine klare Haltung und Ihre Werte nicht auf dem Schirm
  • der Bedarf nach Bestätigung
  • der Drang zu zeigen, dass man sich auf Sie verlassen kann
  • die Sehnsucht, zu helfen (sind Sie häufig Retter oder Retterin Ihrer Umwelt?!)
  • das Verlangen, dazu zu gehören und nicht von „der Gruppe“ abgeschnitten oder ausgestoßen zu werden und damit etwas zu verpassen (hier gibt es 5 Lösungen gegen FOMO)
  • einen „gut“ zu haben
  • gerade keine Kapazitäten, jemandem eine Absage zu erteilen und sich abzugrenzen von Langeweile, Sinnlosigkeit und Oberflächlichkeiten (und 10 weitere Dinge, zu denen Sie nein sagen sollten…)
  • (vermeintlich) Zeit und Energie zu sparen
  • gerade keine passende Formulierung für ein Nein zu haben – da ist ja zu sagen natürlich wesentlich kürzer…
  • gute Manieren zu zeigen (schon mal fälschlicherweise zum Nachschlag genickt?)
  • die Angewohnheit, niemanden vor den Kopf zu stoßen, sondern die Harmonie aufrecht zu erhalten mit Notlügen oder dem Ignorieren der eigenen Grenzen
  • nicht als egoistisch, herzlos, egozentrisch, faul oder gar gleichgültig zu gelten und nicht zuletzt…
  • der Wunsch, ohne Schuldgefühle durch den Tag zu gehen (hier ein paar Tipps, wie Sie besser „Es tut mir leid!“ sagen können)

Eine der negativen Auswirkungen vom Ja-Sagen ist, anderen Menschen generell mehr Priorität zuzuwenden als sich.
Das Gegenteil davon zu machen, hat nichts mit Egoismus zu tun.
Es ist vielmehr die Sorge um sich. Die Basis, auf sich Acht zu geben.

Und damit legen Sie eine Basis von Selbstachtung, die überhaupt erst ermöglicht, sich die eigene Bedürfnisse anzuschauen und dann auch wieder für andere da zu sein.

Menschen, die anderen gefallen wollen, dürsten nicht selten nach Bestätigung von außen. Ihr Sicherheitsgefühl und ihr Selbstbewusstsein entstehen hauptsächlich aus Bestätigung und Zustimmung von anderen. Im Kern ist es wahrscheinlich, dass diesen Menschen das Vertrauen in sich und ihre Fähigkeiten fehlt.

Aus diesem Grund ist die Sorge um die Meinung anderer, die Angst vor Missbilligung, vor Ablehnung groß. Und dem Erwartungsdruck, dem Sie sich durch diese negativen Gedanken aussetzen, kommt dem gleich.

Nicht nur laufen Sie Gefahr, viel mehr zu tun und Ihre Kräfte an der falschen Stelle einzusetzen. Auch die Früchte Ihrer Arbeit werden voraussichtlich ebenso wenig Ihren Erwartungen entsprechen.

Bevor es so weit kommt, stelle ich Ihnen hier ein paar Möglichkeiten vor, wie sie zu diesen Aufgaben nein sagen und dessen ungeachtet ein gutes Gewissen haben können und nicht zum unbeliebten Außenseiter werden müssen.

Und wenn Sie dann noch Lust haben, schauen Sie doch mal, welche 10 Dinge ebenfalls ein Nein verdienen!

Durch die Wand im Kopf.
–Manfred Hinrich

1. Machen Sie sich klar, dass Sie die Wahl haben

Kein Roboter sitzt in unserem Kopf. Kein grüner Kobold spielt mit unseren Stimmbändern. Und den meisten von uns sagen keine inneren Stimmen, was wir zu tun haben. Sie haben die Wahl, wenn Sie jemand um Hilfe bittet.

2. Setzen Sie Prioritäten

Dieser Satz zieht sich nicht nur durch den gesamten Blog, sondern ebenfalls durch das Leben eines jeden Menschen.

Wenn Sie wissen, was Sie wollen und Ihre Prioritäten kennen, Ihre Werte bewusst im Kopf haben und sich sicher sind, für was Sie stehen und für was nicht, dann hilft Ihnen das gewaltig beim Abgrenzen.

Schuldgefühle werden geringer, wenn Sie an Aktivitäten festhalten, die Sie für wichtig und bedeutungsvoll halten.

Dazu hier die Frage der Fragen: Was ist Ihnen wichtig?

Denken Sie daran:
Oft ist ein Nein ein Ja zu etwas anderem. Und sei es zur infolgedessen gewonnenen Zeit.

3. Überlegen Sie, wem Sie Ihre Zeit schenken wollen

Gleich nach der Frage nach dem Was? kommt die Frage, wem Sie Ihre Zeit schenken wollen.

Ist es der Chef? Oder der alte Schulfreund, der im Land ist und um die Häuser ziehen will?
Ihre nicht ewig lebenden Eltern?
Möglicherweise Ihr Sohn, der Sie gerne um 9 Uhr morgens bei seinem Fußballspiel dabei hätte?

4. Verzögern Sie die Antwort – das temporäre Nein

Überrumpelt zu werden, ist zumindest meine größte Schwäche im Bereich des Nein-Sagens. Kurz nach meiner Antwort ärgere ich mich und denke: „Es wäre völlig in Ordnung gewesen, noch darüber nachzudenken.“

Folgende Fragen zu stellen, bietet sich an, bevor Sie antworten:

  • Habe ich die Zeit, das zusätzlich zu tun?
  • Was fällt dafür hinten runter?
  • Unter wie viel Druck setze ich mich damit?
  • Bin ich danach sauer auf die Person, die mich gefragt hat, weil das Nein nicht zu meinen Stärken zählt?

Benötigt die Person eine sofortige Antwort, ist es besser, wenn die Standardantwort zuerst Nein ist. Das können Sie später einfacher ändern als ein Ja.

5. Setzen Sie ein Zeitlimit – ein Teil-Nein ist ein guter Anfang

Wenn es dann die Umzugshilfe ist, setzen Sie einen Zeitrahmen, damit Sie sich erstens noch etwas Gutes gönnen können, nachdem die Arbeit geschafft ist und sich zweitens nicht ausgenutzt fühlen. Wenn sich jemand beschwert, dass Sie „nur“ von 12-14 Uhr können, wird Ihnen das Voll-Nein wesentlich leichter fallen.

6. Kommunizieren Sie Grenzen. Und bleiben Sie dabei.

Nicht nur zeitliche Ressourcen sind begrenzt, sondern ebenfalls die emotionalen und physischen. Kräfte versiegen. Und das macht auf Dauer unzufrieden. Und krank.

Geben Sie klar an, was Sie bereit sind zu tun (und bis wann) und kommunizieren Sie das. Das macht es für jeden leichter, sich darauf einzustellen. Und je klarer Sie die Grenzen ziehen, desto einfacher ist es, sein versprochenes Engagement einzuhalten und – wenn das passieren sollte – dem Gegenüber zu sagen, dass er Grenzen überschritten hat.

Gutes tun zu wollen (z.B. einer guten Freundin bei ihren Problemen zuzuhören und sie ab und an zu trösten), aber in ein Ungleichgewicht zu rutschen, führt ebenfalls zu negativen Gefühlen und Gedanken. Lieber ein früher Stop als ein Aufstauen und Explodieren.

Indirekte Wege, Grenzen zu setzen, sind z.B. ein unbeantworteter Anruf, obwohl man ihn hätte entgegen nehmen können. Nach dem Abhören der Mailbox können Sie noch reagieren und auch später dem Anrufer sagen, dass sie um diese Zeit generell eher schlecht zu erreichen sind und besser um eine andere konkrete.

Für viele ist ein Nein keine Frage der Zeit, sondern der Zugehörigkeit.
Was, wenn ich die anderen damit vor den Kopf stoße?
Was, wenn mein Rückzug als Ablehnung gelesen wird?

Eine Coachee von mir hat für sich einen Weg gefunden, genau das zu adressieren – ohne sich zu verbiegen.

Sie arbeitete in einer 80%-Stelle.
Doch wie so oft: Das Gehalt war reduziert, die Erwartungen blieben gleich.
Also schrieb sie zu Jahresbeginn eine E-Mail an ihr Team.

Klar, wertschätzend, vorausschauend.

Darin erklärte sie, dass sie in diesem Jahr bewusster auf ihre Arbeitszeit achten wolle.
Dass sie häufiger „Nein sagen“ werde – um ihr Pensum nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis auf 80 % zu bringen.

Sie schrieb, dass dieser Schritt wahrscheinlich nicht immer einfach für sie werden würde.
Und dass es möglich sei, dass ihr Nein bei anderen Irritation auslöse – offen oder still.
Gerade deshalb wolle sie ihre Entscheidung transparent machen.

Ihr letzter Satz war sinngemäß:
„Wenn sich jemand durch mein Nein unkollegial behandelt fühlt – bitte sprecht mich an. Ich möchte, dass wir klar und ehrlich miteinander bleiben.“

Nicht laut. Nicht konfrontativ.
Aber mutig.
Und eine Einladung zu ehrlicher Zusammenarbeit.

7. Machen Sie ein Gegenangebot

Eventuell passt Ihnen einen Teil der Aufgabe nicht, um dessen Erledigung Sie jemand bittet. Machen Sie einen Gegenvorschlag. Entweder in Form einer anderer Handlung oder dem Teil, den Sie an der Aufgabe mögen. Vielleicht schreiben Sie ungerne Gutachten, haben aber mit dem Korrekturlesen gar keine Schwierigkeiten. Sie zeigen damit Interesse, ziehen aber gleichzeitig eine Grenze.

8. Widerstehen Sie dem Lob oder: wenn andere Ihnen Honig um’s Maul schmieren

Sätze wie „Du kennst dich doch immer so gut mit ___ aus! Könntest du das noch mal für mich machen?“ sind erste Anzeichen, dass jemand sich nicht die Mühe macht, schlauer zu werden, sondern Sie ausnutzt. Honig um’s Maul geschmiert zu bekommen, tut gut, ist aber gefährlich. Jeder von uns braucht schließlich Anerkennung und Wertschätzung.

Eine gute Antwort wäre „Und du backst tolle Kuchen! Könntest du mir dafür einen zur Stärkung machen? Dann repariere ich gerne ein letztes Mal (Grenze!) deinen ___.“ Oder – im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe – Sie schreiben demjenigen auf, wie das, was er möchte, funktioniert. Oder Sie lassen es eine abgeänderte Google-Suchmaschine für Sie tun.

9. Visuelle Helfer erleichtern die Erinnerung

Wenn Sie – wie viele Menschen – ein visueller Typ sind, helfen bildliche Erinnerungen: „Nein!“ wäre ein zwar plattes, nichts desto trotz starkes Schildchen, das an Ihrem Monitor klebt und daran erinnert, welche Fähigkeit Sie gerade aufbauen.

Und wenn eine Kollegin Sie nach dem Post-It am Bildschirm befragt, können Sie schön den Spannungsbogen aufbauen:
„Das wirst du noch früh genug erfahren!“…

10. Kleine Schritte bringen das Ziel näher

Anfangs wird einem noch flau im Magen, wenn man das Nein über die Lippen bringt.

Die Erinnerung an die guten Gründe für eine (partielle) Absage, nämlich die eigenen Prioritäten, macht es einfacher. Die Gewohnheit tut es ebenfalls. Und bald haben Sie nicht nur mehr Zeit für sich, sondern für jene, denen Sie ein Ja geben wollen.

Jede Gewohnheit, jede Fähigkeit fängt klein an und wird dann mit Babyschritten auf- und ausgebaut. Es ist wie das Vokabellernen für eine Fremdsprache: aus Wörtern werden Sätze und bald können Sie sich wunderbar verständlich machen.

Sagen Sie vielleicht anfangs erst einmal „Dazu kann ich gerade noch nicht Ja sagen„, anstatt gleich ein klares Nein rauszuhauen…

11. Überlegen Sie, ob die Sache es wert ist

Sie möchten Ihre Ziele erreichen und investieren Sie Energie und Zeit. Wenn Sie etwas für andere erledigen, ist die Frage „Ist es das wert?“ essentiell. Ist die Sache es wert, zu Hause Stress zu haben (die Kinder sind schon im Bett; der Partner ärgert sich; man ärgert sich über sich, weil man sich anderes vorgenommen hat…)?

Es geht hierbei weniger um das Aufwiegen von Gefallen und darüber nachzudenken, ob man etwas zurück bekommt. Diese Denkweise ist selten förderlich und auch langfristig nicht gut. Es geht vielmehr darum, mit sich im Reinen zu sein und zu bleiben.

12. Beten Sie keine Entschuldigungen runter

Das macht Ihre Position schwach. Je mehr Entschuldigungen Sie hervor bringen, desto mehr Angriffsfläche geben Sie Ihrem Gegenüber für erneute Versuche und Bitten. Es ist seltsam, aber oft ist der simple Satz „Ich möchte lieber nicht“ stärker als jeder gut gemeinte Grund (siehe Moby Dick-Nachfolger „Bartleby der Schreiber“ von Herman Melville). Und er ist wesentlich einfacher zu behalten als all die Ausreden, die Sie sich noch ausdenken müssen…

13. Die 3x-ärgern-Regel – Grenzen setzen mit Vorbereitung

Bei dieser schönen Regel geht es um das Dazwischengehen.

Dazu ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, Sie ärgern sich über etwas oder jemanden (z.B. einen Zugfahrer, der im Abteil laut telefoniert oder Musik hört). Dann darüber, dass Sie nichts gesagt haben. Den Rest der Zugfahrt verbringen Sie damit, sich sowohl über sich und den Telefonierenden aufzuregen. Ungute Aussichten.

Wie wäre es, wenn Sie sich vornehmen, von nun an dann etwas zu sagen, nachdem Sie sich das dritte Mal über etwas geärgert haben. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, darüber nachzudenken, ob ein lautes „Nein“ es wert ist und ebenfalls, wie Sie es formulieren werden.

14. Es ist nie so schlimm wie Sie denken

Man hat ja schon mal die wildesten Fantasien darüber, was andere über einen denken könnten, wenn man ihren Wünschen nicht nachkommt. „Oh, der ist ja faul, egoistisch oder hat kein Herz!“ Und dann kommt das große Ignorieren, das Abtauchen in die Freundschafts-Nirwana – bis hin zum ultimativen Freundschafts-Abo-Kündigungs-Button. Wer hätte gedacht, dass man für ein einfaches Nein gleich eine ganze Drama-Serie inszenieren kann?

Tauschen Sie gedanklich die Seiten: Was denken Sie über Menschen, die Ihnen ein klares „Ich möchte lieber nicht.“ entgegen bringen? Zuerst sind Sie möglicherweise gekränkt, vielleicht sogar sauer. Aber am Ende bewundern Sie die Stärke, nein sagen zu können.

Andere denken in diesen Situationen nicht so oft über uns nach, wie wir das annehmen. Sondern eher an die nächste Person, die sie fragen können. Gerade eine richtige Freundschaft sollte das eine oder andere aushalten. Und wenn Sie Ihrem Freund nie helfen wollen, dann ist auch diese Freundschaft nicht auf festen Grundpfeilern gebaut.

Denken Sie mal darüber nach:

  • Sie sind mit einem Nein nicht egoistischer als Ihr Gegenüber, der Ihre Hilfe erbittet.
  • Wenn derjenige Sie ausschließlich dann liebt, wenn Sie ihm helfen, ist das ein hoher Preis (siehe Punkt 11).

15. Erkennen Sie Ihre Erfolge – belegte Brötchen, mein erster kleiner Sieg!

Anfangs werden Sie vermutlich vor allem das sehen, was Ihnen nicht gelungen ist.
Weil verlorene Zeit sich lauter anfühlt als gewonnene Klarheit.
Weil wir Fehler markieren – aber Fortschritte übersehen.

Aber genau darum:
Lernen Sie, die kleinen Siege zu feiern.
Auch die ganz leisen.
Auch die mit Käse und Salatblatt.

Ich erinnere mich an einen Mittag in einem Hotel.
Durchführung eines weiteren Assessment Centers: viele Übungen, enge Zeit, großer Hunger.
Uns waren belegte Brötchen versprochen worden – nichts Großes, aber nach Stunden der Gespräche Gold wert.

Die Brötchen kamen nicht.
Ich war kurz davor, es einfach abzuhaken. War ja klar. Wieder nichts.
Doch dann: Ich stand auf.
Ich suchte die Dame, die sie uns die Brötchen angekündigt hatte.

Früher hätte ich gelächelt, irgendwas Nettes gesagt.
„Kein Ding, passiert selbst den Besten unter uns“ – um sie nicht in Verlegenheit zu bringen.
Diesmal war ich ehrlich.
Ich sagte:
„Woran lag’s, dass sie Brötchen noch nicht da sind?“

Ein kleiner Satz. Kein Vorwurf. Kein Drama.
Nur ein ehrliches „Ich hab’s bemerkt“ – ohne meine Bedürfnisse zu verschlucken.

Sie wirkte überrascht, stammelte etwas von Azubis und Stress.
Ich nickte nur.
„Ok, wir freuen uns auf die Brötchen.“

Und siehe da:
Zehn Minuten später kam sie mit einem Tablett zurück.
Die Brötchen waren da. Für meinen Kollegen. Für mich.
Ich aß. Und staunte ein bisschen über mich selbst.

Am nächsten Tag:
Die Brötchen kamen früher. Und doppelt so viele.
Und ich? Hatte das Gefühl, gesehen worden zu sein – ohne jemanden verletzt zu haben.

Ein Satz. Ein Schritt.
Aber der Anfang davon, meine Stimme zu benutzen.
Nicht laut. Aber klar.

16. Halten Sie diese Erfolge fest

Sind Sie jemand, der gerne unter den Scheffel stellt, was Sie erreicht haben?

Sie werden sich wundern, denn viele Menschen und besonders Frauen tendieren dazu, ihre Erfolge als unverdient anzusehen, sich sogar als Hochstaplerin zu fühlen mit der Angst vor dem baldigen Auffliegen (siehe Impostor-Syndrom).

Um diesem Effekt entgegen zu wirken, bietet sich ein Erfolgstagebuch an. Komplimente, Lob, schöne Emails, kleine und große Erfolge: schreiben Sie’s auf! Und wenn Sie es nicht tun, bitten Sie Ihre Partner:in oder eine Freund:in, dem/der Sie öfter von solchen Dingen erzählen, bevor Sie sie in den Tiefen Ihres Unterbewussten begraben.

17. Dienen Sie Ihrem eigenen Leben – oder Sie werden dem eines anderen dienen

Autor und Motivationsikone Jim Rohn sagte

If you don’t design your own life plan, chances are you’ll fall into someone else’s plan. And guess what they have planned for you? Not much.

Damit schließe ich, womit ich begann: mit der Notwendigkeit, sich darüber im Klaren zu sein, was Sie wollen. Wenn Sie das wissen, dann wird alles andere zwangsläufig in die zwei restlichen Kategorien fallen:

Nicht wollen.
Und Egal.

Und zu beidem sagen Sie bestimmt bald nicht mehr Ja.

PS: eine schöne Angewohnheit ist übrigens auch das Nein-Sagen zu sich und den eigenen Beschwerden. Dazu gibt es ein wunderbares Projekt: a complaintfree world und eine einwandfreie Beschreibung dessen.

Michael Tomoff
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